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Vortrag: Rilke und der Islam

Ahmad Gross über den deutschen Dichter und sein Verhältnis zum Islam

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Inhalt

“Der Nächstbeste … muß anfangen” Jesus, verlorener Sohn, statt “Gottes Sohn” Die Propheten und ihre Bücher Nordafrika und Spanien Nordafrika 1910/1911 Spanien 1911/1912 Lebensaufgabe Religion, Gott, Jesus, Orient Deutschland Tod, arabisches Dasein und Engel Abschied Ankunft

“Der Nächstbeste … muß anfangen”

[…] Es ist lächerlich. Ich sitze hier in meiner kleinen Stube, ich, Brigge, der achtundzwanzig Jahre alt geworden ist und von dem niemand weiß. Ich sitze hier und bin nichts. Und dennoch, dieses Nichts fängt an zu denken und denkt, fünf Treppen hoch, an einem grauen Pariser Nachmittag diesen Gedanken: Ist es möglich, denkt es, daß man noch nichts Wirkliches und Wichtiges gesehen, erkannt und gesagt hat? Ist es möglich, daß man Jahrtausende Zeit gehabt hat, zu schauen, nachzudenken und aufzuzeichnen, und daß man Jahrtausende hat vergehen lassen wie eine Schulpause, in der man sein Butterbrot ißt und einen Apfel? Ja, es ist möglich. Ist es möglich, daß man trotz Erfindungen und Fortschritten, trotz Kultur, Religion und Weltweisheit an der Oberfläche des Lebens geblieben ist? Ist es möglich, daß man sogar diese Oberfläche, die doch immerhin etwas gewesen wäre, mit einem unglaublich langweiligen Stoff überzogen hat, so daß sie so aussieht wie die Salonmöbel in den Sommerferien? Ja, es ist möglich. Ist es möglich, daß die ganze Weltgeschichte mißverstanden worden ist? Ist es möglich, daß die Vergangenheit falsch ist, weil man immer von ihren Massen gesprochen hat, gerade, als ob man von einem Zusammenlauf vieler Menschen erzählte, statt von dem Einen zu sagen, um den sie herumstanden, weil er fremd war und starb? Ja, es ist möglich. Ist es möglich, daß man glaubte, nachholen zu müssen, was sich ereignet hat, ehe man geboren war? Ist es möglich, daß man jeden einzelnen erinnern müßte, er sei ja aus allen Früheren entstanden, wüßte es also und sollte sich nichts einreden lassen von den anderen, die anderes wüßten? Ja, es ist möglich. Ist es möglich, daß alle diese Menschen eine Vergangenheit, die nie gewesen ist, ganz genau kennen? Ist es möglich, daß alle Wirklichkeiten nichts sind für sie; daß ihr Leben abläuft, mit nichts verknüpft, wie eine Uhr in einem leeren Zimmer – ? Ja, es ist möglich. Ist es möglich, daß man von den Mädchen nichts weiß, die doch leben? Ist es möglich, daß man sagt, , und nicht ahnt (bei aller Bildung nicht ahnt), daß diese Worte längst keine Mehrzahl mehr haben, sondern nur unzählige Einzahlen? Ja, es ist möglich. Ist es möglich, daß es Leute giebt, welche sagen und meinen, das wäre etwas Gemeinsames? – Und sieh nur zwei Schulkinder: es kauft sich der eine ein Messer, und sein Nachbar kauft sich ein ganz gleiches am selben Tag. Und sie zeigen einander nach einer Woche die beiden Messer, und es ergiebt sich, daß sie sich nur noch ganz entfernt ähnlich sehen, – so verschieden haben sie sich in verschiedenen Händen entwickelt. (Ja, sagt des einen Mutter dazu: wenn ihr auch gleich immer alles abnutzen müßt.-) Ach so: Ist es möglich, zu glauben, man könne einen Gott haben, ohne ihn zu gebrauchen? Ja, es ist möglich. Wenn aber dieses alles möglich ist, auch nur einen Schein von Möglichkeit hat, – dann muß ja, um alles in der Welt, etwas geschehen. Der Nächstbeste, der, welcher diesen beunruhigenden Gedanken gehabt hat, muß anfangen, etwas von dem Versäumten zu tun; wenn es auch nur irgend einer ist, durchaus nicht der Geeignetste: es ist eben kein anderer da. Dieser junge, belanglose Ausländer, Brigge, wird sich fünf Treppen hoch hinsetzen müssen und schreiben, Tag und Nacht: ja er wird schreiben müssen, das wird das Ende sein: […] (Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, SW, VI, 726f)

Laut Rainer Maria Rilke muss man mit dem Schreiben sehr vorsichtig sein, Man sollte warten damit und Sinn und Süßigkeit sammeln ein ganzes Leben lang und ein langes womöglich, und dann, ganz zum Schluß, vielleicht könnte man dann zehn Zeilen schreiben, die gut sind … (Malte, SW, VI, 723f)

Rainer Maria Rilkes Schicksal war das Schreiben. Rilke ist der größte deutsche Dichter des Zwanzigsten Jahrhunderts. Sein Werk erlangte diese Bedeutung, weil es nach der Zukunft hin offen ist, weil es immer wieder neue Generationen bewegt, erschüttert und begeistert. Bei allem, was über Rilkes Werk und Person geschrieben worden ist, hat man gleichwohl nie den Eindruck gewonnen, man sei mit ihm “fertig” geworden, man hätte ihn als historischen Teil der deutschen Literaturgeschichte katalogisiert und damit erledigt. Ein Ereignis lässt sich weder katalogisieren, noch kanonisieren. Es ereignet sich unaufhörlich. Jedesmal, wenn wir uns darauf einlassen. Im Herzen, das danach verlangt.

Rainer Maria Rilke ist ein Gipfel im Hochgebirge unserer Sprache. Dieser sprachliche Gipfel, den er darstellt, war zugleich seine einsame Grenze: seine Sehnsucht nach der Einheit von Dichten und Leben wäre bleibend und geschützt nur im Islam, d.h. im Gebet zu erlangen gewesen. Wir wissen nicht, ob er jenes Gebet, dass der Muslim (mit den Engeln!) fünfmal am Tag vollzieht, auf seiner Nordafrika-Reise (1910/1911) mit eigenen Augen gesehen hat. Von den Moscheen in Kairouan schrieb er, sie seien – außer in der von den Besatzern “entweihten” Stadt Kairouan – “unbetretbar” (Brief an S. Nádhern_, 19.3.1913) gewesen. Erstaunlich ist jedoch, wie treffend er das Gebet der Muslime beschrieben hat. In dem berühmten Brief an Ilse Blumenthal-Weiß vom 28.12.1921 schreibt er:

[…] Religion ist etwas unendlich Einfaches, Einfältiges. Es ist keine Kenntnis, kein Inhalt des Gefühls […], es ist keine Pflicht und kein Verzicht, es ist keine Einschränkung: sondern in der vollkommenen Weite des Weltalls ist es: eine Richtung des Herzens. […] Daß der Araber zu gewissen Stunden sich gegen Osten kehrt und sich niederwirft, das ist Religion. Es ist kaum . Es hat kein Gegenteil. Es ist ein natürliches Bewegtwerden innerhalb eines Daseins, durch das dreimal täglich der Wind Gottes streicht, indem wir mindestens dies: biegsam sind […]

Ein Muslim, der diese Zeilen liest (und nicht weiß, wer sie geschrieben hat), geht natürlicherweise davon aus, dass dieser Autor selbst ein Muslim sein muss. So innig gefühlt und wahr ist diese Beschreibung.

Im Folgenden seien die Stellen in Rilkes Werk, in denen er sich zu Islam, Religionen, Glauben, Tod usw. äußert in chronologischer Reihenfolge angeführt. Mit zunehmender Nähe zu seinem Tod kristallisiert sich so die innere Richtung seines Lebens heraus, deren Zeugnisse für uns Heutige nach wie vor unbewältigt sind und in ihrer vollen Schwere darauf warten, gehört zu werden. Rilke erweist sich im existenziellen Sinn tatsächlich als ein “Dichter der Zukunft”, der Zukunft der deutschen, wenn nicht abendländischen, Sprachgemeinschaft.

Wie andere große Geister Europas fiel er aus der platonisch-gespaltenen Erfahrung von Welt der abendländisch-christlichen Überlieferung in den Abgrund des neuzeitlichen Nihilismus. Er war ein Fremder im eigenen Haus. Mithilfe seines dichterisch-fühlenden Weltverstehens war es ihm jedoch gegeben, zur Wahrheit des existenziellen Daseins des Menschen zu gelangen. Bestimmungen wie Engel, Weltinnenraum, Innigkeit, Schwerkraft der reinen Kräfte, heile Mitte, die Identität von Furchtbarkeit und Seligkeit u.a.m. sind in ihrer Präzision den Muslimen vertraute Größen ihres eigenen Weltverständnisses und Glaubens. Rainer Maria Rilke musste sie sich jedoch auf schweren Wegen erringen.

Jesus, verlorener Sohn statt “Sohn Gottes”

Noch in seiner Schulzeit verlor Rilke seine “heftige katholische Kinder-Frömmigkeit” (Brief an Ellen Key, Viareggio, 3.4.1903) und löste sich völlig vom christlichen Bild Jesu als “Sohn Gottes”. In dem Gedicht Christus am Kreuz, aus dem Jahre 1893 (SW III, S. 491-493), schrieb der Achtzehnjährige:

Nun ist mirs klar, warum ich ihn nicht lieben noch achten kann, und kein Gebet ihm weihn: Er wär als Mensch so göttlich groß geblieben, und nun als Gott erscheint er menschlich klein!-

Im Folgenden wird für Rilke aus dem “Gott am Kreuz” ein ruhelos umherziehender Jude. Rilke suchte Jesus (Friede sei mit ihm) fortan als Mensch zu verstehen. Aus dem heimatlos-fremden Juden verwandelte er sich dann im Malte in die biblische Gleichnisgestalt des . Der späte Rilke bestätigte dann 1922 im Brief des jungen Arbeiters den wahren Jesus (Friede sei mit ihm) als Gesandten Gottes.

