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Unverfälschtes orientalisches Leben in der Altstadt

Faszination Damaskus

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„Wenn einer eine Reise tut, ist Bildung wichtig und auch gut.“ Damaszener Sprichwort

Damaskus, die heutige Hauptstadt Syriens, ist eine der ältesten Städte der Erde, die ununterbrochen bewohnt waren. Die ersten Menschen lebten hier schon im 4. Jh. v. Chr. Die Stadt befindet sich im Südwesten des Landes unweit der von Israel besetzten Golanhöhen und den Grenzen zu Libanon und Jordanien. Damaskus, arabisch Ad-Dimaschq oder – wie die ganze Region – auch Asch-Scham genannt, liegt östlich des Küstengebirges und westlich der trockenen Wüstengebiete inmitten einer 30 000 Hektar großen Bewässerungsoase, der „Ghouta“. Ihr Lebensquell ist der Fluss Barada mit seinen sieben Seitenarmen und mehr als einhundert Kanälen. Er wird von den Regenfällen im Gebirge gespeist und ist einer der wenigen syrischen Flüsse, die ständig Wasser führen. Mit ihrem üppigen Bewuchs und den Schatten spendenden Palmen erschien die Oase schon vor Jahrhunderten Beduinen und Karawanen nach ihrem langen Marsch durch die Wüsten wie ein Paradies auf Erden. Damaskus war ein wichtiger Knotenpunkt im weitgespannten Netz der großen Karawanenstraßen von China (Seidenstraße), Indien und Südarabien (Weihrauchstraße) in die Länder des Abendlandes. Nicht zuletzt wegen des fruchtbaren Bodens ist Damaskus die älteste kontinuierlich besiedelte Stadt der Welt – nur Jericho ist noch älter, war aber nicht ununterbrochen bewohnt.

Im ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung war Damaskus aramäisch, später assyrisch, babylonisch, persisch, griechisch, römisch und byzantinisch. Ab dem Jahr 635 wurde die Stadtgeschichte islamisch geprägt. Ihre politische Glanzzeit war die unter dem Khalifat der Umajjaden, die von 657 bis 750 Damaskus zur politischen Hauptstadt der islamischen Welt machten. Damals begann für die Stadt eine goldene Epoche als Sitz des Khalifats und Mittelpunkt des jungen islamischen Reiches, das während dieser Periode seinen Expansionshöhepunkt erlebte, und sich von der Atlantikküste und den Pyrenäen im Westen, bis zum Indus und China im Osten erstreckte. Die Umajjaden bauten die Stadt aus, organisierten die Souqs und Distrikte und entwickelten die Wasserleitungen. Auch zahlreiche Paläste und Krankenhäuser zeugen von dieser Hochzeit islamischer Kultur.

Die ihnen folgenden Abbasiden (1155 bis 1250) verlegten die Hauptstadt des Khalifats dann nach Bagdad, auch die Mamluken ab 1260 und die Osmanen ab 1570 hatten ihre Hauptsitze anderswo. Dennoch blieb Damaskus immer eine der bedeutendsten Städte des Islam und auch ein Zentrum des islamischen Wissens und Gelehrtentums. So war Damaskus beispielsweise neben Bagdad immer ein Zentrum der ansonsten wenig verbreiteten hanbalitischen Rechtsschule, obgleich auch die anderen Rechtsschulen hier vertreten waren und sind. Der große, aus Andalusien stammende Gelehrte und Sufi Scheikh Muhyi ad-Din Ibn Arabi ist in Damaskus begraben.

Nach den arabischen Aufständen unter Mitwirkung des britischen Agenten Lawrence durfte Damaskus sich nach langer Fremdherrschaft 1918 sogar „Hauptstadt des Arabischen Königreiches“ nennen – wenn auch nur für zwei Jahre, bis die Franzosen die Mandatsherrschaft übernahmen. Seit 1946 ist sie Hauptstadt des unabhängigen Staates Syrien.

Seine exponierte geographische Lage zwischen Mesopotamien, Anatolien, dem Mittelmeer und Ägypten verlieh Syrien schon immer eine bedeutende Rolle im Fernhandel und öffnete es für Einflüsse benachbarter Kulturen, auch wenn Damaskus die Rolle als bedeutender Knotenpunkt des Fernhandels später an die nördlich gelegene Stadt Aleppo (Halab) abgegeben hat.

Modernes Leben mischt sich in Damaskus harmonisch mit den Traditionen, mondäne Wohnviertel umrunden die malerische Altstadt, ohne in sie einzudringen. Die ganz besondere Mischung macht Damaskus zur interessantesten Hauptstadt des Vorderen Orients.

