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USA: Die Latinos werden immer wichtiger, auch unter den Muslimen. Von Erika L. Sanchez

Aus Jennifer wird Jamila

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Die spanischsprachige Community in den USA nimmt an Umfang und Einfluss immer mehr zu. Obwohl sie als traditionsbewusst und tiefchristlich gilt, sollen bis zu 200.000 ihrer Mitglieder den Weg zum Islam gefunden haben.

(CGNews). Marta Khadija, die mexikanischer Herkunft ist, nahm 1983 den Islam an. Heute ist sie Präsidentin von LALMA, der Latino-Muslimische Vereinigung von Amerika. Damals war sie unzufrieden mit ihrem spirituellen Leben. Als sie in die Vereinigten Staaten zog, erhielt sie von muslimischen Freunden Texte über den ­Islam und besuchte eine Moschee. Diese – emotionale und machtvolle – Erfahrung habe ihr Frieden verschafft.

Mark Gonzales ist ein anderer latino-amerikanischer Muslim. Der „Autor und Erfinder“ bezeichnet sich selbst als „eingeborenen Muslim“. Gonzales, der mexikanische und französisch-kanadische Wurzeln hat, wuchs katholisch auf und begann seine Entdeckung des Islam, nachdem er das Christentum „sehr, sehr intensiv praktiziert hatte“. In diesem Prozess „erkannte ich, dass mir die Vorstellung eines Türhüters [der den Zugang zu Gott kontrolliert] nicht behagte“, sagt er. In dieser Zeit arbeitete er in einem Projekt für Wiedergutmachung auch mit Familien, die nach dem 11. September 2001 deportiert wurden. Er knüpfte Beziehungen zu „Menschen, die den ­Islam praktizierten“ und sei dann konvertiert.

Die USA gelten häufig als Staat mit einer großen Vielfalt. Und sie wird als Land betrachtet, das aus Minderheiten besteht, die miteinander im alltäglichen Austausch stehen. Als Ergebnis ist die stetig wachsende Zahl von Latino-Muslimen in den Vereinigten Staaten unaus­weichlich. Je nachdem, welcher Quelle man folgen will, leben zwischen drei und 14 Millionen Muslime in den USA. Und die so genannten Hispanics sind ­ebenfalls eine rasant anwachsende Gruppe, die derzeit 17 Prozent der gesamten US-Bevölkerung stellt. Natürlich ergibt es sich, dass beide Gruppen einen Austausch ­pflegen. Was sich beim ersten Blick wie eine ungewöhnliche Verbindung anfühlt, erscheint später normal zu sein.

Als ich Khadija nach der Reaktion ihrer mexikanischen Familie auf die Annah­me ihres Islam befragte, sagte sie: ­“Meine Mutter dachte zuerst, ich hätte mich ­einer Sekte angeschlossen“ Aber bald akzeptierte sie es, nachdem sie mit einem Priester gesprochen hatte, der ihr bestätigt habe, ihre Tochter sei auf einem ­guten Weg. Khadija hat allgemein nicht das Gefühl, dass sie von anderen Latinos abschätzig betrachtet werde und dass sie in der Lage sei, ihre beiden Identi­täten ohne Probleme zu leben. Die Muslim ist überzeugt, dass es daran liegt, dass sie die Verbindung zu ihren mexikanischen Wurzeln nicht gekappt habe. „Ich ­behielt meine Kultur“, sagt sie. „Und ich habe mich nicht so wie im Nahen ­Osten ange­zogen.“ Ihre Organisation LALMA unter­hält unter anderem gute Beziehun­gen zur katholischen Kirche in Los Angeles.

Mark Gonzales machte ähnliche Erfah­rungen. „Dies liegt auch daran, weil meine Arbeit in der Umgestaltung von Identitäten besteht“, erläutert er. Und als Dichter und Lehrer reist er in der ­ganzen Welt, um seine Botschaft zu verbreiten. Er sagt bezüglich der Latino-muslimischen Identität, dass diese nur dann zu einem Problem werde, wenn sein Erbe und seine Spiritualität nicht den Erwartungen anderer Leute entsprechen. Es gibt keine verlässlichen Statistiken über die Anzahl der Latino-Muslime in den Vereinigten Staaten. Aber sie reicht – je nach Organisation – von 100.000 bis 200.000 Menschen. Der Anwalt und Imam Wilfredo Amr Ruiz erläutert, dass seine Einrichtung, die American ­Muslim Association of North America, einen exponentiellen Anstieg nach spanischsprachigen Übersetzungen der Bedeutungen des Qur’ans in den letzten zehn Jahren erlebt habe. Pro Woche erhielten sie aus Gefängnissen hunderte Anfragen nach islamischen Texten. Dies verweise ­darauf, dass einige neuen Muslime aus den Gefängnissen kämen.

Die Latinos, die keine homogene Grup­pe sind, finden unzählige Wege zum Islam. Einige nehmen ihn als Folge einer romantischen Beziehung an. Andere wünschen wieder einen Zugang zu Religion oder sind akademisch interessiert. Bei Wilfredo Amr Ruiz sei es die Neugier gewesen, die ihn zum Islam geführt habe. Er war auf der Suche nach einem neuen Zugang zu Religion, als er in San Jose, auf Puerto Rico sah, wie ein Islamisches Zentrum gebaut wurde. Er habe sich entschlossen, auf Entdeckungsreise zu gehen.

Einige Latinos lehnten den Islam anfänglich ab, weil sie durch die Medien ein unvorteilhaftes Bild erhalten hätten. Aber einige stellten später fest, dass sie mit den Muslimen die gleichen moralischen Werte gemein hätten. Ruiz ­verwies auch darauf, dass manche Hispanics mit einer Verbindung zu Spanien wegen der langen Geschichte der Muslime in Andalusien von der Religion angezogen würden.

Muslime wie Gonzales, Ruiz und Khadija schaffen eine einzigartige amerikanische Identität. „Islam ist eine Religion, die in ihrem Kern kulturell relevant für diejenigen sein muss, die sie praktizieren“, meint Gonzales. „Die Latinos bilden eine kulturell relevante Form des Islam.“ Die Amerikaner müssen in ­ihrem Bewusstsein Platz für diese neuen Gemeinschaften schaffen.

Erika L. Sánchez ist freiberufliche Autorin, lebt in Chicago und schreibt Gedichte. Sie veröffentlicht unter andern in „Cosmopolitan for Latinas“, der „Huffington Post“, NBC Latino und anderen.

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Erika L. Sanchez

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