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Vor 20 Jahren schlugen die Spekulanten zu

Malayisa war mit seiner unorthodoxen Reaktion das einzige Land, das sich erholen konnte. Von Martin Khor

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Foto: Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei

(IPS). Es ist zwanzig Jahre her, als die asiatische Finanzkrise im Juli 1997 zuschlug. Es folgte die noch größere und globale Finanzkrise, die 2008 in den Vereinigten Staaten begann. Wird es in der nahen Zukunft eine weitere Krise geben?

Die Asienkrise begann, als Spekulanten den thailändischen Baht in die Knie zwangen und dabei satte Gewinne einfuhren. Binnen Monaten waren auch die Währungen Indonesiens, Südkoreas und Malaysias betroffen. Die Misere wandelte das asiatische Wirtschaftswunder in einen asiatischen Finanz-Alptraum. Trotz des Lobs, das dem aufsteigenden Ostasien vor der Krise ausgesprochen wurde, waren die Schwächen bereits vorher Teil dieser Länder. Dazu gehörten Bilanzmängel, geringe Devisenreserven und hohe Inlandsschulden.

Indem einige dieser Länder, den Hinweisen internationaler Berater folgend, die Begrenzungen ihres Finanzsystems aufhoben, ermöglichte dies lokalen Privatfirmen, unbeschränkt Auslandskredite in Auslandswährungen aufzunehmen – hauptsächlich in US-Dollar. Firmen und Banken in Korea, Indonesien und Thailand häuften über einhundert Milliarden US-Dollar an Krediten im Ausland an. Angetrieben waren sie von Zinssätzen, die niedriger waren als jene, die ihnen im Inland angeboten wurden. Das war die Achillesferse, welche diese Länder in die Krise trieb.

Diese Schwäche machte die Länder reif für Hedgefonds und andere Spekulanten, die gegen ihre Währungen wetteten. Als der Wert der lokalen Zahlungsmittel sehr bedeutsam gegen den US-Dollar abgewertet wurde, und sich die Regierungen aufgrund ihrer bereits niedrigen Reserven im aussichtslosen Versuch befanden, den Fall ihrer Währungen aufzuhalten, gingen drei dieser Länder die Devisenreserven aus, um ihre Auslandsschulden zu bedienen.

Thailand wandte sich an den Internationalen Währungsfonds (IWF) für ein Rettungspaket. Dieses brachte drakonische Bedingungen mit sich wie hohe Zinsraten, drastische Senkungen der Regierungsausgaben, keine Rettung gescheiterter Banken und Firmen, während dem Kapital freigestellt war, aus dem Land abzuziehen. Diese IWF-Politik verschlechterte die Wirtschaftslage und führte zu Rezession, Jobverlusten und Bankrotten bei Banken und Unternehmen. Vom Verlust der wirtschaftlichen Unabhängigkeit ganz zu schweigen. Koreanische Demonstranten hielten Schilder hoch: „IWF = Ich bin gefeuert!“

Malaysia war in der glücklichen Lage, nicht nach Darlehen bei der Finanzinstitution fragen zu müssen. Seine Devisenreserven erreichten ein gefährlich niedriges Niveau, waren aber immer noch ausreichend, um Importe zu finanzieren und die Auslandskredite zu bedienen. Wäre es dem Ringgit erlaubt worden, weiter zu fallen, dann wäre eine gefährliche Linie überschritten worden.

Nach einem Jahr der selbst auferlegten Sparmaßnahmen veränderte Malaysia dramatisch seinen Kurs und führt eine Reihe unorthodoxer Regelungen ein. Dazu gehörte die Bindung des Ringgit an den Dollar, selektive Kapitalkontrolle zur Verhinderung von Geldflucht, Absenken von Zinsraten, Förderung von Bankkrediten, steigende Regierungsausgaben und die Rettung gescheiterter Unternehmen und Banken.

Das war das Gegenteil der vorherrschenden ökonomischen Orthodoxie und der IWF-Maßnahmen, die den anderen drei Ländern aufgezwungen wurden. Das globale Establishment sagte den sicheren Zusammenbruch der malaysischen Wirtschaft voraus. Überraschenderweise erholte sich die Wirtschaft, sogar schneller und mit geringeren Verlusten als in anderen Ländern. Der IWF musste einige seiner Auflagen in den anderen Staaten lockern, um zu vermeiden, dass diese im Vergleich schlechter abschnitten. Heute werden die malaysischen Reaktionen als Beispiele für eine erfolgreiche Anti-Krisenstrategie zitiert.

Die Asienkrise vor zwei Jahrzehnten lehrte, dass das übermäßige Leihen in Devisen wie dem US-Dollar gefährlich für ein Land werden kann, wenn es seine Auslandsschulden in Auslandswährungen bezahlen muss. Mehr Geld in der Lokalwährung muss aufgewandt werden, um das gleiche Volumen in Dollarschulden zu begleichen.

Die asiatischen Länder schworen sich, nie wieder Hilfe vom IWF zu fordern. Sie bauten starke Haushaltsüberschüsse und Devisenreserven auf, um sich gegen schlechte Jahre und Spekulanten zu schützen. Die Wirtschaften erholten sich, kehrten aber nicht zu den Wachstumsraten vor der Krise zurück.

Die Finanzkrise 2008 betraf diese Länder auch, aber nur in begrenztem Maße. Hauptsächlich war der Handel betroffen. Exportraten und Rohstoffpreise fielen, da die Nachfrage auf den westlichen Märkten sank.

Heute ist in vielen aufsteigenden Ländern eine neue Instabilität zu spüren. Schnell wurden dort auswärtige Schulden in Form von Staatsanleihen in der Lokalwährung angehäuft. Um die Fehler der Asienkrise vor zwanzig Jahren zu vermeiden, verkauften diese asiatischen Länder Inlandsanleihen an ausländische Investoren. Damit soll die Rückzahlung der Schulden berechenbar und stabil in Hinblick auf die Eigenwährung bleiben und Veränderungen der Wechselkurse verhindert werden. Wenn jedoch die Anleihen in Besitz von Ausländern umfangreich sind, bleibt das Land weiterhin empfindlich für ihren Abzug für den Fall, dass sich die Gegebenheiten wandeln. Beispiele dafür wären Anstiege der Zinsraten in den Vereinigten Staaten oder eine Krise in einem der wichtigen Entwicklungsländer, welche die Einschätzung der Investoren wandeln könnte.

Im Fall von Malaysia wird beinahe die Hälfte der staatlichen Sicherheit in Ringgit von Ausländern gehalten. Das ist die Folge eines Kapitalzuflusses in den letzten Jahren. Auch wenn die Regierung nicht gefährdet ist, mehr an Ringgit zu zahlen – sollte die Lokalwährung fallen, stünde sie trotzdem vor Schwierigkeiten, wenn Ausländer plötzlich einen Großteil ihrer Anleihen abstoßen.

Was ist der Zustand der Weltwirtschaft und was sind die Chancen für eine neue Finanzkrise? Große und relevante Fragen, über die wir nachdenken müssen; 20 Jahre nach dem Beginn der Asienkrise und neun Jahre nach der globalen Finanzkrise.

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