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Was hat das iPhone mit unseren Gemeinden zu tun?

Antworten von Omar Usman über zeitgenössische Herausforderungen in der Belebung von Moscheegemeinschaften

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Foto: axelle b, publicdomainpictures.net | Lizenz: CC0 Public Domain

Wer ist der Moscheevorsitzende? Wer steht dem Vorstand vor und wie viele Mitglieder hat dieser? Wie staffelt man die Amtszeiten? Gibt es einen Aufsichtsrat? Sollen wir einen Imam anstellen? Das sind einige der Fragen, auf die sich unsere Gemeinden konzentrieren. Während sie wichtig sein mögen, übersehen sie eine viel bedeutendere. Hilft die Struktur der Vision und Mission der Moschee oder schadet sie ihr?

Viele Gemeinschaften wurden mit bestimmten Zielen etabliert. Die physische Struktur wurde als ein Ort geschaffen, um eine Gemeinschaft durch das Freitagsgebet, außerschulischen Unterricht und andere Aktivitäten aufzubauen. Diese Vision wird sogar durch den materiellen Aufbau von speziell für ihren Zweck errichteten Islamischen ­Zentren ausgedrückt.

Die Verbindung dieser wichtigen Aktivitäten und die physische Nähe waren die Zutaten vieler Gemeinschaftsgebäude. Durch sie ­entwickelten die Menschen Zuneigung für ihre „lokale Moschee“. Diese wurde zur Plattform, durch welche alle Gemeinschaftsereignisse stattfanden und Bindungen geschaffen wurden.

Im Zuge dieser Entwicklung wurden Verwaltungsstrukturen eingeführt. Es wurden Satzungen geschrieben, dass keine auswärtigen Parteien die Gemeinden übernehmen oder ihren lokalen Charakter aufheben können. Stattdessen hat das iPhone diese Wirkung übernommen. Es erweist sich als wichtiger Dominostein in einer Reihe von Ereignissen, welche das Zeitalter der sozialen Netzwerke hervorbrachte, wie wir es heute kennen und in dem wir alle leben. Damit verbunden sind all seine positiven und negativen Folgen. Im Laufe der letzten paar Jahre sahen wir die ­dramatische Veränderung bestimmter Dinge. Um es genauer zu sagen, so haben sich unsere Erwartungen dessen geändert, was eine Moschee der Gemeinschaft bieten sollte.

Damit geht einher, dass unsere religiösen Erfahrungen nicht länger nur mit einer ­physischen Gemeinschaft verbunden sind. Vermeintlich können wir uns mit irgendeiner Gruppe auf der Welt verbinden. Dient die lokale Moschee nicht mehr unseren Bedürfnissen, finden wir funktionierende Alter­nativen im Netz.

Auf einer tieferen Ebene ermächtigte die Technologie die Leute dazu, aktive Teil­nehmer zu sein – damit ihre Stimme gehört wird. Kam es früher zu Spannungen in der lokalen Gemeinde, musste man sie überstehen und kämpfen. Das ist die Haltung, die sich bei den älteren Mitgliedern beobachten lässt. Sie idealisieren die Idee, es auszukämpfen und weiterzukämpfen, egal was passiert. Für sie war das sinnvoll, denn sie hatten keine andere Option.

Heute jedoch haben wir Wahlmöglichkeiten – und neue Erwartungen. Wir haben die ­Freiheit, an Online-Gemeinschaften teilzunehmen, während Leute von ihrer lokalen Gemeinschaft ausgegrenzt werden. Man hat die Möglichkeit, sich im digitalen Austausch mit anderen zu bilden, aktiv zu sein und bei anderen Projekten mitzumachen. Da fragt man sich: Warum gelingt mir das nicht in meiner Moschee vor Ort?

Am Schnittpunkt dieser Aspekte können wir Generationenunterschiede erkennen. Die „unwichtigen Onkel“ gegen die „unerfahrene Jugend“. Die Moschee ist ein ideales und ­einzigartiges Forum für die altersübergreifende Interaktion, die leider für diesen Konflikt ­verschwendet wird. Und wenn es zu Streitigkeiten kommt, ziehen sich die Leute zurück und reagieren defensiv. Für die Jugend kann das bedeuten, dass sie die lokale Gemeinschaft verlässt und sich anderen anschließt (ob ­on- oder offline), wo sie sich eine freie Teilnahme und einen bedeutsamen Beitrag verspricht. Für die Älteren kann es heißen, dass sie ­deshalb defensiv reagiert, um die von ihnen gegründete Einrichtung zu bewahren.

Dieser Zustand der Bewahrung kann das Ende einläuten. Die reine Konservierung ist nicht der Zweck einer Moschee oder des ­Aufbaus einer Gemeinschaft. Er verhindert, dass sich die Organisation anpasst und auf die Veränderungen in der Gesellschaft ­reagiert (und sie wandelt sich schneller als je zuvor).

Die Selbstverpflichtung zu einer lokalen Gemeinschaft wurde teilweise durch die zu einer Sache abgelöst. Diese Prämisse schafft eine Reihe neuer Fragen, auf welche sich die Moschee fokussieren muss. Wie kann die Moschee eine Gemeinschaft hervorbringen, in der verschiedene Standpunkte ohne Angst vor Negativität ausgedrückt werden können? Welche Arbeit unternimmt die Moschee, um die Gesellschaft, die Gemeinschaft und das Leben der einzelnen Mitglieder zu verbessern? Wie gleicht sie ihre Bedürfnisse aus, während sie weiterhin mit lokalen oder nationalen Anliegen verbunden bleibt? Wie können einzelne Mitglieder sinnvoll dazu ermächtigt werden, ernsthafte Beiträge zu leisten?

