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Von Familienausflügen lernen. Es braucht mehr Möglichkeiten, die Menschen direkt anzusprechen. Von Sulaiman Wilms

Kommentar: Mehr Zirkus wagen

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(iz). Wer wie ich mehrere Kinder im Vorschul­alter hat, weiß aus eigener Erfahrung, wie ­wichtig es ist, sich gerade auch als Vater regelmäßig mit ­ihnen zu beschäftigen. Dies fällt zugege­bener­maßen leichter, wenn sich Möglichkeiten für Aktivitäten außerhalb der eigenen vier ­Wände anbieten. Nicht selten wird man sich dabei an den Wünschen und Bedürfnissen der ­Kleinen orientieren müssen. Aber hin und wieder gibt es Aktionen, bei denen auch Papa und Mama ihren Spaß haben können. Das ist nicht nur praktisch, sondern zeigt dem Nachwuchs, dass man die gemeinsam ­ver­brachte Zeit auch selbst genießt – eine ­positi­ve Bestätigung also.

Mein Herz schlägt dabei nicht nur für den obligatorischen Besuch im Zoo. Geradezu hellhörig wie ein scheues Reh horche ich auf, wenn das fast schon magische Wort „Zirkus“ fällt. Und so machte sich die Familie auch dieses Mal auf ihren Weg, als bekannt wurde, dass ein Zirkus – und zwar kein kleiner – in der Gegend war. Ich bekenne, dass mich diese Form des gemeinsamen Zeitvertreibs wie kaum eine andere Sache fasziniert und dass sie meiner Meinung nach etwas darüber verrät, wie wir als Muslime in Deutschland unsere Lage positiv verändern können.

Denn wenn das Spektakel beginnt, eröffnet sich ein dritter Raum – einerseits jenseits ­einer verflachten, konsumorientierten Unterhaltungskultur, die selbst das Ereignis Fußball-WM unverträglich gestaltet und andererseits jenseits einer geistig-politischen Landschaft, die längst alle Strahlkraft verloren hat. Die ­Menschen werden – unabhängig ihres jeweili­gen Hintergrunds – direkt angesprochen. Die ­Mischung aus Akrobatik, der Umgang mit Tieren und die Liebe der Artisten zu ihrem Handwerk überträgt sich auf alle Anwesenden, ob jung oder alt.

Wenn ich mir überlege, was ein musli­misches Äquivalent zum Zirkus sein könnte, obwohl die Idee eines eigenen „muslimischen Zirkus“ natürlich faszinierend ist, fallen mir sofort verschie­dene Dinge ein. Von Muslimen ­gestiftete Märkte über Aktionen und Projekte, bei ­denen eine unmittelbare Begegnung zwischen Muslimen und Nichtmuslimen ­ermöglicht wird, bis hin zum Schaffen von Freiräumen, in denen junge Muslime im Rahmen ihrer ­Religion und altersgerecht ihre Fähigkeiten ­erfahren können – all dies kommt von einem dritten Ort.

Vis-à-vis der angerosteten Versuche, die ­pulsierende Lebensweise des Islam in ein ­ideologisches Gerüst zu kleiden oder einen politisch korrekten Islam zu schaffen, wirkt die Idee des Zirkus umso ansprechender.

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