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Ökologie und Umweltschutz: Impulse aus dem muslimischen Denken bieten Lösungen an. Von Dr. Abdul Nasser Al-Masri

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(iz). Der Mensch wurde als letztes beseeltes Lebewesen erschaffen, aber von Allah mit seiner Stellung als Khalif (Stellvertreter) bedacht – auch gegenüber den anderen Schöpfungen wie den Engeln und Dschinnen. So ermahnte Allah die Engel und Iblis, sich dem Menschen zu beugen: „Und als dein Herr zu den Engeln sprach ‘Wahrlich, Ich werde auf der Erde einen Khalifen einsetzen’, sagten sie: ‘Willst Du auf ihr jemanden einsetzen, der auf ihr Unheil anrichtet und Blut vergießt, wo wir doch Dein Lob preisen und Deine Herrlichkeit rühmen?’ Er sagte: ‘Wahrlich, Ich weiß, was ihr nicht wisst.’“

Die Schöpfung
Ähnlich wie in Thora und Bibel wurde auch laut Qur’an das Universum von Gott erschaffen. Die Beziehung Mensch-Erde-Lebewesen ist laut Gelehrten in drei Grundsätze verteilt: Der Mensch als einziger Vertreter auf der Erde als Treuhänder des Anvertrauten. Es ist ihm erlaubt, die Ressourcen auf der Erde unter Beachtung der religiösen Gesetze zu verwalten, und die Erde auf vernünftige Weise zu nutzen. Aber der Mensch darf die Last der Verantwortung nicht verharmlosen.

Allah ehrte den Menschen und ließ die Engel sich vor ihm verbeugen: „Und wahrlich, Wir haben die Kinder Adams geehrt und sie über Land und Meer ­getragen und sie mit guten Dingen versorgt und sie ausgezeichnet – eine Auszeichnung vor jenen vielen, die Wir erschaffen ­haben.“

Aber diese Ehrung bedeutet nicht, die Grenzen, die Allah ihm gab, zu überschreiten, weil die Geschöpfe Gemeinschaften bilden. Tiere und Pflanzen sind, ähnlich wie die Menschen, in Gemeinschaften organisiert. Allah sagte in mehreren Versen: „Es gibt kein Getier auf Erden und keinen Vogel, der auf seinen zwei Schwingen dahinfliegt, die nicht Gemeinschaften wären so wie ihr. Nichts haben Wir in dem Buch ausgelassen. Vor ihrem Herrn sollen sie dann versammelt werden.“

Im Zusammenhang zwischen den Geschöpfen und der Erde spielt die Schöpfung nach Maß eine wichtige Rolle. ­Allah sagte: „Wir haben jedoch ein jegliches Ding nach (rechtem) Maß geschaffen.“

Der Mensch verändert dieses Maß durch die technologische Entwicklung und seinen Bedarf an Verbrauchsmaterial, und dadurch kann das Gleichgewicht verschoben werden und es können Umweltschäden entstehen.

Die Umwelt in der ­islamischen Lehre
Der Qur’an berichtete über den Propheten Nuh (Noah), der – durch die Verwirklichung von Allahs Befehl – in allen monotheistischen Religionen als Schützer der Biodiversität gilt. Er ist ein markantes Beispiel für die Verantwortung, da er Menschen, Tiere und Pflanzen vor der Sintflut rettete: „Alsdann erging ­Unser Befehl und die Fluten (der Erde) brachen hervor. Da sprachen Wir: ‘Bringe in das Schiff je zwei von allen (Arten) hinein, Pärchen, und deine Familie mit Ausnahme derer, gegen die das Wort bereits ergan­gen ist, und die Gläubigen.’ Und keiner glaubte ihm, außer einer kleinen Schar.“

Verbotenes
Sowohl im Qur’an als auch in der Sunna (der prophetischen Lebensweise gibt es Anweisungen über den Umgang mit der Schöpfung und den Ressourcen der Erde. Das Prinzip des Umgangs miteinander ist einem Hadith zu entnehmen, der als eine islamische juristische Grundlage in allen Lebensbereichen gilt: Der Gesandte, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Schade den Anderen nicht durch persönlichen Profit, und die Anderen sollen dir nicht durch persönlichen Profit schaden.“

