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Unruhe im Industal: Ein Land zwischen Taliban und Flutkatastrophe. Von Sulaiman Wilms

Der neue „Prügelknabe“?

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(iz). Geändert haben sie bisher an der Sache nichts Wesentliches, außer dass eine Unzahl von Meldungen produziert wurde: Es handelt sich um die Veröffentlichung von mehr als 90.000 geheimer US-Do­ku­mente aus dem afghanischen Kriegsgebiet. Eine Ausnahme dazu ist der Einbruch der internationalen Reputation Pa­kistans. Das zweitgrößte muslimische Land der Welt – insbesondere sein Geheimdienst ISI – sollen angeblich wesentlich tiefer in den afghanischen Krieg verwickelt sein als bisher angenommen.

Die Menschen Pakistans sind alles ­andere als zu beneiden. Nicht nur wurde das Land von verheerenden Über­flutungen in einem bisher unbekanntem Ausmaß heimgesucht (Experten gehen von der größten Katastrophe in der ­Geschichte der Vereinten Nationen aus). Der Ruf Pakistans befindet sich spätes­tens nach den Veröffentlichungen des Enthüllungsnetzwerkes Wikileaks auf ­einem aktuellen Tiefstand. Aus einigen wenigen Dokumenten, deren Glaubwürdigkeit von vielen Experten angezweifelt wurde, soll hervorgehen, dass der pakistanische Geheimdienst ISI (auf einer Webseite zum „besten“ Geheimdienst der Welt gewählt) weiterhin Kontakte zu den „Taliban“ unterhalte und diese in Gestalt seines Ex-Chefs, Hamid Gul, weiterhin unterstütze.

In den USA und bei westlichen Verbündeten wurde sogleich der Vorwurf laut, Pakistan agiere als Verbündeter der Extremisten und sei ein subtiler Kriegsgegner der Allianz am Hindukusch. Dabei sei es idiotisch, so der US-pakistanische Journalist Shahid Siddiqi gegenüber der IZ, Pakistans Diensten ihre Tätigkeit in Afghanistan vorzuwerfen. Immerhin seien essenzielle nationale Interessen betroffen. Indien unterhalte bereits massiven Einfluss auf die – anti-pakistanische – Regierung Karzai.

Im Fokus der Vorwürfe gegen den ISI steht sein ehemaliger Chef Hamid Gul. Der pensionierte General erklärte gegen­über der „London Financial Times“, dass die USA den Krieg in Afghanistan ­verloren hätten.

Die Veröffentlichung von Wikileaks helfe der Regierung Obama, die Verant­wortung auf seinen Verbündeten Pakis­tan abzuwälzen. „Ich bin ein beliebter Prü­gelknabe Amerikas. Sie können es sich gar nicht vorstellen, dass die Afgha­nen alleine diesen Krieg gewinnen könnten. Es wäre eine erniedrigende Schande, wenn ein 74-jähriger General im Ruhestand“ die Bewaffneten in Afghanis­tan manipulieren würde, was zur amerikanischen Niederlage geführt habe.

William Engdahl, geopolitischer Beobachter, sieht in der jetzigen Dämonisierung Pakistans einen Wettbewerbsvorteil für Indien, den neuesten US-Verbündeten in der Region. Darüber hinaus verfüge Pakistan als einziges Land in der muslimischen Welt über Atomwaffen. Dies beunruhige Indiens neuen Verbündeten Israel, das laut Berichten diesen Umstand gerne ändern würde. Nach Ansicht von Engdahl sei es denkbar, dass via Wikeleaks eine Kampagne gegen den politisch sehr ausgesprochenen Gul geführt wurde.

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