Geboren in Prag und umgeben von einer Vielzahl jüdischer Bekannter und Freunde empfand Rilke nach seiner Ablehnung Jesu als “Gottes Sohn” eine natürliche Sympathie für das Judentum, dessen Verbindung zu Gott als “Gottesvolk” des Alten Testaments, ihm unmittelbarer und traditioneller erschien als diejenige der Christen. Das ewig Ruhelose, die Heimatlosigkeit der Juden mussten den Dichter faszinieren; war er doch selbst sein Leben lang ein dem christlichen Abendland Entwurzelter, der selbst im deutschen Sprachraum kein dauerndes Bleiben finden konnte, der überall ein Fremder gewesen war, der sich ruhelos auf der Suche nach dem Ort seiner Lebensmission – der Vervollständigung der Duineser Elegien – befand. Als Dichter, der das Kommende ahnte und vorweg nahm, hat er die heute sich überschlagende globale Unbehaustheit und umfassende Entwurzelung des Menschen früh erfahren müssen. Sein Leben fiel mit dem Ende des christlichen Abendlandes im 1. Weltkrieg zusammen. Sein Werk ist von der Erschütterung dieses Ereignisses weltgeschichtlichen Ausmaßes in einem Grade durchdrungen worden, der erst heute, hundert Jahre danach, in seiner ganzen Reichweite erahnt wird. Und obwohl Rilke, der “gescheiterte Student”, bereits vier Generationen von Germanisten in Arbeit und Brot hält, muss man betroffen konstatieren, dass eine ernsthafte und lebenspraktische Aufnahme der geistigen Positionen seines Werkes immer noch aussteht. Neben den akademischen Verwahrern sind es – neben den treuen Lesern – meist nur noch Künstler, die etwas von der geistigen Potenz Rilkes erspüren. Doch wer kann heute von sich sagen, Rilke hätte ihn im Sinne des letzten Verses seines Gedichtes “Archaischer Torso Apollons” ergriffen, wo die tiefe, existenzielle Begeisterung durch das Kunstwerk immer nur eines bedeuten kann:

[…] denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.

Die Propheten und ihre Bücher

Nachdem Rilke sich durch Reisen (1910/1911) und Lektüre der Welt des Islam zugewandt hatte, gesellten sich zu seinem Bild der Juden, als einem Volk, dem eine Offenbarung durch einen Propheten gegeben worden war, die Araber hinzu. Religionsdogmatisch gesehen scheint Rilke zunächst über die völkisch-nationale bzw. kulturelle Zuordnung der Religionen nicht hinausgelangt zu sein. (Siehe den Brief an Ilse Blumenthal-Weiß, 28.12.1921) – Den Juden der Prophet Moses mit der Thora, den Arabern der Prophet Muhammad (möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben), mit dem Qur'an. – Rilke wusste nicht, dass Jesus (Friede sei mit ihm) in Wahrheit selbst nichts anderes als der vorletzte Prophet gewesen ist, der den Juden mit dem Evangelium gesandt worden war, um sie zur alten, reinen Lehre von dem Einen Gott zurückzurufen. Somit konnte er, die über-nationale, universelle Bedeutung Muhammads (möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben) in ihrem vollen Ausmaß nicht erkennen. Er ist der letzte und zugleich der erste Prophet gewesen. Der Letzte der gesamten Prophetenreihe, die mit Adam begann und mit Moses, Jesus und Muhammad endete. Und der erste Prophet, der nicht nur zu einem bestimmten Volk, sondern allen Völkern gesandt wurde. Das Kommen Muhammads (möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben) ist sowohl in der Thora als auch in der Bibel (Johannes, 15, 23-27) bereits angekündigt worden.

Wie weit Rilkes undogmatisch-intuitives Verständnis und seine Sympathie für den Islam jedoch gerade angesichts dieses althergebrachten Nichtwissenwollens des Abendlandes reichen konnte, ist mehr als erstaunlich und bestimmt nicht zuletzt seinen außerordentlichen geistesgeschichtlichen Rang innerhalb der abendländischen Überlieferung.

Als erste Äußerung, die ein intuitives Verständnis des Propheten Muhammad (möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben), vorauszusetzen scheint, gilt ein Gedicht aus den Neuen Gedichten (1907), das den Titel Mohammeds Berufung trägt. Jahre vor seiner ersten Reise nach Nordafrika, gelang Rilke hier die poetische Beschreibung der ersten furchtbare Erscheinung des Engels Gabriel (arab.: Dschibril), der dem des Lesens und Schreibens unkundigen Propheten Muhammad (möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben), die erste Offenbarung Allahs überbrachte.

Mohammeds Berufung

Da aber als in sein Versteck der Hohe, sofort Erkennbare: der Engel, trat, aufrecht, der lautere und lichterlohe: da tat er allen Anspruch ab und bat

bleiben zu dürfen der von seinen Reisen innen verwirrte Kaufmann, der er war; er hatte nie gelesen – und nun gar ein solches Wort, zu viel für einen Weisen.

Der Engel aber, herrisch, wies und wies ihm, was geschrieben stand auf seinem Blatte, und gab nicht nach und wollte wieder: Lies.

Da las er: so, daß sich der Engel bog. Und war schon einer, der gelesen hatte Und konnte und gehorchte und vollzog.

Nordafrika und Spanien

“Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge”, sind das epochale Werk Rilkes, an dem er von 1904 bis 1910 geschrieben und das ihn zuletzt restlos erschöpft hatte. Er war an die geistige Grenze des christlichen Abendlandes gelangt. Der Entzug Gottes war zugelassen, ausgelotet und demütig durchquert worden. Jenseits dieser Grenze nun begann der andere Anfang, den er so sehnsüchtig angerufen hatte: Die Rückkehr Gottes. “Eine nannte Rilke die Fertigstellung seiner umfangreichste Prosaarbeit. Sie ließ ihn leer, wie an totem Ufer ausgesetzt, zurück, mit öden Augen starrte ihn das Europa seines an. Es drängte ihn unterzutauchen in völlig fremder Umgebung, auf anderem Kontinent…” (Ingeborg Schnack)

Es war der “Kontinent des Islam”, den Rilke vier Jahre vor dem Beginn des 1. Weltkrieges zu entdecken begann. Nach seiner Rückkehr aus Nordafrika dauerte es nicht lange bis er den Spuren des Islam folgte, die dieser in Europa selbst hinterlassen hatte: 1911/1912 reiste er nach Spanien, Al-Andalus. Hören wir die erstaunlichen Zitate seiner Briefe aus jenen beiden inspirierten Begegnungen mit den selbst im Niedergang noch faszinierenden Spuren des Islam, die Rilke auf die so lange herbeigesehnte Vollendung seiner Elegien maßgeblich vorbereiten sollten:

Nordafrika: November 1910 – März 1911

[…] Dort ist das Dasein aus Tausendundeiner Nacht, Bettler und Lastträger gehen wie in Schicksalen umher, Allah ist groß, und es ist keine Macht außer seiner Macht in der Luft. […] (Brief an Clara Rilke, Algier, 26.11.1910)

[…] In dem Souk der Parfümeure haben wir schon einen Freund; wenn man ihm die Hand reicht, reichts für den ganzen Tag, und in der Nacht wacht man davon auf, daß einem die eigenen Finger wunderbar vergeistigt vorkommen. Ich verlangte Geraniumessenz bei ihm (die oft für Rosenwasser verkauft wird), daß ich die verlangte und nicht Rosenöl, gefiel ihm, er weihte mich ein, und so kam es zu unserer Freundschaft. […] (Brief an Clara Rilke, Tunis, 17.12.1910)

[…] Ich bin für einen Tag herübergefahren in die Kairouan, nächst Mekka der große Pilgerort des Islam, den Sidi Okba, ein Gefährte des Propheten, aufgerichtet hat in den großen Ebenen und der sich aus den Zerstörungen immer wieder erhoben hat um die ungeheure Moschee herum … Wie eine Vision liegt die flache weiße Stadt da in ihren rundzinnigen Wällen, mit nichts als Ebene und Gräben um sich […]. Wunderbar empfindet man hier die Einfachheit und Lebendigkeit dieser Religion, der Prophet ist wie gestern, und die Stadt ist wie sein Reich […] (Brief an Clara Rilke, Kairouan, am 21.12.1910)

[…] Es lohnt sich immerhin, Gott von Mohammed her gefühlt zu haben (diesen vielleicht anwendbarsten Gott) und neben diesen Menschen sich als Mensch zu versuchen in den Moscheen, in den Bazaren und draußen überall in dem unverstellten Weltraum, oder irgendwo die Hand auf die Erdoberfläche selbst zu legen, auf das pure Gestirn Erde -: lieber Gott, mir ahnt, daß ich doch allerhand mitbringe, neue Ordnungen, obwohl ich fast die ganze Zeit ein bestürzter Mensch gewesen bin. […] (Brief an Karl und Elisabeth von der Heydt, 25.2.1911)

Spanien: Oktober 1911 – Februar 1912

Die Begegnung dieses Dichters von europäischem Rang mit dem Islam ist umso erstaunlicher, bedenkt man die gleichzeitig stattfindende, rasante politische Talfahrt des Osmanischen Reiches bzw. des Sultanats in Marokko – eine Tatsache, die von Rilke und seiner mütterlichen Freundin Fürstin Marie von Thurn und Taxis mit Empörung begleitet wurde. Eine Empörung, die sich aus einer instinktiven Sympathie der geistigen Eliten des Abendlandes für die Muslime speiste; eine Sympathie, die bis auf Goethe zurückging. Angesichts der Hybris des kulturellen bzw. technischen Sendungsbewusstseins des europäischen Kolonialismus, ist Rilkes Haltung diejenige eines Erschütterten, der sich wie ein Fremder im eigenen, abendländischen Haus fühlt:

