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Von Verzicht und Solidarität

Auch Muslime reagieren auf den Ausbruch von COVID-19 in Deutschland

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Foto: fudul, Facebook

Einerseits entschieden muslimische Verbände sich für eine Aussetzung der gemeinschaftlichen Gebete in ihren ­Moscheen. Andererseits rufen sie zu Hilfe für Betroffene und von Ansteckung ­bedrohte Menschen aus.

(iz/KNA). Wie alle Menschen sind die Muslime in diesem Land gleichfalls von der Manifestation der globalen Corona-Pandemie betroffen. Und wie alle, fragen sie sich nicht nur, was es für sie bedeutet, sondern auch, was sich jetzt sinnvoll tun lässt.

Im Verlauf der letzten Wochen und der sukzessiven Steigerung der Maßnahmen hat sich die muslimische Community zuerst mit Aufklärung und Warnungen und dann mit handfesten Entscheidungen an die Gläubigen gewandt. Sie steht ebenso vor der Frage, wie sich wichtige Anliegen wie seelsorgerische Aufgaben weiterhin aufrecht erhalten lassen.

Ein gutes Beispiel dafür ist Telefonseelsorge, welche im Falle Berlins mittlerweile erfolgreich von Muslimen für Muslime und andere angeboten wird. Bei ihr steigt in Deutschland unterdessen die Zahl der Anrufe. Derzeit drehten sich etwa acht Prozent der täglichen Anrufe um das Thema Coronavirus, sagte der Leiter der Telefonseelsorge Bochum, Ludger Storch, am 12. März. Wenige Tage zuvor habe der Anteil nur bei etwa vier Prozent gelegen. In Folge meldeten sich Menschen, die an Angststörungen litten und momentan aushäusige Kontakte mieden, sowie Ältere und Gebrechliche.

Am 13. März verkündete der größte türkisch-geprägte Moscheeverband DITIB die Aussetzung der Freitagsgebete seiner beinahe 900 Moscheegemeinden. Man stehe einer Pandemie gegenüber, die inzwischen die gesamte Welt erreicht und viele Todesfälle verursacht habe. „Diese Pandemie zwingt alle Institutionen und Organisationen zu drastischen Maßnahmen, um die Verbreitung einzudämmen.“ Alle stünden in der Pflicht, einen Beitrag zu ihrer Eindämmung zu leisten.

Vergleichbar äußerte sich in Folge der Zentralrat der Muslime über seine Kanäle. Entgegen einer Stellungnahme vom 9. März rate man „allen Geschwistern in aller Dringlichkeit“ mindestens bis Ende März das Freitagsgebet in allen Moscheen auszusetzen. Darüber hinaus solle auf Großveranstaltungen und weitere Aktivitäten in den Moscheen verzichtet werden. „Wir bitten um Verständnis für die Maßnahmen der Notsituation und bitten Gott, den Allmächtigen, die ganze Menschheit von dieser Epidemie zu befreien und unser Land vor allem Bösen und Widrigen zu bewahren“, hieß es in dem Text. Verbände wie der Zentralrat empfahlen den Gläubigen, auf Händeschütteln und Umarmungen zu verzichten sowie häufig die Hände zu waschen. All dies könne die Übertragung von Viren verhindern und eine mögliche Infektion unterbinden.

Im gleichen Zeitraum des 13. März zogen sämtliche relevanten nationalen und landespolitischen Moscheeverbände und Vereinigungen nach. Einige Imame beten nun allein in den Moscheen. Andere gingen dazu über, ihre Freitagsansprachen per Videostreaming anzubieten.

Der Zusammenschluss aus Islamrat, seinem Mitgliedsverband IGMG sowie der Fudul, der Zentralstelle für islamische Wohlfahrt und Soziale Arbeit, startete eine spontane Nachbarschaftshilfe. Ziel dieser sei es, einer Ausbreitung des Virus vorzubeugen und „Risikogruppen zu unterstützen“. Damit wollen die Aktiven „Älteren und anderen (…), die vom Coronavirus besonders bedroht sind“, helfen. Junge Leute sollen ihnen hierbei behilflich sein und Lebensmitteleinkäufe oder andere Besorgungen tätigen. Eine andere Möglichkeit seien Verrichtungen, wie das Herunterbringen des Mülls oder andere Dinge.

Erreicht werden sollen die betroffenen Zielgruppen, die im Rahmen des „Shutdowns“ mehrheitlich isoliert sind „durch telefonische Bedarfsabfragen (…) und in Bekanntenkreisen sowie durch Aushänge und Infoblätter im Briefkasten in der unmittelbaren Nachbarschaft“. Ünal Ünalan von der IGMG-Jugendorganisation betonte, dass das Nachbarschaftsprojekt „ausdrücklich allen Menschen“ offenstehen solle.

Wie die Zukunft weitergeht, ist noch unklar. Allerdings befürchtet Aiman ­Mazyek vom Zentralrat der Muslime ­negative Auswirkungen für einige Moscheegemeinschaften. „Vor allem nicht-türkische Moscheen werden voraussichtlich einen herben finanziellen Verlust erleiden, weil sie von den Kollekten bei den wöchentlichen Freitagsgebeten und vor allem im Ramadan leben.“ Für viele könnte es das Aus bedeuten.

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Ali Kocaman

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