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Vor der EM: Kein Platz fürs Kopftuch

Welche Verhältnis haben Staat und Religion in Frankreich? Franziska Broich fasst die Lage zusammen

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Screenshot: YouTube

Seit über 110 Jahren sind Kirche und Staat in Frankreich strikt getrennt. Religion ist Privatsache. Deshalb wird die Kirche auch bei der Fußball-EM keine Rolle spielen. Fragen und Antworten der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Paris (KNA). Bald beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich. In Deutschland würden Spielern und Fans spezielle Seelsorger zur Verfügung stehen. Nicht so in Frankreich. Das Land ist tief vom Laizismus geprägt. Fünf Fragen und Antworten zum Verhältnis zwischen Staat und Kirche im Gastgeberland der diesjährigen Fußball-EM.

Was bedeutet Laizismus?
Das Konzept des Laizismus beschreibt die Trennung zwischen Staat und Kirche. Religion soll im öffentlichen Leben keine Rolle spielen. Das bedeutet, dass es keinen Religionsunterricht an staatlichen Schulen gibt und Mitarbeiter von Behörden keine sichtbaren religiösen Zeichen wie Kopftuch, Kippa oder Kreuz tragen dürfen. Religion ist in Frankreich Privatangelegenheit.

Seit wann gibt es Laizismus in Frankreich?
In Frankreich wurde 1905 das Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat erlassen. Kinder sollten frei von religiösen Einflüssen in der laizistischen Volksschule zu „eigenständigen Individuen“ erzogen werden. Damals waren nach Angaben des Direktors des „Europäischen Instituts für Religionswissenschaften“ in Paris, Philippe Gaudin, 80 Prozent der Franzosen Katholiken. Im Gegensatz zu 1905 ist Frankreich mittlerweile das europäische Land mit dem größten Bevölkerungsanteil von Muslimen (8 Prozent), wie das Europäische Netzwerk gegen Rassismus (ENAR) berichtet.

Das Land, in dem rund zwei Drittel der Bevölkerung katholisch sind, habe zugleich mit die engagiertesten jüdischen und muslimischen Gemeinden Europas. Einer Umfrage von WIN/Gallup International aus dem Jahr 2012 zufolge ist Frankreich aber auch eines der säkularisiertesten Länder der Welt. Nur 37 Prozent der Franzosen bezeichnen sich unabhängig von ihrer Kirchenzugehörigkeit als religiös. Auch andere Länder wie zum Beispiel Japan, Uruguay, Indien und Kuba haben das Prinzip des Laizismus in ihre Verfassung aufgenommen.

Wurde das Konzept nach den Terroranschlägen infrage gestellt?
„Der Laizismus ist keine Antwort auf den Terrorismus“, sagte Islam-Experte Olivier Roy in einem Interview im April 2015 mit der französischen Zeitung „Les Echos“ nach den Terroranschlägen auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“. Roy sagte, dass es einen „autoritären Laizismus“ in Frankreich gebe. Es müsse wieder eine „Kultur“ der Diskussion in den Schulen eingeführt werden. Damit ein Dialog zwischen den Religionen und der Gesellschaft entstehen könne. Oft werde vergessen, dass das Gesetz von 1905 über die Trennung von Kirche und Staat die Freiheit der Religionsausübung im öffentlichen Raum gewährleiste. „Es erfordert Neutralität vom Staat, nicht von der Gesellschaft“, sagte Roy.

Der Islam-Experte spricht sich auch gegen das Kopftuchverbot an Universitäten aus. Im Gegensatz zu Schülerinnen seien Studentinnen Erwachsene und könnten bereits frei und eigenständig über Religion entscheiden. Das Prinzip der Religionsfreiheit bedeute auch individuelle Freiheit. Wenn jemand ein Kopftuch trage, störe das nicht die Funktion der Institution und sei auch kein „Bekehrungseifer“. Verschiedene Organisationen kritisieren immer wieder, dass Muslime durch das Kopftuchverbot von der Arbeit in einer öffentlichen Behörde ausgeschlossen würden.

Was hat sich in Frankreich in den vergangenen Jahren verändert?
2002 wurde in Paris das „Europäische Institut für Religionswissenschaften“ gegründet. Dort werden Unterrichtsmaterialien zum Thema Laizismus und Religion entwickelt. Darüber hinaus haben alle Schüler an staatlichen Schulen nun seit Herbst 2015 das Fach „Moral und Laizismus“. Dort sollen „Werte der Republik“ und Fakten über Religionen vermittelt werden.

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