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UN-Bericht: Massenvergewaltigungen und Morde in Myanmar

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flickr|AK Rockefeller

Dhaka (dpa) – Die uniformierten Männer kamen am hellichten Tage. Sie drangen in die kleine Hütte ein, erschlugen den Holzfäller, der dort lebte, vor den Augen seiner Frau und kleinen Kinder. Zivilisten, die mit ihnen gekommen waren, setzten die Hütte in Brand. Dann verschwanden sie wieder.

Die Frau, die diese Geschichte erzählt, will nur ihren Vornamen verraten. Aara ist eine von tausenden Frauen und Kindern, die auf einem etwa 15 Kilometer langen Stück Straße in Bangladesch sitzen und um ein wenig Essen betteln. Sie sind Flüchtlinge aus der Provinz Rakhine im benachbarten Myanmar. Rund 66 000 Menschen haben in den vergangenen Monaten von dort den Weg nach Bangladesch auf sich genommen, in eine ungewisse Zukunft.

Geschichten wie Aara erzählen die Frauen und Kinder hier zuhauf. Der neunjährige Ankit erzählt, wie er sich unter den Bodenplatten seiner Hütte versteckte, während Angreifer seinen Vater und seine Schwester umbrachten. Die 20-jährige Shahor berichtet, wie mehr als ein Dutzend Soldaten zuerst ihren Mann töteten und sie dann vergewaltigten.

Seit Anfang Oktober ist in Rakhine eine neue Gewaltwelle gegen die muslimische Minderheit der Rohingya ausgebrochen. Rund 1,1 Millionen von ihnen leben geschätzt in Myanmar – jedoch mit deutlich weniger Rechten als die buddhistische Bevölkerungsmehrheit. Die Rohingya gelten für die Regierung nicht als Staatsbürger und werden schon zu Friedenszeiten durch eine ausufernde Bürokratie drangsaliert. Schon über Nacht ein Nachbardorf zu besuchen, macht einen komplizierten Genehmigungsprozess nötig. Wer sich nicht daran hält, muss mit Repressalien rechnen.

Doch der Tod von neun Grenzwachen im Oktober hat die Gangart der Sicherheitskräfte noch einmal deutlich verschärft – mit den Rohingya als Leidtragenden. Inzwischen sind große Teile der Region abgeriegelt, die Militärpräsenz deutlich erhöht und selbst Staatsmedien berichten von mehr als 100 Toten. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, wie ein aktueller Bericht der Vereinten Nationen nahelegt, für den UN-Beauftragte mehr als 200 Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch befragt hatten. Massenvergewaltigungen, Prügel und Tötungen, auch von kleinen Kindern und Babys, durch die Sicherheitskräfte Myanmars seien seit Oktober an der Tagesordnung, heißt es dort.

In der Kritik steht deshalb auch Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi. Schon zuvor hatten Organisationen wie Human Rights Watch und auch benachbarte Länder der Regierung der Friedensnobelpreisträgerin vorgeworfen, in Rakhine würden die Menschenrechte der Rohingya verletzt. Die meisten dieser Vorwürfe stritt man in Ragun jedoch ab. Nach dem UN-Report sagte nun ein Regierungssprecher, man sei «zutiefst besorgt» und kündigte an: «Überall, wo es klare Beweise für Missbrauch und Gesetzesbruch gibt, werden wir die notwendigen Maßnahmen ergreifen.»

Bangladesch mit seiner hauptsächlich muslimischen Bevölkerung gilt vielen Rohingya inzwischen als letzte Hoffnung. Viele berichten davon, wie sie sich wochen- oder sogar monatelang in Myanmar versteckten, bis sie endlich die Grenze überqueren konnten. «Ich musste Schleppern 200 000 Kyat (rund 136 Euro) zahlen, damit sie meine neun Kinder und mich über den Grenzfluss bringen», erzählt der Farmer Syed Amin, dessen Heim ebenfalls neidergebrannt wurde. Wer sich die Schlepper nicht leisten kann, versucht oft schwimmend oder an Holz- und Plastikstücke geklammert, nach Bangladesch zu gelangen.

Doch auch dort ist man mit dem starken Zustrom überfordert. Die meisten Flüchtlinge leben zurzeit im grenznahen Distrikt «Cox’s Bazar», wo bereits seit Jahrzehnten knapp 30 000 offiziell registrierte Rohingya leben. Die Dunkelziffer ist jedoch deutlich größer. Bis zu zehn Mal so viele Rohingya, so schätzen die Verantwortlichen, halten sich inzwischen dort auf. Die meisten von ihnen leben in einfachen Hütten aus Bambus und Plastikplanen, notdürftig abgedeckt mit Ästen und Laub.

Die Regierung spricht offiziell immer noch davon, dass die Rohingya Staatsbürger Myanmars seien und dorthin zurückkehren müssten. So lange eine Rücknahme nicht in Sicht ist, hat man nun einen eigentlich 2015 eingemotteten Plan wieder aus der Schublade gezogen. Auf der Insel Hatiya sollen dauerhafte Flüchtlingslager eingerichtet werden. Das Problem, warum Hilfsorganisationen der Plan bereits vor zwei Jahren heftig kritisierten: Die dafür vorgesehenen Teile der Insel stehen einen großen Teil des Jahres unter Wasser.

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