Als zentrale Leitlinie für den Umweltschutz mahnte Allah den Menschen, die Erde nicht zu zerstören, und sagte: „Und stiftet keinen Ver­derb auf Erden, nachdem dort Ordnung herrscht, und ruft Ihn in Furcht und Hoffnung an. Wahrlich, Allahs Barmherzigkeit ist denen nahe, die gute Werke tun.“

Allah macht im Qur’an die Menschen für die Zerstörung der Erde verantwortlich, wenn sie nicht mit Verstand und Vernunft handeln: „Unheil ist auf dem Festland und auf dem Meer sichtbar geworden um dessentwillen, was die Hände der Menschen gewirkt haben, auf dass Er sie die (Früchte) so mancher ihrer Handlungen kosten lasse, damit sie sich besännen.“

Der Prophet Muhammad, möge ­Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, machtedie Gläubigen auf die Schönheit und Begrünung dieser Welt aufmerksam, als er sagte: „Wahrlich, die Welt ist schön und grün, und Allah hat euch als Stellvertreter darauf gelassen, damit Er sieht, was ihr tut.“

Praktische Anweisungen durch den Propheten
Eine der Umweltmaßnahmen, die der Gesandte Allahs nach seiner Auswanderung nach Medina vornahm, war es – nach unserer heutigen Definition – die Stadt als Naturschutzgebiet beziehungsweise Sperrzone zu markieren, ihre Grenze genau zu definieren: „Jede Umgebungsseite von Medina ist beschützt in einem Umkreis einer Boten-Tagesreise, sodass darin kein Baum gefällt oder gestürzt werden darf, bis auf das, was die Kamele als Futter benutzen.“

Er drohte jedem, der dieses Schutzgebiet störe, mit Allahs Zorn und sprach: „Die Medina ist Sperrgebiet von soundso bis soundso. Ihre Bäume dürfen nicht gefällt werden. Es darf in ihr nichts Schädliches geschehen. Wer etwas Schädliches einrichtet, bekommt den Fluch Allahs, der Engel und aller Menschen zu spüren.“

Ein wichtiger Punkt in der Sunna des Propheten Muhammad ist der Erhalt der Schöpfung und die Gerechtigkeit unter den Menschen. Um die Menschen nicht von den wichtigsten Lebenselementen zu trennen, untersagte er das Monopol beziehungsweise die Herrschaft über das Wasser, Feuer und Gras; diese sollen allen Menschen gehören: „Die Muslime sind gemeinschaftliche Partner in drei Dingen: Dem Gras, dem Wasser und dem Feuer“ Er erweiterte seine Gesetze auf das Verbot, Wasser zu verkaufen. Der Prophetengefährte ‘Iyad sagte: „Verkauft das Wasser nicht. Ich hörte, dass Allahs Gesandter, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, das Verkaufen von Wasser verbot.“

Der Schutz der Tiere ist auch in der Sunna enthalten. So verbot der Gesandte, Tiere zu beschmutzen. Er verallgemeinerte diese Regel und forderte den Menschen, die Wege für Tiere und Menschen sauber zu halten. Alle Lebewesen können unter der Umweltverschmutzung leiden. Um das zu vermeiden, ordnete der Gesandte Maßnahmen zum Schutz stehender Gewässer an. „Wahrlich, keiner darf in stehendes Wasser urinieren und sich danach in ihm waschen.“

In den Zeiten, in denen Epidemien und Seuchen herrschten, sollen die Menschen laut Aussage des Propheten Muhammad Umwelthygiene und guten Umgang mit der Natur leisten. So sollen sie vermeiden, dass sich eine Epidemie ausbreitet, beispielsweise durch Bewegungen von Menschen und Tieren in oder aus Pestgebieten: „Wenn ihr Nachricht erhaltet, dass die Pest in einem Gebiet ausgebrochen ist, so begebt euch nicht dorthin, und wenn diese auf einem Gebiet ausbricht, auf dem ihr euch befindet, so verlasset es nicht, um ihr zu entfliehen.“ Die Nachfolger des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden ­geben, hielten sich an dessen Vorbild, weiteten es aus und passten dessen grundlegende Vorgaben an neue Situationen an. So wies der erste Khalif des Islam, Abu Bakr, seine militärischen Befehlshaber an, sogar Rücksicht auf die Natur zu nehmen: „… fälle keine Obstbäume, zerstöre keine Bauwerke, töte keine Schafe oder Kamele, es sei denn zum Verzehr, verbrenne oder ertränke keine Bienenvölker.“