[…] Noch eine Weile kann ich das alles aufschreiben und sagen. Aber es wird ein Tag kommen, da meine Hand weit von mir sein wird, und wenn ich sie schreiben heißen werde, wird sie Worte schreiben, die ich nicht meine. Die Zeit der anderen Auslegung wird anbrechen, und es wird kein Wort auf dem anderen bleiben, und jeder Sinn wird wie Wolken sich auflösen und wie Wasser niedergehen. Bei aller Furcht bin ich schließlich doch wie einer, der vor etwas Großem steht, und ich erinnere mich, daß es früher oft ähnlich in mir war, eh ich zu schreiben begann. Aber diesmal werde ich geschrieben werden. Ich bin der Eindruck, der sich verwandeln wird. Oh, es fehlt nur ein kleines, und ich könnte das alles begreifen und gutheißen. Nur ein Schritt, und mein tiefes Elend würde Seligkeit sein. […] (Malte, SW, VI, 756)

Das Große, vor dem er stand, war der völlige Zusammenbruch des christlichen Abendlandes im 1. Weltkrieg, sowie seine eigene Begegnung mit der Welt des Islam, die eine notwendige war. Während just im Jahre 1912 das Sultanat in Marokko von den Europäern weggefegt wurde und sich die Schlinge um das Osmanische Kalifat zusammenzuziehen begann, entdeckte Rilke fasziniert und staunend die Spuren des Islam in Europa, in Andalusien. Rilkes frühe Ablehnung des Christentums mithilfe des historisch älteren Judentums, wurde nun auf befreiende Weise im Licht der letzen und universalen Offenbarung des Qur'ans bestätigt und vertieft.

[…] wie schwarz sieht es im Balkan aus – wie unheimlich die Zukunft – und Constantinopel der letzte Traum vom Islam – nächstens in den Händen dieser Banden – Von diesen vier Balkan Königen sind drei fertige Hallunken – der vierte ein geldgieriger Schwächling – und für die scheint Jehovah zu kämpfen – Serafico [Spitzname Rilkes] die Moscheen von Stamboul! […] (Brief der Fürstin Marie von Thurn und Taxis an Rilke, Lautschin, 5.11.1912)

[…] von da und dort dringt es in Tropfen und Gerüchten zu mir durch, daß der Krieg da unten nicht fertig ist, daß Konstantinopel, ich weiß nicht welchem kleinen Balkaner da unten zufällt, kurz daß unmögliche Dinge geschehen, von denen Sie sich, hoff ich, sehr fern halten. Es ist seltsam wie die heutige Zeit voller Veränderungen heraufkommt: Konstantinopel, das war doch wie ein Sternbild -, und nun kommt es, wie auf einer Auktion, in irgendwelche Hände. Seit die Menschen meinen, allein auszukommen, ziehn sich die großen Kräfte wirklich zurück und die Ereignisse stoßen sich untereinander herum wie die Schuljungen. […] (Brief an Sidonie Nádhern_ von Borutin, Toledo, 26.11.1912)

[…] Toledo verwöhnt, und selbst Cordoba noch. Diese Moschee; aber es ist ein Kummer, ein Gram, eine Beschämung, was man daraus gemacht hat, diese in das strähnige Innere hineinverfitzten Kirchen, man möchte sie auskämmen wie Knoten aus schönem Haar. Wie große Brocken sind die Kapellen der Dunkelheit im Hals stecken geblieben, die darauf angelegt war, Gott fortwährend mild zu verschlucken wie Saft einer Frucht die zergeht. Noch jetzt wars rein unerträglich, die Orgel und das Respondieren der Chorherren in diesem Raum zu hören (qui est comme le moule d'une montagne de Silence), das Christenthum, dachte man unwillkürlich, schneidet Gott beständig an wie eine schöne Torte, Allah aber ist ganz, Allah ist heil. […] (Brief an Fürstin Marie von Thurn und Taxis, Sevilla, 4.12.1912)

[…] -war gerade so unglücklich und wüthend wie Sie über die Moschee – die Heiligste vom westlichen Islam – der Eckel vor den Menschen welche dieses Wunder vernichten wollten kann nur dadurch gemildert werden daß es doch wieder Menschen waren die es geschaffen hatten – […] (Antwort der Fürstin, 11.12.1912)

[…] Übrigens müssen Sie wissen, Fürstin, ich bin seit Cordoba von einer beinah rabiaten Antichristlichkeit, ich lese den Koran, er nimmt mir, stellenweise, eine Stimme an, ich der ich so mit aller Kraft drinnen bin, wie der Wind in der Orgel. Hier meint man in einem Christlichen Lande zu sein, nun auch hier ists längst überstanden, christlich wars, solang man hundert Schritte vor der Stadt den Muth hatte, umzubringen, darüber gediehen die vielen anspruchslosen Steinkreuze, auf denen einfach steht: hier starb der und der, – das war die hiesige Version des Christenthums. Jetzt ist hier eine Gleichgültigkeit ohne Grenzen, leere Kirchen, vergessene Kirchen, Kapellen die verhungern, – wirklich man soll sich länger nicht an diesen abgegessenen Tisch setzen und die Fingerschalen, die noch herumstehen, für Nahrung ausgeben. Die Frucht ist ausgesogen, da heißts einfach, grob gesprochen, die Schalen ausspucken. Und da machen Protestanten und amerikanische Christen immer noch wieder einen Aufguß mit diesem Theegrus, der zwei Jahrtausende gezogen hat. Mohammed war auf alle Fälle das Nächste, wie ein Fluß durch ein Urgebirg, bricht er sich durch zu dem einen Gott, mit dem sich so großartig reden läßt jeden Morgen, ohne das Telefon , in das fortwährend hineingerufen wird: Holla, wer dort?, und niemand antwortet. Nun stellen sie sich vor, Fürstin, ich bin drei Stunden von Gibraltar, fünf, wenn gutes Wetter ist, von Tanger -, wie michs in dieser Stimmung versucht, einmal hinüberzufahren zu den Mohren; andererseits fürcht ich, es legt sich dann eine Tünche von Licht über das dunkle, thonrote Spanien. […] Ich sage Ihnen, Fürstin, (nein, nein Sie müssen mirs glauben) es muß mit mir anders werden, von Grund aus, von Grund aus, sonst sind alle Wunder der Welt umsonst. Sehe ich doch gleich hier wieder, wie viel an mich verschwendet ist und rein weg […] Mir die Kathedrale [von Sevilla] so von Grund aus zuwider, ja feindlich, nirgends wirds Ernst, es ist etwas Vages, Ausweichendes in diesem ehrgeizig hinaufgebauten Dom, ein Geist des Übertrumpfens, der auch Gott noch übertrumpfen und ihn, gewissermaßen, von oben zu fassen bekommen möchte. Und die infame Orgel machte den Raum so süß mit ihrer verhätschelten Stimme, daß den kolossalen Pfeilern ganz schwach wurde, es war einem gleichgültig dieses Steinerweichen, ein Kunststück, es mochte so weit gehen, wie es wollte. […] (Brief an Fürstin Marie von Thurn und Taxis, Ronda, 17.12.1912)

[…] Gibraltar ist kaum 3 Bahnstunden weit, und von dort sind nur zwei Stunden Überfahrt nach Tanger: so daß auch dies erreichbar wäre und, was Bosnien mit seinen Moscheen Ihnen versprach, groß und als volle Erfüllung mit ins Programm zu fassen sein dürfte. […] (Brief an Sidonie Nádhern_, Ronda, 18.12.1912)

[…] hier les ich den Koran und staune, staune -, und habe wieder Lust zum Arabischen. […] (Brief an Lou Andreas-Salomé, Ronda, 19.12.1912)

[…] sowenig ich zwischen mir und Gott den Priester brauchen kann, sowenig wäre da der Arzt möglich; ich steh körperlich zu meiner Natur, wie seelisch zu Gott unendlich unmittelbar. Nur ists schwerer so, aber genau, aber genau, auf Leben und Tod. […] (Brief an Fürstin Marie von Thurn und Taxis, Ronda, 14.1.1913)

[…] Kairouan […] die immense Haupt-Moschee, an die ich in Cordoba so viel gedacht habe, ein Hof, um darin zusammenzukommen, zu schlafen, zu beten und an den Brunnen [zu] gehen. Eine erhabene Einfriedung für den Wanderer und den Krieger des Islam, ein Raum sich eng schließend um die Tausende die kamen, aber riesig um jedes ihr einzelnes Herz. Ich zögere ein Bild der Moschee in diesem Brief einzulegen -: nein, es soll nichts Ihrem Anschaun vorweggenommen sein […] (Brief an Sidonie Nádhern_ von Borutin, Paris, 19.3.1913)

Am 30.3.1913 bestätigt er die Vervollständigung der heute unvollständigen Botschaft der Bibel durch den Islam:

[…] Islam […], (diesem fruchtrunden geschlossenen Christentum) […] (Brief an Sidonie Nádhern_ von Borutin, Paris, 30.3.1913)

In diesem Brief und dem nächsten (vom 8.4.1913) an Sidonie Nádhern_ von Borutin, in der er ihr Ratschläge für ihre Reise nach Nordafrika gibt, erkennt man Rilkes eigene existenzielle bzw. kulturelle Begrenzung, der er sich schmerzlich bewusst war.

