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Unsichere Zukunft der Rohingya

Interview zur Lage der Flüchtlinge in Bangladesch mit dem UN-Vertreter der Landes. Von Tharanga Yakupitiyage

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Foto: Kamrul Hasan/IPS

Vor über einem Jahr öffnete Bangladesch seine Grenze als Antwort auf die heute schnell wachsende Flüchtlingskrise. Es bleiben Fragen, was mit dieser rapide anwachsenden Gruppe zu tun ist. Die muslimischen Rohingya, die ab August 2017 vor der gezielten Gewalt des burmesischen ­Militärs und buddhistischer Mobs fliehen mussten, bringen die Erzählungen der ­erlebten Schrecken mit sich.

Kreisläufe der Gewalt reichen zurück bis 1978. Heute leben insgesamt 1,3 Millionen Rohingsya in Bangladesch. Das führte dazu, dass das kleine südasiatische Land auf der Suche nach Ressourcen ist, um die kummervollen Flüchtlinge in den überfüllten Lagern zu versorgen.

Hierzu sprach IPS mit Masud Bin Momen. Bin Momen ist derzeit Vertreter von ­Bangladesch bei den Vereinten Nationen. Er äußerte sich zu Herausforderungen, ­Hilfen und zukünftigen Plänen.

Frage: Wie ist die Lage in Bangladesch? Kommen immer noch Rohingya an und unter welchen Umständen?

Masud Bin Momen: Die Lage in Cox’s Bazar ist fürchterlich. Wir müssten mehr als 700.000 Rohingya aus dem burmesischen Staat Rakhine beherbergen. Das ist die schnellst wachsende Krise ihrer Art in der Welt. Sie mit humanitärer Hilfe zu versorgen, ist eine schwere Verantwortung.

Der Zustrom der Rohingya hat nicht aufgehört. Er geht weiter – wenn auch in viel ­kleineren Mengen. Neu hinzugekommene Menschen zeichnen ein düsteres Bild der Lage in Rakhine. Sie sprechen von Unsicherheit, Drohungen, Verfolgung, Hunger und fehlendem Lebensunterhalt. All das zwingt sie, Burma zu verlassen.

Frage: Was hat die Regierung in der letzten Zeit zur Unterstützung der Menschen unternommen?

Masud Bin Momen: Unsere Regierung bemüht sich, die humanitäre Situation in dem riesigen Lager zu verbessern, sodass die grundlegenden Bedürfnisse der Rohingya befriedigt werden. Die Herausforderungen hierbei sind vielfältig. Sie mit dem Grundlegenden zu versorgen, ist die größte Aufgabe. Für den Lebensunterhalt konkurrieren sie mit den Einheimischen. Dies verringert die Beschäftigungsmöglichkeiten der lokalen Bevölkerung und sorgt so für Besorgnis bei den Aufnahmegemeinschaften. Da ihr Aufenthalt länger dauert, besteht die Möglichkeit, dass sie sich mit der lokalen Bevölkerung vermischen, was ihre Rückführung erschweren könnte.

Frage: Wie sehen Sie den Streit um die Rückführung nach Burma?

Masud Bin Momen: Obwohl die Rohingya in ihre Heimatgebiete in Rakhine zurück­kehren möchten, könnten sie dies nicht tun, solange die Bedingungen vor Ort dafür nicht zuträglich sind. Das ist das einzige Hindernis für eine Rückkehr. Aus diesem Grund unterzeichnen sie keine Deklaration für eine ­freiwillige Heimkehr und die Rückführung wird verzögert.

Frage: Was sind die Pläne Bangladeschs, solange eine Heimkehr ausgeschlossen scheint?

Masud Bin Momen: Wenn sie in absehbarer Zeit nicht zurückkehren, haben wir vielleicht keine andere Wahl, als ihnen weiterhin ­Zuflucht zu geben. Wir würden sie nicht gegen ihren Willen zurückschicken. Unsere Regierung arbeitet unermüdlich daran, die Lager und die Lebensbedingungen dort zu ver­bessern. Wir entwickeln auch eine Insel für die Umsiedlung einiger Rohingyas.

Frage: Es gab kritische Stimmen zu diesen Plänen. Die Insel soll wegen dem Wetter und Fluten nicht sicher sein?

Masud Bin Momen: Das ist eine völlig falsche Wahrnehmung. Die gesamte Rohingya-Bevölkerung an einem geopolitisch sensiblen Ort wie Cox’s Bazar zu halten, ist überhaupt nicht machbar. Cox’s Bazar hat einfach nicht die physische Kapazität oder die Infrastruktur, um eine so große Rohingya-Bevölkerung zu ernähren. Sie müssen also umgesiedelt werden, und die Insel, von der Sie sprechen, ist ein solcher Ort für eine mögliche Umsiedlung.

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