Wenn der Fokus auf dem Erreichen dieser Ziele liegt, kann die Struktur korrigiert werden. Welche Art von physischem Raum sollte entworfen werden, um diese Ergebnisse zu zeitigen? Was ist die beste Verwaltungsstruktur, um das hervorzubringen? Diese Dinge müssen sich ändern. Wenn sich Freiwillige anbieten, aber in einem Rahmen des Bewahrungsprinzips feststecken, bekommen sie das Gefühl, keine Stimme zu haben. Manche Ältere, auch wenn sie sagen, Wandel und Beteiligung seien willkommen, senden Signale, dass sie die Dinge wie bisher fortsetzen wollen. Wichtige Änderungen werden schnell benötigt. In diesem Stadium die „Dinge, wie sie sind“ zu erhalten, macht die lokale Moschee noch irrelevanter.

John Maxwells Gesetz des Deckels besagt, dass eine Organisation nie die Kapazität ihrer Führung überholen wird. Hat sie eine Führungspersönlichkeit mit geringer Kapazität, wird man in einer Organisation mit geringer Kapazität steckenbleiben (talentierte Mitglieder werden schließlich gehen). Gibt es Führungskräfte mit großen Fähigkeiten, hat man eine Organisation mit hoher Kapazität (die geeignete Akteure anziehen kann). „Die Fähigkeit einer Führung ist immer der Deckel auf der personellen und organisa­torischen Effektivität“, schreibt Maxwell. Je fähiger die Leitung, desto höher sind die Möglichkeiten einer Organisation. „Aber wenn nicht, dann ist die Organisation begrenzt.“

Es ist üblich, dass Gemeinden eine Gründungsphase mit dem Aufbau von Infrastruktur und Institutionen durchlaufen. Sobald sie gebaut sind, kämpfen viele darum, neue Gemeindeglieder zu gewinnen. Maxwell sagt, „ein stagnierender Kirchenführer hemmt das Wachstum der Kirche“. Außerdem würden sich die Erwartungen während bestimmter Stadien im Lebenszyklus einer Organisation verändern.

Die Führungsherausforderung für die Moschee ist, herauszufinden, wie man eine Vision für die Zukunft artikuliert und gleichzeitig neue Mitglieder der Gemeinde mit ­dieser Vision vertraut macht. Auf der Grundebene beginnt das mit dem offenen Gespräch. Es braucht einen Austausch, um zu verstehen, was die Leute von der Institution der Moschee wünschen. Und doch wird sich der höchste Zweck, die Bereitsstellung eines Raums zum Gebet, niemals wandeln. Wenn Gelder für den Gemeinschaftsaufbau verwendet werden, ergeben sich jedoch andere Erwartungen. Wie gestaltet sich der Aufbau einer Gemeinschaft? Was in der Vergangenheit funktionierte, muss nicht notwendigerweise in die Zukunft passen.

Ohne offenes Gespräch und eine solche Verbindung werden Strukturen zunehmend isoliert und verlieren ihre Lebenskraft. Die Überwindung der Kluft zwischen den Generationen bedeutet, dass die Herangehensweise geändert wird. Letztendlich läuft alles auf Anpassungsfähigkeit hinaus. Wenn die Dinge lange Zeit auf eine bestimmte Art und Weise erledigt wurden oder die gleiche Gruppe in der Führung war, entwickelt sich eine bestimmte Kultur. Das Aufrechterhalten des Status quo hat oft Vorrang vor Neuankömmlingen. Es wird so für die Leute schwieriger, sich zu engagieren und so Beziehungen zu Gemeindemitgliedern aufzubauen.

Führung wird immer ihren Willen zum Wachstum bekunden. Aber Handlungen ­deuten an, dass sie die Dinge so beibehalten will, wie sie sind. Dies ist natürlich, da manchmal ein Verlust von Intimität in Gemeinschaftsbeziehungen entsteht. Menschen werden nostalgisch ob der „guten, alten Zeiten“; beispielsweise als es eine kleine Gruppe von Familien gab, die in einer Wohnung betete. Das ist natürlich. Um eine Organisation am Leben zu halten, bedarf es eines Umdenkens, um Verantwortung für die Zukunft über­nehmen zu können.

Wachstum erfordert die Anerkennung einer neuen Phase im gemeinschaftlichen Leben. Die Vision einer Moschee muss sich von einer kleinen Gruppe von Leitern zu einer größeren Gruppe der Mitglieder entwickeln. Das bindet neue Leute ein, erhöht die Vielfalt und treibt neue Talente in die Organisation. Diese Erhöhung von Führungskapazitäten wiederum bewirkt, dass die Einrichtung ihre Ziele erreichen kann. In einigen Fällen bedeutet Veränderung, dass eine Führung möglicherweise akzeptieren muss, dass sie geholfen hat, die Moschee gut zu machen, aber jemand anderes nun gebraucht wird, um sie großartig zu machen.

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