[…] Nun sind Sie allein, Vorsicht in jedem Fall nicht vergessen, daß der Christ dort ein geduldeter Fremdkörper ist, ein Überlegenes, das dennoch verächtlich werden kann durch die geringste fremde Bewegung. Wo etwas Schwierigkeiten macht, nicht darauf bestehen, man ist außen und bleibt außen, und bringts über einen Zuschauer mit schlechtem Gewissen dem Islam gegenüber, (diesem fruchtrunden geschlossenen Christenthum) nirgends hinaus. […] (Brief an Sidonie Nádhern_ von Borutin, Paris, 30.3.1913)

Rührte das schlechte Gewissen daher, weil Rilke ahnte, dass das finanztechnisch wuchernde Maschinenwesen des Westens die Muslime zwar politisch überwunden hatte, sich selbst jedoch am Vorabend seines eigenen Zusammenbruchs befand und selbst keineswegs mehr zu einer Stiftung einer ganzheitlichen Kultur mehr in der Lage war? Der ortlose Krebs des Zins-Wuchers kannte weder Abend- und Morgenland. Die unheilvolle Herrschaft des Geldes (siehe Rilkes Brief an Lou Andreas-Salomé vom 1.3.1912 und sein Gedicht “Die Könige der Welt” aus dem Stundenbuch, SW, I, 328) fraß und frisst sich immer weiter auf seiner Suche nach neuen Absatzmärkten. Doch wie sollte Rilke etwas von der unmittelbaren, natürlichen Heilwirkung islamischen, zinsfreien Wirtschaftens wissen, waren die Muslime seiner Zeit doch selbst gerade im Begriff ihr absolutes Zinsverbot als “rückständig” zu umgehen. Fatalerweise setzte man technischen Fortschritt und Modernität mit Bank- bzw. Geldherrschaft gleich und verfestigte so seinen Kolonialstatus gerade da, wo man ihn nach Erreichung nationaler “Souveränität” überwunden zu haben glaubte. Von der befreienden sozialen Vibration des Islam blieb nur eine ihm fremde puritanische Moral – das sichere Zeichen politischen Unterworfenseins – übrig. Islam als lebendige Gesellschaft gerann zu Architektur und Gewürzbasar. Vom universal funktionierenden Lebensmodell, das weltweit hochzivilisierte, gerechte Gesellschaften hervorgebracht hatte, kristallisierte es zur harmlosen Ausscheidung orientalischer Kultur des Baedecker.

Aber entgegen allem Missverständnis ist Islam keine Kultur. Islam ist ein Filter für jede Kultur. Er reinigt, veredelt und stiftet Kultur. Dem Dichter Rilke, der die Essenz des Islam erfühlte, war es jedoch nicht gegeben, die kulturellen Barrieren zu übersteigen besser: zu unterlaufen. Dies wäre nur durch das Gebet des Muslims möglich gewesen. Hat Rilke dieses Gebet jemals gesehen? Wie konnte er es so treffend beschreiben?

Lebensaufgabe

Während der schweren Kriegsjahre ergaben sich für Rilke, durch seine Einsichten, die er durch die Überlieferung und Spuren des Islam in Andalusien gewonnen hatte, eine neue Klarheit bezüglich seiner persönlichen Lebensaufgabe, sowie auch eine neue Dringlichkeit in Europa zu allgemeinen, gesellschaftlich-lebenspraktischen Erneuerungen zu gelangen.

[…] Diese, nicht mehr von Menschen aus, sondern im Engel geschaute Welt, ist vielleicht meine wirkliche Aufgabe, wenigstens kämen in ihr alle meine früheren Versuche zusammen; aber, um die zu beginnen, Ellen, wie müßte einer beschützt und beschlossen sein! Rainer (Brief an Ellen Delp, München, 27.10.1915)

[…] die Veränderungen, die allein weiterführen, müßten bis zu den Wurzeln der jetzigen Verhältnisse hinabreichen; nur durch eine der größten und innersten Erneuerungen, die sie je durchgemacht hat, wird die Welt sich retten und erhalten können. […] (Brief an Clara Rilke-Westhoff, 4.11.1917)

[…] denn die Verstörung der vergangenen Jahre ist ja nicht von heut auf morgen zu beheben und auszugleichen, ich sagte immer, um das Unheil, das Menschen sich angethan haben, wirklich zu versöhnen, müßten schon Engel eingreifen, ich warte hier auf die Engel… Aber wer hat die in seiner Macht! Im Grunde will ich auch nur das Eine versichern: daß meine Erwartung inständig ist, unbedingt, unbeschränkt; von einer geistigen Sehnsucht, wie ich sie noch nie zu fassen vermochte. Etwas Größeres wird mir für solche Verfassung gegeben sein, wenn ich nur stark genug bin, in ihr zu verharren, – was es dann auch sei, es kann nichts Geringes sein. […] (Brief an Sidonie Nádhern_ von Borutin, Schloß Berg am Irchel, 20.11.1920)

Rund 14 Monate später wurde ihm im Turm von Muzot die Vollendung seines dichterischen Lebenswerkes, die Duineser Elegien, gegeben.

Religion, Gott, Jesus, Orient

[…] Glauben! – Es gibt keinen, hätte ich fast gesagt. Es gibt nur – die Liebe. Die Forcierung des Herzens, das und jenes für wahr zu halten, die man gewöhnlich Glauben nennt, hat keinen Sinn. Erst muß man Gott irgendwo finden, ihn erfahren, als so unendlich, so überaus, so ungeheuer vorhanden -, dann sei's Furcht, sei's Staunen, sei's Atemholen, sei's am Ende – Liebe, was man dann zu ihm faßt, darauf kommt es kaum noch an, – aber der Glaube, dieser Zwang zu Gott, hat keinen Platz, wo einer mit der Entdeckung Gottes begonnen hat, in der es dann kein Aufhören mehr gibt, mag man an welcher Stelle immer begonnen haben. – Und Sie, als Jüdin, mit so altem Gottesschrecken im Blut, sollten sich um ein gar nicht kümmern müssen. Sondern einfach fühlen, in Ihrer Gegenwart die Seine […] Religion ist etwas unendlich Einfaches, Einfältiges. Es ist keine Kenntnis, kein Inhalt des Gefühls […], es ist keine Pflicht und kein Verzicht, es ist keine Einschränkung: sondern in der vollkommenen Weite des Weltalls ist es: eine Richtung des Herzens. […] Daß der Araber zu gewissen Stunden sich gegen Osten kehrt und sich niederwirft, das ist Religion. Es ist kaum . Es hat kein Gegenteil. Es ist ein natürliches Bewegtwerden innerhalb eines Daseins, durch das dreimal täglich der Wind Gottes streicht, indem wir mindestens dies: biegsam sind. […] (Brief an Ilse Blumenthal-Weiß, Muzot, 28.12.1921)

[…] Wenn ich sage: Gott, so ist das eine große, nie erlernte Überzeugung in mir. Die ganze Kreatur, kommt mir vor, sagt dieses Wort, ohne Überlegung, wenn auch oft aus tiefer Nachdenklichkeit. Wenn dieser Christus uns dazu geholfen hat, es mit hellerer Stimme, voller, gültiger zu sagen, um so besser, aber laßt ihn doch endlich aus dem Spiel. Zwingt uns nicht immer zu dem Rückfall in die Mühe und Trübsal, die es ihn gekostet hat, uns, wie ihr sagt, zu . Laßt uns endlich dieses Erlöstsein antreten. – Da wäre ja sonst das Alte Testament noch besser dran, das voller Zeigefinger ist auf Gott zu, wo man es aufschlägt, und immer fällt einer dort, wenn es schwer wird, so grade hinein in Gottes Mitte. Und einmal habe ich den Koran zu lesen versucht, ich bin nicht weit gekommen, aber so viel verstand ich, da ist wieder so ein mächtiger Zeigefinger, und Gott steht am Ende seiner Richtung, in seinem ewigen Aufgang begriffen, in einem Osten, der nie alle wird. Christus hat sicher dasselbe gewollt. Zeigen. Aber die Menschen hier sind wie die Hunde gewesen, die keinen Zeigefinger verstehen und meinen, sie sollten nach der Hand schnappen. Statt vom Kreuzweg aus, wo nun der Wegweiser hoch aufgerichtet war in die Nacht der Opferung hinein, statt von diesem Kreuzweg weiterzugehen, hat sich die Christlichkeit dort angesiedelt und behauptet, dort in Christus zu wohnen, obwohl doch in ihm kein Raum war, nicht einmal für seine Mutter, und nicht für Maria Magdalena, wie in jedem Weisenden, der eine Gebärde ist und kein Aufenthalt. – […] (Der Brief des jungen Arbeiters, Februar 1922, SW, VI, 1113f)

Hier unterstreicht Rilke klar die Gesandtschaft Jesu (Friede sei mit ihm) gegenüber der christlichen Verstiegenheit ihn als “Gottes Sohn” zu missdeuten.

[…] Und das, was ich nun sagen will, ist noch schwerer ausdrücken. Was nämlich den “Patron”, die Macht, angeht […], so giebt es nur ein Mittel wider sie: weiter zu gehen als sie selbst. Ich meine das so: Man sollte sich anstrengen, in jeder Macht, die ein Recht über uns beansprucht, gleich alle Macht zu sehen, die ganze Macht, Macht überhaupt, die Macht Gottes. Man sollte sich sagen, es giebt nur eine, und die geringe, die falsche, die fehlerhafte so verstehen, als wär sie das, was uns mit Recht ergreift. Würde sie nicht unschädlich auf diese Weise? Wenn man in jeder Macht, auch in arger und boshafter, immer die Macht selbst sähe, ich meine das, was zuletzt Recht behält, mächtig zu sein, überstünde man da nicht, heil sozusagen, auch das Unberechtigte und Willkürliche? […] -im Innersten aber weiß ich, daß die Unterwerfung weiter führt als die Auflehnung; sie beschämt, was Bemächtigung ist, und sie trägt unbeschreiblich bei zur Verherrlichung der richtigen Macht. Der Aufgelehnte drängt aus der Anziehung eines Machtmittelpunktes hinaus, und es gelingt ihm vielleicht, dieses Kraftfeld zu verlassen; aber darüber hinaus steht er im Leeren und muß sich umsehen nach einer anderen Gravitation, die ihn einbeziehe. Und diese ist meist von noch minderer Gesetzmäßigkeit als die erste. Warum also nicht gleich in jener, in der wir uns vorfinden, die größeste Gewalt sehen, unbeirrt durch ihre Schwächen und Schwankungen? Irgendwo stößt die Willkür von selber ans Gesetz, und wir ersparen Kraft, wenn wir ihr überlassen, sich selber zu bekehren. Freilich das gehört zu den langen und langsamen Vorgängen, die so völlig in Widerspruch stehen mit den merkwürdigen Überstürzungen unserer Zeit. […] (Der Brief des jungen Arbeiters, Februar 1922, SW, VI, 1121f)