Der Souq ist das Herz der Stadt Juwelen islamischer Baukunst erwarten den Besucher in der Altstadt, die zu dem am besten erhaltenen in der islamischen Welt gehört, und ebenso der Souq, der Basar. Wer den Orient liebt, findet ihn in den Souqs von Damaskus. Was wäre Damaskus oder jede andere Stadt im islamischen Raum ohne die alten Souqs? Menschen drängen sich durch enge Gassen, entlang an duftenden Gewürzen wie Kardamom, Ingwer, Safran, Rosenblättern, Weihrauch, Blütentee und den für ihre Zartheit berühmten Damaszener Aprikosen, welche in riesigen Säcken angeboten werden. Man läuft durch angenehm enge Gassen an Parfüms, farbenfrohen Kleidern, Stoffballen oder Teppichen, glänzendem Goldschmuck oder Messinggeschirr, verführerischen Gebäckwaren oder Süßigkeiten und an appetitlichen Gemüse- oder Früchtebergen vorbei. Und wohl gemerkt: Jede Ware hat ihren Platz in der dazu bestimmten Gasse! Die einzelnen Bereiche, meist nach Berufen oder den dort vorwiegend verkauften Waren benannt, lassen noch die frühere Ordnung erkennen: Souq el-Khajjatin, Souq der Schneider; Souq el-Qabqabija, Souq der Holzpantoffelmacher; Souq el-Harir, der Seiden-Souq und, von uns Frauen sehr gern besucht, der Souq el-Arajas. Beim Bummel innerhalb der alten Stadtmauern fühlt man sich stellenweise um Jahrhunderte zurückversetzt, denn der vom osmanischen Sultan Abdulhamid gegründete „Souq el-Hamadija“ ist vollständig mit einem Rundbogendach aus Wellblech überspannt. Der orientalische Basar ist überdacht von Kupferplatten, deren Löcher das Sonnenlicht in die Dunkelheit des Basars lassen. Nur die Autos, die durch die größeren Gassen rasen und der moderne Kitsch, der im Souq verkauft wird, holen einen in die Gegenwart zurück. Neugierig nimmt man das allumfassende Marktgeschrei, zusammen mit Musik aus den Radios der Basarbuden oder den Rufen des Muezzin aus den Lautsprechern der Minarette, wahr. Erst danach erlebt man bewusst die absolute Ruhe in den Innenhöfen der märchenhaft gebauten Moscheen. Im vierten Jahrhundert wurde der Jupiter-Tempel zur Grabkathedrale von Johannes dem Täufer. Dann ließen die umajjadischen Khalifen eine prächtige Moschee errichten: Die berühmte Umajjaden-Moschee.

Die Umajjadenmoschee – Vorbild für den Islam Die Umajjaden-Moschee, am Ende des Souq Al-Hamadija gelegen, befindet sich in der Mitte der Altstadt von Damaskus. Sie wurde von dem Umajjaden-Khalifen Al-Walid im Jahre 705 n.Chr. erbaut, als Damaskus die Hauptstadt der Islamischen Welt war, und gehört zu den frühesten Moscheebauten überhaupt. Der Platz, auf dem die Moschee erbaut wurde, war schon immer ein Mittelpunkt des städtischen Lebens gewesen: Zuerst hatte dort der Tempel der aramäischen Gottheit Hadad gestanden, den die Syrer dreitausend Jahre zuvor verehrt hatten, dann erbauten die Römer an gleicher Stelle den großen Jupitertempel.

Der Bau der Umajjaden-Moschee dauerte zehn Jahre. Zahlreiche Baumeister, Künstler, Teppichmacher, Mosaikbauer und Maler arbeiteten an der Verwirklichung dieses einmaligen Bauwerks, dessen Architektur mit ihren Säulenhallen und dem Innenhof zum Vorbild von Moscheen in der gesamten islamischen Welt wurde. Beachtenswert sind vor allem die drei Minarette, die alle verschiedene Baustile aufweisen, und deren Spitzen während der Herrschaft der Ajjubiden, Mamluken und Osmanen renoviert wurden. Das Innere der Moschee ist geprägt von der Gebetshalle, die mehr in die Breite als in die Länge orientiert ist, und dem Innenhof. Die Innenwände sind mit farbigen Mosaiken aus Glas geschmückt, die Naturszenen darstellen. Im Gebetsraum befindet sich das Grab des Propheten Junis (Jonas), Allahs Friede auf ihm.

Von der poetischen Schönheit der „Perle des Orients, Blume des Paradieses, Auge der Wüste“ sieht man besonders auf dem die Stadt überragenden Berg, dem Dschebel Qassiun, eine Menge. Ein Muss für jeden, der die älteste Hauptstadt der Welt besucht ist es, am Abend auf den Berg Qassiun zu steigen und einfach den einzigartigen Ausblick über Damaskus zu genießen, der durch die untergehende Sonne und die in ihr blinkenden Dächer noch intensiviert wird. Überhaupt: Damaskus ist noch immer eine der faszinierendsten Städte überhaupt. Der andalusische Reisende Ibn Dschubair schrieb 1184: „Diejenigen, die sagten: „Wenn das Paradies auf Erden ist, dann ist ohne Zweifel Damaskus ein Teil davon. Wenn es im Himmel ist, dann ist es seine Spiegelung auf Erden“, sie sprachen die Wahrheit.“

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