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Was hat Integration mit dem Islam zu tun? Ein Kommentar von Yasin Alder

"Die kulturelle Brille ablegen"

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(iz). Wenn wie in der jüngsten Integrationsstudie die aus der Türkei stammenden Zuwanderer wieder einmal als am schlechtesten integriert dastehen, liegt bei vielen Kommentatoren latent die Vermutung nahe, dass das irgendwie auch am Islam liegen müsse. Tatsächlich ist dem aber entschieden zu widersprechen. Es ist nicht der Islam, der die Menschen davon abhält, auf diese Gesellschaft zuzugehen und sich sogar kulturell zu integrieren und Dinge anzunehmen, sofern diese nicht dem Islam widersprechen. Banal gesagt, wer von Muslimen erwartet, dass sie erst Alkohol trinken müssen und es mit ihrer Religion nicht mehr so genau nehmen dürfen, um hierzulande akzeptiert zu werden, der hat wohl selbst eine Vorstellung von Integration, die eher eine von totaler Assimilation ist. In den USA etwa, die übrigens gegenüber Muslimen toleranter wirkt als man bei uns zu sein scheint, sind die Muslime sprachlich und gesellschaftlich überwiegend gut integriert, was sicher auch damit zusammenhängt, dass sie von jeher einen höheren Bildungsstand hatten.//1r//

Lässt man die – sowohl von Seite der Migranten als auch der Mehrheitsgesellschaft immer wieder gezogene – Gleichung „Muslime = Türken“ einmal beiseite und betrachtet den Islam endlich einmal unabhängig von einer bestimmten ethnischen Herkunft oder Nationalität, so sieht man nicht nur eine zunehmende Zahl von Deutschen die – trotz allem Negativ-Image des Islam – diesen Glauben und Lebensweise annehmen, sondern auch viele engagierte junge Muslime mit Migrationshintergrund, die mit beiden Beinen in dieser Gesellschaft und im Islam stehen, die deutsche Sprache sehr gut beherrschen und zunehmend gut gebildet sind. Gerade an diesen beiden Gruppen kann man erkennen, dass es nicht der Islam ist, der Menschen davon abhält, die deutsche Sprache zu erlernen und den Kontakt zur Gesellschaft zu meiden – ganz im Gegenteil sogar. An diesem insgesamt positiven Bild ändern auch die negativen Beispiele von jungen Muslimen, die leider in den Extremismus abgeglitten sind, nichts, so schlimm diese auch sind. Abgesehen von diesen, sind es eher diejenigen Jugendlichen, die eben nicht den Islam praktizieren, die problematisch sind, sei es hinsichtlich Desinteresse an Bildung oder auch Anfälligkeit für Kriminalität.

Es ist höchste Zeit, dass sich unter den hier lebenden Muslimen mit Migrationshintergrund die Erkenntnis noch stärker durchsetzt, dass Islam und ihre Herkunftsnationalität zwei verschiedene Dinge sind. Der Islam ist universal und keine orientalische Kultur. Wenn sich dieses Bewusstsein auf beiden Seiten, der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft wie der Muslime mit Migrationshintergrund, endlich durchsetzt, dürfte besser erkennbar sein, dass der Islam ein Angebot an jeden Einzelnen in diesem Land ist, mit vielen positiven Elementen, von denen die Gesellschaft profitieren kann – sei es mehr Gerechtigkeit im Wirtschafts- und Finanzsystem, mehr gesellschaftliche Solidarität und gegenseitige Hilfe, mehr Familienzusammenhalt und Kinderfreundlichkeit oder einfach mehr Herz, Positivität und ethische Werte im täglichen Leben.

Wir müssen das kulturelle Schubladendenken überwinden, um zum Kern des Islam und seiner Bedeutung vorzudringen.

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