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Vorab aus der neuen Ausgabe: Nach der Randale am Kölner Hauptbahnhof gilt es, besonnen zu reagieren. Von Abu Bakr Rieger

Die Gegensätze berühren sich

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(iz). „Les extrêmes se touchent“ – die äußersten Gegensätze berühren sich. An dieses Bonmot von Jean de la Bruyere erinnert man sich, angesichts der Randale von Hooligans und Nazis auf den Straßen Kölns. Unter dem Arbeitstitel „gegen den Salafismus“, versuchten hunderte Extremisten, die Stimmung im Lande für sich auszunutzen. Das Motto dabei war gewohnt simpel: „Wir sind gut, weil sie böse sind!“ Jede Verharmlosung oder Romantisierung dieser Demonstration der Macht der Straße ist abzulehnen.

Zu Recht sind besonders die Muslime im Land über die Entwicklungen, die am Kölner Bahnhof ihren Ausdruck fanden, besorgt. Die Slogans der Demonstranten machten dabei deutlich, dass das Feindbild Salafismus, als eine quasi politisch-korrekte Losung, sich längst mit der alten Ausländerfeindlichkeit vermischt hat. Es gibt aber auch eine Intelligenz jenseits der Straße in Deutschland, welche die Machenschaften der Salafisten im Irak für ein ganz anderes Projekt hierzulande nutzen wollen.

Hier geht es um die Auflösung des Unterschiedes zwischen dem Islam und dem so genannten „Islamismus“. In der Konsequenz wäre dann nicht nur die zweitgrößte Religion im Lande dämonisiert, ein „guter“ Muslim wäre überhaupt nur noch derjenige, der sich vom Islam lossagt. Wenn jeder gläubiger Muslim per se mit Gewalt assoziierbar wird, wäre das Ende der Religionsfreiheit de facto eingetreten.

Wichtig ist nun eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Eindämmung extremen Gedankengutes. Zu einer fairen Debatte gehört auch die realistische Einschätzung der Möglichkeiten der muslimischen Verbände: So wie der DFB nur begrenzt auf die Hooligan-Szene einwirken kann, so können auch die Verbände nicht jeden Salafisten im Lande umdrehen. Wichtig ist aber, dass die Gelehrten im Land über ihre Verbandsgrenzen hinaus wirken und die gefährdeten Jugendliche aktiv abholen.

Machen wir uns dabei nichts vor, es wird auch künftig einige muslimische Gewalttäter geben. Es sollte den Muslimen aber bezüglich diesem Klientel keine Mühen machen, Polizei und Behörden bei der Strafverfolgung dieser kleinen, aber gefährlichen Minderheit zu unterstützen.

Abenteuerlich dagegen wäre die Vision einer „Volkspolizei“, die den Job übernimmt, oder die Stärkung von schrägen Populisten, die sich zynischer Weise an die Spitze dieser Bewegung stellen wollen. Differenzierung ist manchmal nicht populär, sie ist aber für das Überleben offener Gesellschaften nötig und stellt auch den inhaltlichen Beitrag dieser ­Zeitung dar.

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Abu Bakr Rieger

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