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Veranstaltungsbericht: Erstes Zentrum für „Islamische Theologie“ eröffnet. Von Volker Hasenauer

Große Chancen

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(KNA). Die islamische Theologie ist an den deutschen Universitäten angekommen. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) eröffnete am Montag in Tübingen das bundesweit erste Zentrum für Islamische Theologie. An der Eberhard-Karls-Universität und an drei weiteren Uni-Standorten sollen künftig der islamische Theologennachwuchs sowie muslimische Religionslehrer ausgebildet werden. Dafür nimmt der Bund in den kommenden fünf Jahren insgesamt 20 Millionen Euro in die Hand. Schavan sprach von einem „guten Tag für die islamische Theologie im Haus der Wissenschaft“.

Nun wird die Praxis zeigen, was auf die hohen Erwartungen an die neuen Zentren folgen wird. Beim Tübinger Festakt war viel von „Meilensteinen“, „historischen Entwicklungen“ und „wichtigen Schritten“ für die islamische Theologie wie für die Muslime in Deutschland die Rede. Neben Schavan beschrieb auch die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) die Hoffnung, dass das neue Zentrum neben seiner wissenschaftlichen Forschung und Lehre wichtige Impulse für die Integration und gesellschaftliche Beteiligung von Muslimen in Deutschland geben könne.

Der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime in Deutschland, Bekir Alboga, zeigte sich erfreut über das neue Zentrum, weil damit der Islam in Deutschland als Religion auf der „Ebene der vielfältigen Universitätslandschaft“ anerkannt werde. Zugleich wiederholte er seinen Appell, dass die Muslime in Deutschland möglichst schnell als Religionsgemeinschaft im Sinne des Grundgesetzes anerkannt werden sollten: „Denn noch können wir beispielsweise unsere Kinder nicht im Standesamt als muslimisch eintragen lassen.“ //2// Der Forschungs- und Lehrbetrieb am Tübinger Zentrum hat indes mit den ersten 36 eingeschriebenen Studenten – darunter 23 Frauen – bereits begonnen. Sechs Professuren wurden gemeinsam von Universität und dem eigens gegründeten, mit muslimischen Vertretern besetzen Beirat ausgewählt. Zusätzlich zum achtsemestrigen Bachelorstudiengang soll bald ein Master- und Lehramtsangebot folgen. Universitätsrektor Bernd Engler lobte die Zusammenarbeit mit dem vom Wissenschaftsrat vorgeschlagenen Beiratsmodell als „vorzüglich und vertrauensvoll“.

Das Zentrum soll mittelfristig zudem eng mit den theologischen Fakultäten der Universität, aber auch mit der Heidelberger Hochschule für jüdische Studien zusammenarbeiten. Hochrangige Vertreter aus Christen- und Judentum nahmen am Gründungsfestakt teil.

Mehmet Pacaci vom türkischen Religionsamt Diyanet äußerte die Hoffnung, dass das Zentrum zudem dabei helfen werde, in Deutschland bestehende „Missverständnisse“ gegenüber dem Islam und den Muslimen zu beseitigen. Es könne einen Beitrag zu konstruktiven Beziehungen über Religionsgrenzen hinweg leisten: „Glauben und Religion dürfen keine Grenzen bilden, sondern müssen wie offene Fenster wirken.“

Unklar blieb bei der Eröffnung, ob in Tübingen künftig auch der Grundstock für die Ausbildung von Imamen, also muslimischen Gemeindeleitern, gelegt werden soll. KRM-Sprecher Alboga verneinte dies und sprach sich am Rande der Eröffnung für die Einführung eines praktischen Ausbildungsteils für Imame nach dem Vorbild des christlichen Pfarrvikariats aus. Damit dürften auch nach der akademisch-feierlichen Eröffnung noch viele Detailfragen in der Ausgestaltung von Lehrangeboten und Forschungsschwerpunkten offen bleiben. Muslime, Universität und die Bildungsministerin waren sich jedoch einig, dass es nun gelte, große Chancen für die Islamische Theologie als Wissenschaft genauso wie für die Muslime in Deutschland insgesamt zu nutzen.

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