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Warum Politiker und Banken zusammenhalten müssen. Von Khalil Breuer

Das griechische Orakel

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(iz). Laut dem französischen Autor Jean Christophe Rufin ist die beste Zensur die Über­flutung der Massen mit Information. Sollte der Franzose recht haben, hat diese Zensur bereits kräftig begonnen. Seit Monaten werden wir in Zeitungen, Funk und Fernsehen mit Berichten, Ana­ly­sen und der Terminologie zur „Finanz­krise“ bombardiert. Angesichts der täglichen „Horrorszenarien“ macht sich in der Bevölkerung Lähmung breit. „TINA, there is no alternative“, so Heribert Prantl in der SZ, „regiert das Land“.

Die komplexen Hintergründe der global vernetzten Finanzarchitektur verstehen nur wenige Fachleute. Im Grunde werden uns Laien nur ganzheitliche Glau­­benssysteme geboten. Jede „Wahrheit“ hat etwas spekulatives: Kommt die Inflation, kommt sie nicht? Fällt die Börse, fällt sie nicht? Die „Prophezeiungen“ für den Euro werden nun täglich mit dem „Orakel von Delphi“ abgestimmt. Über Jahrzehnte hatten Europas Großkonzerne ihre Waren auf Pump nach Hel­las verschifft. Unter der griechischen Sonne entscheidet sich, ob die Rückzah­lung des gigantischen Schuldenbergs tatsächlich funktionieren kann.

Hektisch versucht die europäische Politik, den Angriffskrieg der Wall Street zu kontrollieren. Die getriebene Politik muss nun zeigen, dass sie überhaupt noch Macht hat. Es beginnt nun eine Symbolpolitik, die sich dadurch auszeichnen will, dass sie auch dem Kapital eines Tages irgendwie weh tun will. Bis dahin diktieren Banken das Geschehen, die die neu­en „finanziellen Massen­ver­nich­tungs­waffen“ kreierten und mehr denn je von Spekulationen und schwankenden Wech­­selkursen leben. Sie sind Teil des Prob­lems, nicht der Lösung. Im Fernsehen gibt es ein ungeschriebe­nes Gesetz: Die wirklich Mächtigen allein dürfen Auskunft geben. Nur eine Kanzlerin, ein Finanzminister oder eben der Chef der Deutschen Bank haben das Privileg des exklusiven Gesprächs unter vier Augen. Bei Maybrit Illner, nicht ­gerade eine Finanzexpertin, bekommt der Magier handverlesene Fra­gen gestellt. Lästige Querverbindungen wie die Rolle seiner Bank bei der Pleite der Düsseldorfer IKB zeigt Illner erst gar nicht auf.

Die Zukunft des Kapitalismus bleibt von der Schicksalsgemeinschaft, dem inneren Zusammenhang von Banken und Politik, bestimmt. Banken profitieren von der Verteilungslogik der modernen Po­litik: Gewählt wird, wer etwas zu vertei­len hat. Wer radikal spart, wird einfach abgewählt. An der Macht bleibt, wer mehr Schulden machen kann. Auch daher ist es in der modernen Geschichte nie gelungen, Schulden zurückzuzahlen. ­Ban­ken und Politiker brauchen in diesem Sys­tem die wundersame Geldver­mehrung, um ihre Machtposition zu halten.

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