[…] Es ist in mir eine am Ende doch ganz unbeschreibliche Art und Leidenschaft, Gott zu erleben, die unbedingt dem Alten Testament näher steht, als der Messiade; ja, wenn ich zugleich allgemein und wahr sein wollte, so müßte ich gestehen, es sei mir doch, zeitlebens, um nichts anderes zu tun, als in meinem Herzen diejenige Stelle zu entdecken und zu beleben, die mich in Stand setzen würde, in allen Tempeln der Erde mit der gleichen Berechtigung, mit dem gleichen Anschluß an das jeweils dort Größeste anzubeten. Als ich in Kairouan, im südlichen Tunis, in die gewaltige Haupt-Moschee eintrat (sie ist, wie dieser ganze, dem Islam einst, nach Mekka, heiligste Ort, entweiht, seit der französischen Invasion) da hatte ich das Gefühl, ich brächte in meinem auch dort, und dort erst recht, gültigen Herzen genug Kraft der unmittelbarsten Erhebung mit, um das verödete Gotteshaus der Wiedereinkehr des großen Bezugs, wenigstens für den Augenblick, würdig zu machen. So und nicht anders geht es in mir zu -, aber da in alledem der Vorsatz kaum eine Rolle spielt, bleibt die Verfassung nur ungefähr andeutbar. […] (Brief an den reformierten Pfarrer Rudolf Zimmermann, Muzot, 10.3.1922)

[…] Wäre mir damals nicht ein sehr bestimmter Plan von den Reisefreunden auferlegt gewesen, ich wäre schon an unserer zweiten Station, in Biskra, ein halbes Leben geblieben, statt nach drei Wochen weiter zu reisen […] Der Orient ist eine Welt für sich, eine Welt der Nüance, nicht der Vielfalt; ich hatte eine unendliche Sehnsucht, nicht viel davon zu haben, aber, von einer mittheilsameren Stelle aus, das Ganze; man reist dort ein wenig wie im Sternenhimmel, auch dort wär es gewiß unsinnig, sechs Sterne nach einander besuchen zu wollen, man bliebe auf dem Aldebaran oder sonst in der gewaltigen Himmlischkeit und sähe sich um. Bei mir war dieses Verlangen umso begreiflicher, als ich das Arabische sehr liebte und mich seinen Äußerungen so nahe fühlte, daß ich, seltsam leicht und fähig, die Sprache zu treiben begann… […] denn es ist wirklich mit dem Orient wie mit dem Zucker: schmeckt man nur richtig zu, er ist ganz in jedem kleinsten und stillsten Dortsein. […]

“Sidi” […] diesem mir unendlich männlichen Klang […]

Ägypten […] Oft […] bin [ich] mit meiner arabischen Grammatik und dem Wörterbuch auf dem Schiff geblieben: wunderbare Abende, Nächte, wo einen der ganze Raum behandelt, als wäre man ein Rosenblatt. […] Statt weiter und weiter zu reisen in unruhige und vestörte Länder, wärs nicht richtiger, langsam in einer eigenen “Dahabieh” den Nil entlang zu fahren?; das ist keine Reise mehr, das ist Leben, eine Verwandlung, ein Traum des Daseins … und eine wirkliche tiefe Besinnung. […] (Brief an Sidonie Nádhern_ von Borutin, Muzot, 21.1.1923)

Deutschland

1923, einem weiteren denkwürdigen Jahr, dass man nicht nur bei den Muslimen, sondern auch in Europa als geschichtliche empfand, schrieb Rilke folgende schwerwiegenden Gedanken über seine eigene, unsere deutsche Sprachgemeinschaft:

[…] Für mich, so wie ich alles sehe und es, meiner Art und Anlage nach, erleben muß, besteht kein Zweifel, daß es Deutschland ist, das, indem es sich nicht erkennt, die Welt aufhält. Die vielfältige Zusammensetzung und weite Erziehung meines Blutes gewährt mir eine eigentümliche Distanz, dies einzusehen. Deutschland hätte, im Jahre 1918, im Moment des Zusammenbruchs, alle, die Welt, beschämen und erschüttern können durch einen Akt tiefer Wahrhaftigkeit und Umkehr. Durch einen sichtlichen, entschlossenen Verzicht auf seine falsch entwickelte Prosperität -, mit einem Wort: durch jene Demut, die so unendlich seines Wesens gewesen wäre und ein Element seiner Würde und die allem zuvorgekommen wäre, was man ihm an fremdartiger Demütigung diktieren konnte. Damals – so hoffte ich einen Augenblick – sollte in das seltsam einseitig und einwillig gewordene deutsche Gesicht der verloren gegangene Zug jener Demut, die in den Zeichnungen Dürers so konstruktiv anmutet, wieder eingetragen, nachgetragen werden! Vielleicht waren ein paar Menschen da, die das fühlten, deren Wünsche, deren Zuversicht nach einer solchen Korrektur gerichtet waren, – jetzt beginnt es sich zu zeigen und schon zu rächen, daß sie nicht geschehen ist. – Etwas ist ausgeblieben, was alles ins Maß gerückt hätte; Deutschland hat versäumt, sein reinstes, bestes, auf ältester Grundlage wieder hergestelltes Maß zu geben -, es hat sich nicht vom Grunde aus erneuert und umbesonnen, es hat sich nicht jene Würde geschaffen, die die innerste Demut zur Wurzel hat, es war nur auf Rettung bedacht in einem oberflächlichen, raschen, mißtrauischen und gewinnsüchtigen Sinn, es wollte leisten und hoch- und davonkommen, statt, seiner heimlichsten Natur nach, zu ertragen, zu überstehen und für sein Wunder bereit zu sein. Es wollte beharren, statt sich zu ändern. Und so fühlt man nun: …etwas ist ausgeblieben. Ein Datum fehlt, an dem Anhalt gewesen wäre-. Eine Sprosse fehlt in der Leiter, daher die unbeschreibliche Besorgnis, die Angst, das “Vorgefühl eines jähen und gewaltigen Sturzes”… […] (Brief an Lisa Heise, Muzot, 2.2.1923)

Tod, arabisches Dasein und Engel

Jeder, den das Schicksal schon einmal in die Lage gebracht hat einem Bekannten zu begegnen, der einen ihm nahestehenden Menschen verloren hat, weiß, wie schwer eine solche Situation ist. Es gibt eine Reihe von Briefen Rilkes, die derartige Todesfälle zum Anlass nehmen, die Wirklichkeit und die Bedeutung des Todes für uns in einer Art und Weise zu bedenken, die den Muslimen sehr vertraut ist.

[…] – Ich werfe es allen modernen Religionen vor, daß sie ihren Gläubigen Tröstungen und Beschönigungen des Todes geliefert haben, statt ihnen Mittel ins Gemüt zu geben, sich mit ihm zu vertragen und zu verständigen. Mit ihm, mit seiner völligen unmaskierten Grausamkeit: diese Grausamkeit ist so ungeheuer, daß sich gerade bei ihr der Kreis schließt: sie führt schon wieder an das Extrem einer Milde, die so groß, so rein und so vollkommen klar ist (aller Trost ist trübe!), wie wir nie, auch nicht im süßesten Frühlingstag, Mildigkeit geahnt haben. […] Nichts, ich bin sicher, war je der Inhalt der , als eben die Mitteilung eines , der erlaubte, das Wort ohne Negation zu lesen; wie der Mond, so hat gewiß das Leben eine uns dauernd abgewendete Seite, die nicht sein Gegenteil ist, sondern seine Ergänzung zur Vollkommenheit, zur Vollzähligkeit, zu der wirklichen, heilen und vollen Sphäre und Kugel des Seins. Man sollte nicht fürchten, daß unsere Kraft nicht hinreichte, irgend eine, und sei es die nächste und sei es die schrecklichste Todeserfahrung zu ertragen; der Tod ist nicht über unsere Kraft, er ist der Maßstrich am Rande des Gefäßes: wir sind voll, sooft wir ihn erreichen – und Voll-sein heißt (für uns) Schwer-sein…das ist alles. […] Es wäre denkbar, daß er [der Tod] uns unendlich viel näher steht, als das Leben selbst… Was wissen wir davon?! […] glauben Sie nur, liebe gnädigste Gräfin, daß er ein Freund ist, unser tiefster, vielleicht der einzige durch unser Verhalten und Schwanken niemals, niemals beirrbare Freund […] Das Leben sagt immer zugleich: Ja und Nein. Er, der Tod (ich beschwöre Sie, es zu glauben!) ist der eigentliche Ja-Sager. Er sagt nur: Ja. Vor der Ewigkeit. […] das Schlafende und das Wache, das Lichte und das Dunkle, die Stimme und das Schweigen…la présence et l'absence. Alle die scheinbaren Gegenteile, die irgendwo, in einem Punkte zusammenkommen, die an einer Stelle die Hymne ihrer Hochzeit singen – und diese Stelle ist – vor der Hand – unser Herz! Immer Ihr dauernd ergebener Rilke (Brief an Gräfin Margot Sizzo-Noris-Crouy, Muzot, am Dreikönigstag 1923)

Hermine Proeschel (in: Ebneter: Le pur espace…) überliefert am 1. Mai 1923 eine Erzählung Rilkes über seinen Aufenthalt in Ägypten:

Rilke sprach von seinem Aufenthalt in Aegypten und den zwei Erlebnissen, nach deren Erleben er den Arabern näher kam d.h. sie ihm! – Der Führer: der Jahrmarkt: der Wahrsager: (Wüsten-Baur): er übersetzte den zwei Damen: plötzlich kam Etwas, das der Führer nicht sagen wollte: ein furchtbares Entsetzen in seinem Gesicht: R. wagte nicht danach zu fragen. – dieses unausgesprochene Geheimniss zwischen Beiden: der Führer wurde ganz anders: erfüllte alle Wünsche R.: umgab ihn mit Sorge, ja Zärtlichkeit. “Wenn einem einmal eines dieser seltsamen Wesen ergeben ist dann fühlt man sich so geborgen bei ihnen wie bei einer Mutter.” – Auch als Rilke nochmal versuchte um das Geheimiss zu fragen war das gleiche Entsetzen auf dem Gesichte des Arabers und R. ließ vom weiteren Fragen ab. Ebenso beim Abschiednehmen. Das zweite Erlebniss war der alte Bettler bei den Pyramiden in Cairo. Zur Mittagszeit: R. saß im Schatten einer Palme: weit entfernt im Schatten eines alten Mauerrestes für Bettler: zwischen Beiden ein Brunnen, wo die Jungen kamen um die Tiere zu tränken: Lange Zeit saßen die Beiden plötzlich stand der Bettler auf, kam langsamen mühsamen Schrittes näher: R. glaubte zuerst er wolle zum Brunnen: aber nein er gieng daran vorbei und kam näher zu R. R. stand auf und gieng dem Bettler entgegen und reichte ihm das Almosen: – Dieses Aufstehen und ihm entgegengehen machte einen ungeheuren Eindruck auf den Araber: man erkannte es an dem folgenden Vorgang: wieder langsam und mühsam gieng der Alte auf seinen Platz zurück: dieses Gehen schien endlich zu dauern in den Entfernungen der Wüste! – Nun saßen Beide wieder wie zu Anbeginn in der heißen Sonne der Wüste schauend: – Nun erhob sich der Bettler erneut und trat den gleichen Weg mit der gleichen Umständlichkeit nochmals an: einen Augenblick verweilte er am Brunnen und kam dann auf R. zu. Diesmal blieb R. sitzen, denn er hatte ja schon das Seinige getan: Der Bettler kam ganz nahe, streckte seine Hand R. entgegen und gab ihm einen Becher mit Wasser! – “Noch spüre ich”, sagte R. “den kühlen Rand des alten Zinnbechers aus dem ich das Wasser trank!” Was muß in der Seele des alten Bettlers vorgegangen sein: er wollte mir das Kostbarste geben, was es hier zu geben war – – – eben den Becher Wasser.” – Dann erzählte R. von Isabella Eberhardt, einer Russin, welche mit ihrer kranken Mutter nach Ägypten kam: als die Mutter dort starb blieb die Tochter da, – heiratete einen Araber, wurde Mohamedanerin und zog mit einem Araberstamm mit. Sie wurde später von Arabern ermordet: [Hier unterlag Rilke offenbar einer Fehlinformation, da sie tatsächlich durch den Einsturz ihres Hauses infolge eines Hochwassers ums Leben kam.] ihr Tagebuch soll nun veröffentlicht werden: Artikel darüber in der Revue hebdomadaire.

In einem Brief des Jahres 1924 nach Tunis antwortet Rilke Frau Nanny Wunderly-Volkart, der großherzigen Helferin seiner Schweizer Jahre, die ihm tiefbewegt von ihren Reiseerfahrungen geschrieben hatte. Hier streift er, angeregt durch die Begeisterung seiner Briefpartnerin (die ihn bis an sein Sterbebett begleiten sollte), die Frage des Eintritts in den Islam:

Liebe, Ihr großer Brief aus Tunis (vom 22ten) hat (wie ging das?) nur drei Tage gebraucht bis zu mir […] Ja, Chère, ich wußte Ihre Freude voraus und auch dies, diese eigenthümliche Ergriffenheit und Sehnsucht vor dem Leben, wie es sich dort darstellt: diesem in sich beruhenden, nicht aus sich hinaus, nicht von sich fortstürzenden Leben. Dort ist, in jeder Gestalt, jenes statische Prinzip verwirklicht, das wir doch zuletzt meinen: jenes das nicht ein wechselndes Sich-halten ist im Labilen, sondern ein Aufruhen in der Mitte, in die man zurückfällt aus allen Wagnissen und Veränderungen. […] Das alte aber, Liebe, löst sich endlich auf in alledem: denn hier steht man, das gleiche Ausgeschlossensein nochmals von Anfang an durchmachend, nicht vor findigen und und überlegenen Erwachsenen, – sondern vor den begünstigten Kindern einer anderen Welt, in der so heilzubleiben das Natürliche war. Freilich können wir nicht, wie Isabella Eberhardt, [1877-1904, Tochter eines Russen, in der Schweiz geboren, zum Islam konvertiert, in Nordafrika lebende Schriftstellerin], auch dieses Ersehnliche schließt uns aus und verleugnet uns. Aber, es erfahrend so wie es ist, erwerben wirs nicht mit jener Kraft, die einst an die Großen, da wir Kinder waren, anzuwenden, unmöglich war…: mit dem freien zustimmenden Einsehen? – Daß sie einsehen, Liebe, vom ersten Schritte an, das hat Sie so seelig und erregt und wieder so ausgeschlossen gemacht; […] Jenes arabische Dasein ist ja nur möglich, wenn man eben den Stern Erde bewohnt und den Weltraum athmet. Wir sind von der Erde durch Ablagerungen des Vergangenen abgetrennt, die sich bei uns nicht aufzehren, – und der größte Teil dessen, was wir athemholen, ist Ausgeathmetes von Menschen, Maschinen und Verwesung. […] Wir würden mit dem Arabischen, ob es gleich eine erschütternde Reinigung und Vereinfachung wäre, nicht auskommen. Aber es zu wissen, gewährt eine neue Sicherheit und Befreundung zur Erde; nun erst hat sie einen empfangen […] Und wir haben Menschen geschaut, die standhalten, die nicht einfach ausfallen in diesem Einander-ertragen der Gestirne, Menschen, die irgendwie mitgerissen sind von den Gebräuchen der Sterne; […] (Brief an Nanny Wunderly-Volkart, Muzot, 2.4.1924)

[…] Der Tod ist die uns abgekehrte, von uns unbeschienene Seite des Lebens: wir müssen versuchen, das größeste Bewußtsein unseres Daseins zu leisten, das in beiden unabgegrenzten Breichen zu Hause ist, aus beiden unerschöpflich genährt… Die wahre Lebensgestalt reicht durch beide Gebiete, das Blut des größesten Kreislaufs treibt durch beide: es gibt weder ein Diesseits noch ein Jenseits, sondern die große Einheit, in der die uns übertreffenden Wesen, die , zu Hause sind. […] Wir, diese Hiesigen und Heutigen, sind nicht einen Augenblick in der Zeitwelt befriedigt, noch in sie gebunden; wir gehen immerfort über und über zu den Früheren, zu unserer Herkunft und zu denen, die scheinbar nach uns kommen. In jener größesten Welt sind alle, man kann nicht sagen , denn eben der Fortfall der Zeit bedingt, daß sie alle sind. Die Vergänglichkeit stürzt überall in ein tiefes Sein. Und so sind alle Gestaltungen des Hiesigen nicht nur zeitbegrenzt zu gebrauchen, sondern, soweit wirs vermögen, in jene überlegenen Bedeutungen einzustellen, an denen wir Teil haben. Aber nicht im christlichen Sinne (von dem ich mich immer leidenschaftlicher entferne), sondern, in einem rein irdischen, tief irdischen, selig irdischen Bewußtsein gilt es, das hier Geschaute und Berührte in den weiteren, den weitesten Umkreis einzuführen. Nicht in ein Jenseits, dessen Schatten die Erde verfinstert, sondern in ein Ganzes, in das Ganze. Die Natur, die Dinge unseres Umgangs und Gebrauchs, sind Vorläufigkeiten und Hinfälligkeiten; […] So gilt es, alles Hiesige […] gerade, um seiner Vorläufigkeit willen, die es mit uns teilt, sollen diese Erscheinungen und Dinge von uns in einem innigsten Verstande begriffen und verwandelt werden. Verwandelt? Ja, denn unsere Aufgabe ist es, diese vorläufige, hinfällige Erde uns so tief, so leidend und leidenschaftlich einzuprägen, daß ihr Wesen in uns wieder aufersteht. Wir sind die Bienen des Unsichtbaren […] Wenn man den Fehler begeht, katholische Begriffe des Todes, des Jenseits und der Ewigkeit an die Elegien oder Sonette zu halten, so entfernt man sich völlig von ihrem Ausgang und bereitet sich ein immer gründlicheres Mißverstehen vor. Der der Elegien hat nichts mit dem Engel des christlichen Himmels zu tun (eher mit den Engelsgestalten des Islam) … Der Engel der Elegien ist dasjenige Geschöpf, in dem die Verwandlung des Sichtbaren in Unsichtbares, die wir leisten, schon vollzogen erscheint. Für den Engel der Elegien sind alle vergangenen Türme und Paläste existent, weil längst unsichtbar, und die noch bestehenden Türme und Brücken unseres Daseins schon unsichtbar, obwohl noch (für uns) körperhaft dauernd. Der Engel der Elegien ist dasjenige Wesen, das dafür einsteht, im Unsichtbaren einen höheren Rang der Realität zu erkennen. – Daher für uns, weil wir, seine Liebenden und Verwandler, doch noch am Sichtbaren hängen. – Alle Welten des Universums stürzen sich ins Unsichtbare, als in ihre nächst-tiefere Wirklichkeit […] Mögen Sie, lieber Freund, hier einigen Rat und Aufschluß erkennen und, im Übrigen, sich selber weiterhelfen. Denn: Ich weiß nicht, ob ich je mehr sagen könnte. Ihr R.M.Rilke (Brief an Witold Hulewicz, Briefstempel: Sierre, 13.11.1925)

Abschied

Im Malte, in den Gedichten und seinen unzähligen Briefen hatte Rilke sein Leben lang den Tod umkreist. 16 Jahre später begegnete er seinem eigenen, unsagbar qualvollen Tod, durch Leukämie. Der letzte Brief an Lou Andreas-Salomé vom 13. Dezember 1926, 16 Tage vor seinem Tod, ist ein erschütterndes Dokument, in dem der Dichter mit schwachem Bleistift seinen endgültigen Abschied von seiner größten Freundin und geistigen Schwester nimmt.