Historische Beispiele
Der berühmte Oberarzt und Multiwissenschaftler Abu Bakr Ar-Razi (Razes, ca. 864-930) brachte den Durchbruch in der Wissenschaft und speziell in der Tiermedizin. Er erfand die Umweltmedizin und die Fleischsensorik. So sollte auf Geheiß des abbasidischen Khalifen Al-Muktafi ein neues Krankenhaus in Bagdad erbaut werden. Um den ­geeignetsten Platz zu finden, schlachtete Ar-Razi jeden Morgen ein Schaf an den möglichen Bauplätzen, zerteilte es in je vier Teile, ließ sie vor Sonnenaufgang und dann den ganzen Tag über dort liegen und bewertete am Abend die ­Verderbnis. Er untersuchte die Fleischstücke nach Geruch, Farbe, Aussehen, Trockenheit und Allgemeinzustand. Das Krankenhaus wurde dort erbaut, wo das Fleisch auf Dauer am wenigsten verdarb, dem Ort mit den saubersten Umweltbedingungen. Dadurch wurde die erste Umweltmedizin-Lehre im Mittelalter ­geboren.

Das Interesse für den Umweltschutz und seine Anwendung wurde nach der Zeit des Propheten weiter fortgesetzt. Der Khalif Al-Muqtadi bi’Llah (1075-1094) verbot es, Badeabwässer in den Tigris abfließen zu lassen. Die Beziehung zwischen Mitmenschen und Umwelt lässt sich durch folgende Regeln zum Bewohnen einer Stadt dokumentieren: „In der arabischen Zivilisation ist eine Stadt erst dann bewohnbar, wenn sie einen starken Verwalter hat, einen fleißigen praktizierenden Arzt hat, an einem Fluss liegt, einen gerechten Richter hat und an einem belebten Markt liegt.“ Große Städte, wie Bagdad, Kairouan, Kairo und andere wurden nach diesen Prinzipien gebaut und alle hatten Gärten. Die Bäume der Gärten waren eine der Möglichkeiten zum Schutz vor der Sonne und der Hitze und spendeten Feuchtigkeit und Duft.

Schluss und Ausblick
Es ist wichtig, dass sämtliche im Islam angelegten Regeln und Verhaltensweisen in einen Zweig des islamischen Rechts Eingang finden sollten. Imame und muslimische Dachverbände sollten in Zusammenarbeit mit Universitäten und Umweltbehörden ein Konzept finden, in dem Moscheen eine Brücke bauen zwischen den aktuellen Problemen und Fiqh-Meinungen und sowie Kurse darüber anbieten.

Das Problem der Umweltverschmutzung trifft alle. Schlechte Luft oder Klima treffen sowohl die Armen als auch die Reichen.

Die meisten arabischen Länder zum Beispiel führen Maßnahmen gegen Umweltverschmutzung durch. Positive Entwicklung ist die Gründung von Umweltministerien und „Subministerien“ in diesen Ländern. Einer der vielversprechendsten umweltsauberen Energiequellen für die Mittelmeeranrainer ist das Sonnenenergie-Projekt Desertec.

In einem der Projekte, das seit mehr als 40 Jahren läuft, wird an einem großen Konzept zur Begrünung mit internationalen und nationalen Stellen gearbeitet. Das Projekt wurde „Der grüne Gürtel (Al-Hizam Al-Akhdhar)“ genannt und umfasst das Pflanzen von ca. 200 Millionen Bäumen in Syrien.

Geschichtlich gesehen gab es in der arabischen Literatur den Hinweis, dass vor ca. 4.000 Jahren ein Reiter von Damaskus nach Bagdad (ca. 2.000 km) im Schatten von Bäumen ritt. Im Laufe der Zeit wurden diese Flächen durch den Schiffbau der Phönizier, Römer und späterer Dynastien abgeholzt beziehungsweise starben durch die Trockenheit ab. Man versucht heute zu verstehen, wie sich die neue Lage auf das Klima in Syrien auswirkt, das momentan von großer Trockenheit und geringen Niederschlägen geprägt ist.

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