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Unglück sollte nicht “politisiert” werden – Erdogan wird in deutschen Medien nur unzureichend zitiert – gewalttätige Proteste

Trauer um Opfer

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Istanbul (dpa/IZ) – Mindestens 238 Menschen sind in der Türkei beim weltweit schwersten Grubenunglück seit mehr als zwei Jahrzehnten ums Leben gekommen. Noch rund 120 Kumpel seien unter Tage eingeschlossen, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwochnachmittag laut der Nachrichtenagentur Anadolu. Wie Erdogan am Ort der Katastrophe erläuterte, wurden mindestens 80 Menschen bei dem Brand in dem Kohlebergwerk verletzt. Der deutsche Außenminister Steinmeier erklärte sein Mitgefühl und bot deutsche Hilfe an.

Energieminister Taner Yildiz sagte in Soma, die Hoffnung schwinde, noch Überlebende zu retten. «Es ist schlimmer, als zunächst erwartet.» Zum Zeitpunkt des Unglücks am Dienstagnachmittag seien 787 Arbeiter in der Zeche gewesen. Möglicherweise werde die Katastrophe zum schlimmsten Grubenunglück in der Geschichte der türkischen Republik.

Medienberichten zufolge hatte ein Defekt in der Elektrik zunächst eine Explosion und dann den Brand verursacht, der nach Angaben von Yildiz in 150 Metern Tiefe ausbrach. Wegen des Unglücks rief die Regierung eine dreitägige Staatstrauer aus. Im ganzen Land und an den Vertretungen im Ausland wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt.

Gleichzeitig versuchen einige Medien schon vor dem Abschlussbericht möglicher Ursachen das Ereignis zu politisieren. Deutsche Medien werfen dem türkischen Ministerpräsident Erdogan sogar “Verharmlosung” vor. Erdogan hatte am Unglücksort den Opfern sein Beileid ausgesprochen. Auf eine Nachfrage hin hatte Erdogan den Betrieb von Minen als allgemein gefährlich bezeichnet, den Vorfall aber in keiner Weise verharmlost. Die türkische Staatsanwaltschaft ermittelt.

Erdogan erklärte:

“Ich versichere jedem, dass dieses Unglück in all ihren Details aufgeklärt wird. Jedes noch so kleine Detail wird analysiert werden. Wir werden kein Versagen oder keine Fahrlässigkeit entschuldigen. Wir werden die Ursache dieses Unglücks aufklären, und nötige Änderungen vornehmen, damit so etwas nie wieder passiert. Das sind wir den Hinterbliebenen und der Öffentlichkeit schuldig.”

In mehreren türkischen Städten kam es zu Protesten. In der Hauptstadt Ankara ging die Polizei Medienberichten zufolge mit Tränengas und Wasserwerfern gegen mehrere Hundert Demonstranten vor, die zum Energieministerium marschieren wollten. Die Sicherheitskräfte hätten über Megafon auf die von der Regierung verfügte Staatstrauer für die Opfer der Katastrophe hingewiesen. Aus den Reihen der Demonstranten seien Molotow-Cocktails und Steine geworfen worden.

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