Montag. <13.12.1926> Dorogája [Liebe], das siehst Du also wars, worauf ich seit drei Jahren durch meine wachsame Natur vorbereitet und vorgewarnt war: nun hat sie's schwer, schwer durchzukommen, da sie in dieser langen Frist sich in Hülfen und Correkturen und unmerklichen Richtigstellungen auszugeben hatte; und ehe der jetzige, grenzenlos schmerzhafte Zustand mit allen seinen Complikationen sich ausbildete war sie schon durch eine schleichende intestinal-Grippe mit mir gegangen. Und jetzt, Lou, ich weiß nicht wie viel Höllen, du weisst wie ich den Schmerz, den physischen, den wirklich grossen in meine Ordnungen untergebracht habe, es sei denn als Ausnahme und schon wieder Rückweg ins Freie. Und nun. Er deckt mich zu. Er löst mich ab. Tag und Nacht! Woher den Muth nehmen? Liebe, liebe Lou, der Arzt schreibt Dir, Frau Wunderly schreibt Dir, die hülfreich hierher gekommen ist für ein paar Tage. Ich habe eine gute verständige garde-malade und glaube den Arzt, der mich nun seit drei Jahren wiedersieht, dies mal zum vierten Mal, im Rechten. Aber. Die Höllen. Bei Dir, bei Euch, Lou, wie? Seid Ihr beide gesund, es weht etwas Ungutes in diesem Jahresschluss, Bedrohliches. Proschaj, Dorogája mojá [Lebe wohl, meine Liebe], D. Rainer

Rilkes letzte Freundschaft war Mme. Nimet Eloui Bey (etwa 1903-1943), die Tochter des Ersten Kammerherren des Sultans Hussein, Achmed Khairi Pascha, einer begeisterten Leserin des Malte, die er im September 1926 – drei Monate vor seinem Tod – im Garten des Savoy-Hotels in Ouchy, bei Lausanne kennengelernt hatte. Drei Tage nach ihrer ersten Begegnung entsteht eine der sehr wenigen Fotografien, die den sterbenskranken Rilke (neben seinem Freund Paul Valéry) lachend zeigt. In der qualvollen Agonie seiner letzten Lebenswoche schreibt er ihr aus dem Bett (auf Französich):

Madame, ja, [ich bin] elend, schrecklich krank und schmerzerfüllt bis zu einem Punkt, den vorzustellen ich nie gewagt hatte. Es ist dieser noch anonyme Schmerz, den die Ärzte mit einem Namen taufen, der sich jedoch damit zufrieden gibt uns drei oder vier Schreie beizubringen, in denen sich unsere Stimme überhaupt nicht wiedererkennt. Sie, welche die Bildung der Nuancen besaß! Keine Blumen, Madame, ich flehe Sie an, ihre Anwesenheit stacheln die Dämonen an, von denen das Zimmer voll ist. Was jedoch mit den Blumen gekommen ist, kommt zur Gnade des Unsichtbaren hinzu. Oh Danke! (Mittwoch) [22.12.1926]

Ankunft

Am 18. August 1925 nahm Rainer Maria Rilke wieder einmal Abschied von seinem geliebten Paris. Er sollte es nie wieder sehen. Ein paar Monate später, im Jahre 1926, Rilkes Todesjahr, kam einer der größten geistigen Lehrer aus Marokko, der Sultan der Liebenden, Schaikh Ahmad bin Mustafa Al-Alawi (möge Allah mit ihm zufrieden sein) in Paris an, um seine Landsleute in ihrem Islam zu bestärken und zu inspirieren. Sein Licht, das Licht des Islam, war von Generation auf Generation, von Angesicht zu Angesicht weitergereicht worden, ging so direkt zurück bis auf den Propheten Muhammad (möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben). Dieses Licht scheint auch heute noch und wird dauern bis zum letzten Tag. Es ist so strahlend, dass es bis heute Generationen von Muslimen begeistert und nicht nur in zahlreichen Ländern Europas und der Welt gelehrt und gelebt wird, sondern mittlerweile sogar von Europa nach Marokko zurück gebracht wird (!), wo die allgegenwärtigen Verheerungen des Nihilismus ihre maximale Ausdehnung ebenfalls noch nicht erreicht zu haben scheinen.

Woraus besteht dieses Licht? In der Wahrheit, die die Muslime bezeugen:

“Dass Allah, er sei gepriesen, Seine Propheten und Gesandten zu Seinen Sklaven schickte, dass er ihnen Seine Zeichen und Seine Bücher gab, dass er die Gesandtschaft mit dem Propheten Muhammad (möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben), besiegelt hat, dass Er ihm den Qur'an herabsandte, als klare Führung der Menschen, mit klaren Beweisen in seiner Führung und Unterscheidung, dass der Qur'an die Rede unseres Herrn ist, der weder gezeugt ist, noch zeugt, dass er, möge Allah ihn segnen, ehrlich war, in dem was er sagte, dass seine Scharia alle anderen Gesetze aufhebt, dass der Garten und das Feuer wahr sind, dass sie beide existieren, und vorbereitet sind für die Menschen des Jammers und diejenigen der Glückseligkeit, dass die Engel wahr sind – einige von ihnen zeichnen auf, schreiben die Taten des Sklaven auf, und einige von ihnen sind Boten Allahs an Seine Propheten; wieder andere sind strenge, gewaltige Engel, die Allah nicht ungehorsam sind, in dem, was Er ihnen befiehlt und sie tun, was ihnen befohlen wird.” (Übers. von: Qadi Ayad: The foundations of Islam)

Die etymologische Bedeutung des Wortes Islam, das aus der arabischen Konsonanten-Wurzel S-L-M besteht, lautet: Frieden, Ergebung. Was Ergebung – jenseits von christlicher Sentimentalität – ist, findet sich in einem der kostbarsten Texte neuerer deutscher Sprache, der von Rainer Maria Rilke stammt. Es ist der 59. Teil aus den “Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge”, jenem Buch, dessen geistige Bilanz seinen Autor auf geheimnisvolle Weise zu seiner Reise zu den Muslimen Nordafrikas bewegte. Die Muslime, die er dort sah, waren für Rilke die “heilgebliebenen”, “begünstigten Kinder[n] einer anderen Welt”, die “den Stern Erde” bewohnen und “Weltraum” atmen, während er sich selbst als “von der Erde […] abgetrennt” erfuhr. Damals konnte ihm kein Muslim die Hand reichen zum Eintritt auf den “Stern Erde”, so blieb ihm nur, bei den Engeln um Hilfe zu suchen.

Ich habe niemals gewagt, von ihm eine Zeitung zu kaufen. Ich bin nicht sicher, daß er wirklich immer einige Nummern bei sich hat, wenn er sich außen am Luxembourg-Garten langsam hin und zurück schiebt den ganzen Abend lang. Er kehrt dem Gitter den Rücken, und seine Hand streift den Steinrand, auf dem die Stäbe aufstehen. Er macht sich so flach, daß täglich viele vorübergehen, die ihn nie gesehen haben. Zwar hat er noch einen Rest von Stimme in sich und mahnt; aber das ist nicht anders als ein Geräusch in einer Lampe oder im Ofen oder wenn es in eigentümlichen Abständen in einer Grotte tropft. Und die Welt ist so eingerichtet, daß es Menschen giebt, die ihr ganzes Leben lang in der Pause vorbeikommen, wenn er, lautloser als alles was sich bewegt, weiter rückt wie ein Zeiger, wie eines Zeigers Schatten, wie die Zeit. Wie unrecht hatte ich, ungern hinzusehen. Ich schäme mich aufzuschreiben, daß ich oft in seiner Nähe den Schritt der anderen annahm, als wüßte ich nicht um ihn. Dann hörte ich es in ihm “La Presse” sagen und gleich darauf noch einmal und ein drittes Mal in raschen Zwischenräumen. Und die Leute neben mir sahen sich um und suchten die Stimme. Nur ich tat eiliger als alle, als wäre mir nichts aufgefallen, als wäre ich innen überaus beschäftigt. Und ich war es in der Tat. Ich war beschäftigt, ihn mir vorzustellen, ich unternahm die Arbeit, ihn einzubilden, und der Schweiß trat mir aus vor Anstrengung. Denn ich mußte ihn machen wie man einen Toten macht, für den keine Beweise mehr da sind, keine Bestandteile; der ganz und gar innen zu leisten ist. Ich weiß jetzt, daß es mir ein wenig half, an die vielen abgenommenen Christusse aus streifigem Elfenbein zu denken, die bei den Althändlern herumliegen. Der Gedanke an irgendeine Pietà trat vor und ab -: dies alles wahrscheinlich nur, um eine gewisse Neigung hervorzurufen, in der sein langes Gesicht sich hielt, und den trostlosen Bartnachwuchs im Wangenschatten und die endgültig schmerzvolle Blindheit seines verschlossenen Ausdrucks, der schräg aufwärts gehalten war. Aber es war außerdem so vieles, was zu ihm gehörte; denn dies begriff ich schon damals, daß nichts an ihm nebensächlich sei: nicht die Art, wie der Rock oder der Mantel, hinten abstehend, überall den Kragen sehen ließ, diesen niedrigen Kragen, der in einem großen Bogen um den gestreckten, nischigen Hals stand, ohne ihn zu berühren; nicht die grünlich schwarze Krawatte, die weit um das Ganze herumgeschnallt war; und ganz besonders nicht der Hut, ein alter, hochgewölbter, steifer Filzhut, den er trug wie alle Blinden ihre Hüte tragen: ohne Bezug zu den Zeilen des Gesichts, ohne die Möglichkeit, aus diesem Hinzukommenden und sich selbst eine neue äußere Einheit zu bilden; nicht anders als irgendeinen verabredeten fremden Gegenstand. In meiner Feigheit, nicht hinzusehen, brachte ich es so weit, daß das Bild dieses Mannes sich schließlich oft auch ohne Anlaß stark und schmerzhaft in mir zusammenzog zu so hartem Elend, daß ich mich, davon bedrängt, entschloß, die zunehmende Fertigkeit meiner Einbildung durch die auswärtige Tatsache einzuschüchtern und aufzuheben. Es war gegen Abend. Ich nahm mir vor, sofort aufmerksam an ihm vorbeizugehen. Nun muß man wissen: es ging auf den Frühling zu. Der Tagwind hatte sich gelegt, die Gassen waren lang und befriedigt; an ihrem Ausgang schimmerten Häuser, neu wie frische Bruchstellen eines weißen Metalls. Aber es war ein Metall, das einen überraschte durch seine Leichtigkeit. In den breiten, fortlaufenden Straßen zogen viele Leute durcheinander, fast ohne die Wagen zu fürchten, die selten waren. Es mußte ein Sonntag sein. Die Turmaufsätze von Saint-Sulpice zeigten sich heiter und unerwartet hoch in der Windstille, und durch die schmalen, beinah römischen Gassen sah man unwillkürlich hinaus in die Jahreszeit. Im Garten und davor war soviel Bewegung von Menschen, daß ich ihn nicht gleich sah. Oder erkannte ich ihn zuerst nicht zwischen der Menge durch? Ich wußte sofort, daß meine Vorstellung wertlos war. Die durch keine Vorsicht oder Vorstellung eingeschränkte Hingegebenheit seines Elends übertraf meine Mittel. Ich hatte weder den Neigungswinkel seiner Haltung begriffen gehabt noch das Entsetzen, mit dem die Innenseite seiner Lider ihn fortwährend zu erfüllen schien. Ich hatte nie an seinen Mund gedacht, der eingezogen war wie die Öffnung eines Ablaufs. Möglicherweise hatte er Erinnerungen; jetzt aber kam nie mehr etwas zu seiner Seele hinzu als täglich das amorphe Gefühl des Steinrands hinter ihm, an dem seine Hand sich abnutzte. Ich war stehngeblieben, und während ich das alles fast gleichzeitig sah, fühlte ich, daß er einen anderen Hut hatte und eine ohne Zweifel sonntägliche Halsbinde; sie war schräg in gelben und violetten Vierecken gemustert, und was den Hut angeht, so war es ein billiger neuer Strohhut mit einem grünen Band. Es liegt natürlich nichts an diesen Farben, und es ist kleinlich, daß ich sie behalten habe. Ich will nur sagen, daß sie an ihm waren wie das Weicheste auf eines Vogels Unterseite. Er selbst hatte keine Lust daran, und wer von allen (ich sah mich um) durfte meinen, dieser Staat wäre um seinetwillen? Mein Gott, fiel es mir mit Ungestüm ein, so bist du also. Es giebt Beweise für deine Existenz. Ich habe sie alle vergessen und habe keinen je verlangt, denn welche ungeheure Verpflichtung läge in deiner Gewißheit. Und doch, nun ward mirs gezeigt. Dieses ist dein Geschmack, hier hast du Wohlgefallen. Daß wir doch lernten, vor allem aushalten, und nicht urteilen. Welche sind die schweren Dinge? Welche die gnädigen? Du allein weißt es. Wenn es wieder Winter wird und ich muß einen neuen Mantel haben, – gieb mir, daß ich ihn so trage, solang er neu ist. (Malte, SW, VI, 899f)

