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Unsere Verbindung zur Schöpfung

Die gegenwärtige Konsumgesellschaft lädt die ökologische Krise auf den Einzelnen ab

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Foto: Parsha | Shutterstock

(iz). In seinem zeitlosen Essay „Vom Anblick der Tiere“ beschreibt der baskische Romancier, Maler und Denker Abdulbasir Ojembarrena, was die Schau der Fauna und ihre Existenz mit unserem Innenraum zu tun hat. „Die Tiere wirken auf uns ‘wie die Urkraft eines großen Zeichens’. Durch sie deuten wir die Existenz, so wie es in der großen Tradition bei Rumi geschieht, wo der Papagei, der Löwe, der Fuchs und der Falke vielfältige Abbilder der menschlichen Seele darstellen“, lehrt er uns.

Der Baske erinnert daran, dass es Teil der Welt sei, die Existenz der Tierwelt als Gleichnis zu sehen. Alle Geschöpfe lebten auch im Inneren des Menschen. „In diesem Sinne scheint es so zu sein, dass man nur mutig wie ein Löwe sein kann, wenn im Dschungel tatsächlich noch ein Löwe umhergeht. In dem Maße, wie die Adler aussterben, schwindet auch unsere Sehkraft“, formuliert Abdulbasir Ojembarrena eine Analogie, die auch im Lichte der globalen ökolo­gischen Krise gelesen werden kann.

Die Natur sei kein System – das ist eine der Erkenntnisse Goethes. Sie ist kein von uns Getrenntes, Abstraktes, sondern wir sind als Geschöpfe Gottes immer schon ihr Teil. Insofern ist Ojembarrenas Beobachtung kein reines poetisches Glasperlenspiel. Sie zieht vielmehr eine Linie der Bedeutungen zwischen dem Inneren des Menschen und den systemischen Widersprüchen unserer ökonomischen Ordnung, die die Krise hervorbrachte.

Betrachten wir die anhaltende Diskus­sion um politische „Lösungen“ der Klima­krise, fällt auf, dass selbst bei den Grünen keine systemische Linie zwischen unserer Ökonomie und den ökologischen Krisenzeichen gezogen wird. Anstatt Grundfragen zu stellen, wie es George Monbiot tut, oder die Industrie zu hinterfragen, setzt man bisher auf die finanzielle Belastung des Einzelnen.

Dabei ist es eine Binsenweisheit, dass sich der ökologische Fußabdruck aus der Vermögensgröße ableitet. Es sind nicht Geringverdiener, welche die größeren Emissionen zu verantworten haben. Erst jüngst veröffentlichte „The Guardian“ einen Text, wonach 60 Konzerne in den letzten 100 Jahren für mehr als die Hälfte aller Emissionen verantwortlich waren. In „Die Grüne Lüge“ beschreibt die Autorin Kathrin Hartmann anhand dokumentierter Beispiele, wie die Wirtschaft sich ihr destruktives Handeln schönredet. „Der Neoliberalismus verspricht uns Freiheit, meint aber nur die individuelle Wahlfreiheit beim Shopping – auch und gerade zum Zwecke der Weltrettung. Das grüne TINA-Prinzip (…) des ‘ethischen Konsums’ führt ­jedoch weder zu sozialen Bewegungen noch zu Protest“, schreibt Hartmann.

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Sulaiman Wilms

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