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Was der Umgang mit dem verstorbenen Prof. Dr. Fuat Sezgin offenbart

Meinung: „Was man verstehen und deuten lernen muss."

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Facebook | Selcuk Cicek

(iz). Der renommierte Wissenschaftler Prof. Dr. Fuat Sezgin ist im Alter von 93 Jahren verstorben. Er war eine Größe, die ihresgleichen sucht. Eine Brücke des Wissens. Nach dem Militärputsch 1961 verließ Sezgin die Türkei und begann seine leidenschaftliche Forschung in Deutschland. Als Historiker und Islamwissenschaftler gehörte er zu den Größten seiner Zunft.

Er begründete als Pionier 1982 an der Universität Frankfurt das Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften. Seine beispiellose Beschäftigung mit der arabischen Sprache, seine wegweisenden Öffnungen kulturhistorischer Forschungen brachten ihm unter anderen die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main, das Bundesverdienstkreuz und das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ein. Seine eigenen Werke auf Deutsch und die von ihm ins Deutsche übersetzten Werke genießen rund um den Globus höchste Achtung.


Das Herz Fuat Sezgins schlug für die Türkei und für Deutschland. Seine Ehefrau Dr. Ursula Sezgin, die bis zum Ende zu seinen engsten Unterstützern gehörte – auch dann, als die Universität Frankfurt kurz vor seinem Tod damit begann, ihm die von ihm initiierte Bibliothek vorzuenthalten und die Bücher aus seinem Eigenbesitz beschlagnahmen wollte – kann das bestätigen.
Prof. Dr. Fuat Sezgin starb in Istanbul. Dort beabsichtigte er, eine weitere große Bibliothek zu begründen. Freunde, Schüler und Verehrer aus Deutschland begaben sich umgehend in die Türkei, um seiner Beisetzung beiwohnen zu können.

Zu den Gästen gehörten auch zahlreiche Persönlichkeiten aus der türkischen Regierung und Gesellschaft. Darunter der Präsident der Türkei, Recep Tayip Erdogan, der Fuat Sezgins Sarg trug und das Totengebet für ihn verrichtete. Daraufhin rief er aus, das Jahr 2019 werde ihm zu Ehren das Fuat Sezgin Jahr der Islamwissenschaften.

Obwohl Prof. Dr. Fuat Sezgin eine Ikone der freien Wissenschaft in Deutschland war, ein Mann, auf den wir in Deutschland stolz sein könnten, war kein Vertreter Deutschlands zu seiner Beisetzung anwesend. Nicht einmal ein einfacher Beamter oder Universitätsangestellter. Auch gibt es keine ehrenden Nachrufe in hiesigen Medien oder öffentliche insitutionelle Bekundungen. Obwohl ihnen Mitteilungen zugeschickt wurden.

Wenn dann der türkische Präsident ihm aber die Ehre erweist, hinterlässt das besonders in diesem Kontrast einen tiefen Eindruck. Jenseits politischer Debatten, sind das menschliche Eindrücke, die über Phrasen, Parolen und Populismus hinausgehen und prägen können. Das gilt es zu beachten, wenn man Zugehörigkeitsgefühle verstehen möchte. Oder ebenso die die Frage, warum es bei aller Kritik die man hat und haben kann oder sollte, in diesen Tagen viele Menschen gibt, die Erdogan und die türkische Regierung achten. Das muss man verstehen und deuten lernen. Und das sag ich als beobachtender Journalist. Prof. Dr. Fuat Sezgin bleibt in Erinnerung als unermüdlicher Intellektueller und Macher, der um eben jenes Verstehen und Deuten bemüht war.

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