Ist es möglich, dass Rilkes fragender Ruf nach dem HERRN der Engel (im Brief an Sidonie Nádhern_ vom 20.11.1920), der entscheidende Ruf seines Lebens gewesen ist? Ist es möglich, dass man eine Arbeit über den “Gottesbegriff” im Malte schreiben kann, ohne selbst sein Leben zu ändern? Ist es möglich, dass derjenige eine Sache am besten versteht, der sie am meisten liebt, weil Lieben Verstehen ist? Wenn dies nur einen Hauch von Möglichkeit für Sie besitzt, dann haben sie schon begonnen, etwas von der Herrlichkeit der Ergebung zu begreifen, die Islam ist.

Willkommen!

Quellen:

Werk RMR: Sämtliche Werke, Frankfurt 1955 [SW] RMR: Werke in vier Bänden, Frankfurt/Leipzig 1996 (Kommentierte Ausgabe)

Briefe an verschiedene Empfänger RMR: Briefe aus den Jahren 1902-1906, Leipzig 1929 RMR: Briefe aus den Jahren 1906-1907, Leipzig 1930 RMR: Briefe und Tagebücher aus der Frühzeit. 1899-1902, Leipzig 1931 RMR: Briefe aus den Jahren 1907-1914, Leipzig 1933 RMR: Gesammelte Briefe 1892-1926, Leipzig 1936-1939 (Sechs Bände) RMR: Briefe, Wiesbaden 1950 RMR: Briefe zur Politik, Frankfurt 1986 RMR: Briefe, Frankfurt 1987 (Drei Bände) RMR: Briefe in zwei Bänden. 1896-1919, Frankfurt/Leipzig 1991

Briefwechsel RMR – Magda von Hattingberg: Briefwechsel mit Benvenuta, Esslingen 1954 RMR – Katharina von Kippenberg. Briefwechsel, Wiesbaden 1954 RMR – André Gide. Briefwechsel 1906-1926, Stuttgart, Wiesbaden 1957 RMR – Inga Junghanns. Briefwechsel, Wiesbaden 1959 RMR – Helene von Nostiz. Briefwechsel, Frankfurt 1976 RMR – Hugo von Hofmannsthal: Briefwechsel, Frankfurt 1978 RMR – Rolf Freiherr von Ungern-Sternberg. Briefwechsel, Leipzig 1980 RMR – Anita Forrer. Briefwechsel, Frankfurt 1982 RMR – Marina Zwetajewa – Boris Pasternak. Briefwechsel, Frankfurt 1983 RMR – Stefan Zweig. Briefwechsel, Frankfurt 1985 RMR – Marie von Thurn und Taxis. Briefwechsel, Frankfurt 1986 RMR – Regina Ullman und Ellen Delp. Briefwechsel, Frankfurt 1987 RMR – Lou Andreas-Salomé. Briefwechsel , Frankfurt 1989 RMR – Marina Zwetajewa. Ein Gespräch in Briefen, Frankfurt/Leipzig 1992 RMR – Rudolf Kassner. Freunde im Gespräch, Frankfurt/Leipzig 1997 RMR – Ilse Erdmann. Briefwechsel, Waldkirch 1998 RMR – Claire Goll. Briefwechsel, Göttingen 2000

Briefe an einzelne Empfänger RMR: Briefe an Auguste Rodin, Leipzig 1928 RMR: Briefe an einen jungen Dichter (Franz Xaver Kappus), Leipzig 1929 RMR: Briefe an eine junge Frau (Lisa Heise), Leipzig 1930 RMR: Briefe an R.R. Junghanns und Rudolf Zimmermann, Olten 1945 RMR: Briefe an das Ehepaar S. Fischer, Zürich 1947 RMR: Briefe an eine Reisegefährtin (Lotte Tronier-Funder), Wien 1947 RMR: Briefe an seinen Verleger 1906-1926, Wiesbaden 1934, 1949 (erw.) RMR: Die Briefe an Frau Gudi Nölke, Wiesbaden 1953 RMR: Briefe an Sidonie Nádhern_ von Borutin, Frankfurt 1973 RMR: Briefe an Nanny Wunderly-Volkart, Frankfurt 1977 RMR: Briefe an Karl und Elisabeth von der Heydt 1905-1922, Frankfurt 1977, 1986 RMR: Briefe an Axel Juncker, Frankfurt 1979 RMR: Briefe über Cézanne, Frankfurt 1983 RMR: Briefe an Gräfin Sizzo 1921-1926, Frankfurt 1985 RMR: Briefe an die Mutter, Frankfurt 1985 RMR: Briefe an Tora Vega Holmström, Jonsered 1989 RMR: Briefe an Lally Horstmann, Frankfurt/Leipzig 1996

Französische Briefe La derniere amitié de Rainer Maria Rilke. Lettres inédites de Rilke a Mme. Nimet Eloui Bey, Paris 1949 RMR et Merline (Baladine Klossowska). Correspondance 1920-1926, Zürich 1954 RMR – André Gide – Émile Verhaeren. Correspondance inédite, Paris 1955 RMR: Lettres milanaises (Duchessa Aurelia Gallarati-Scotti) 1921-1926, Paris 1956 RMR – André Gide. Correspondance 1909-1926, Paris 1952, (dt.) Stuttgart 1957

Erinnerungen Robert Musil: Rede zur Rilke-Feier, in: Gesammelte Werke, Reinbek 1978 Lou Albert-Lasard: Wege mit Rilke, Frankfurt 1985

Leben George C. Schoolfield: Rilke's last year, Kansas 1969 Ingeborg Schnack: Rainer Maria Rilke: Chronik seines Lebens, Frankfurt 1973 Ingeborg Schnack: Rilke. Leben und Werk im Bild, Frankfurt 1973 Curdin Ebneter: Le pur espace et la saison. Rilke im Wallis 1921-1926, Sierre 2000

Rilke in Nordafrika und Spanien Annemarie Schimmel: , in: Solbrig/Storck (Hrsg.): Rilke heute, Frankfurt 1975 Ulrich Fülleborn: Rilke und Ägypten, in: Blätter der Rilke-Gesellschaft 10 (1983), S.37-49 Eva Söllner: Rilke in Spanien, Frankfurt und Leipzig 1993 Joachim W. Storck: Judentum und Islam in der Sicht Rainer Maria Rilkes, in: Rilke heute, Frankfurt 1997 Alfred Grimm: Rilke und Ägypten, München 1997 Horst Nalewski (Hrsg.): RMR. Reise nach Aegypten, Frankfurt 2000

Islam Al-Qur'an Al-Karim und seine ungefähre Bedeutung in deutscher Sprache, Köln 1998 Imam Malik: Al-Muwatta, Granada 1992 Qadi Ayad: The foundations of Islam, Norwich 1982

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