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Mehr als nur ein Monat des Fastens

Der Geist des Ramadan

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Foto: The Eye in Islam

(iz). Der gesegnete Monat Ramadan ist eine Gelegenheit der Belohnung, die uns von Allah, dem Allmächtigen, gewährt worden ist. In diesem Monat erinnern wir uns an den Rang der Gnaden, die Allah uns erwiesen hat, die wir normalerweise als selbstverständlich erachten und für die wir nie ausreichend Dank sagen.

Das Ziel des Fastens ist die Erlangung von Taqwa, aber auch die Beschränkung des egoistischen Selbst (Nafs), seine Disziplinierung und Kontrolle. Das Fasten muss, wenn wir wirklich von seinem Segen profitieren wollen, in einer Handlung der Anbetung geleistet werden. Durch das Fasten erlangen wir die lobenswerten Eigenschaften der Geduld, einen starken Willen und die Entfernung von den niedrigen Gelüsten unserer Nafs. Wie ein Schild beschützt es die Ehre der Muminin [diejenigen, die auf Allah vertrauen], indem es sie von der endlosen Beschäftigung mit Essen und Trinken befreit.

Eine der weiteren nutzbringenden Eigenschaften des Ramadans ist es, dass er uns Mut verleiht, da wir durch den Verzicht auf Essen, Trinken und andere alltägliche Gewohnheiten mit unserer Angst vor dem eigenen Tod konfrontiert werden. Es lehrt uns, dankbar und glücklich mit den Geschenken Allahs umzugehen.

Gleichzeitig erinnert es uns an die Gleichheit aller Anbetenden, da sowohl das Fasten als auch das Gebet uns alle vor Allah gleich macht. Niemand ist von dieser Pflicht der Anbetung ausgeschlossen, es sei denn, er hat eine gültige Entschuldigung.

Aus diesem Grund wurde das Fasten nicht nur den Muslimen befohlen, sondern auch jenen Völkern, die vor uns kamen: „Oh, die ihr Iman [Vertrauen in Allah] habt! Das Fasten ist euch vorgeschrieben, so wie es denen vorgeschrieben war, die vor euch waren, damit ihr Taqwa [Furcht und Respekt vor Allah in jedem Augenblick, der das gesamte Verhalten beeinflusst] habt.“ (Al-Baqara, 183)

Alle Muslime sind verpflichtet, im gleichen Monat des Jahres, dem Ramadan, zu fasten. Dies stärkt den Bund der Einheit unter den Muslimen, genauso wie es das Fasten einfacher gestaltet. Dieser Sinn von Einheit gibt unserem spirituellen Leben zusätzlichen Reichtum und Lebendigkeit. Allah, der Allmächtige, erwähnt selber den Nutzen des Fastens und seine Bedingungen: „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder auf einer Reise ist, soll eine Anzahl anderer Tage (fasten) – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein.“ (Al-Baqara, 185)

Dieser Vers zeigt uns, dass es das Ziel des Fastens ist, Allah zu verherrlichen und Ihm zu danken. In diesem Sinne hat das Fasten einen positiven Einfluss auf den Rest der anderen Arten der ­Anbetung. Schakik Al-Balkhi sagte: „Anbetung, wie sie Allah zukommt, ist eine schwierige Kunst. Jedoch kann sie erreicht werden durch Einsamkeit und ­Fasten.“

Hunger ist eine starke Medizin, mit dessen Hilfe das niedere Selbst gezügelt werden kann. Es wird erzählt, dass, als die Nafs erschaffen wurde, sie stolz war: Sie wagte, zu ihrem Herrn zu sagen: „Du bist Du und Ich bin Ich.“ Als Allah sie jedoch mit Hunger strafte, verstand sie ihren Fehler und bekundete ihre Schwäche und Nichtswürdigkeit im Angesicht ihres Schöpfers. Daher gibt es für die Gesundheit der Nafs keine bessere Heilung als den Hunger. Dschalaluddin Rumi sagte: „Die wirkliche Nahrung des Menschen ist das Licht von Allah. Die exzessive Aufnahme von materieller Nahrung ist nicht gut für ihn. Die wirkliche Nahrung des Menschen ist göttliche Liebe und Verstand.“ Der weise Luqman wies seinen Sohn an: „Wenn dein Magen voll ist, schläft dein Verstand im Hinblick auf Weisheit, und deine Glieder sind zu faul für die Anbetung.“ Die Mutter der Gläubigen, ‘Aischa, sagte: „Versucht, die Türen des Malakut [der spirituellen Welt] zu öffnen.“ Als sie gefragt wurde, wie man dies tun solle, antwortete sie: „Durch Hunger und Durst.“ Aus diesem Grund sind die Muslime auch außerhalb des Ramadan angehalten, ihren Magen niemals zu füllen, bis sie satt sind.

Auch die früheren Propheten fasteten. So fastete der Prophet Musa (Moses) 40 Tage und Nächte, als er auf dem Berg Sinai auf die Offenbarung Allahs wartete. Nach dieser Fastenperiode wurde ihm die Thora gegeben. Gleichermaßen fastete Sajjiduna ‘Isa [Jesus] die gleiche Anzahl an Tagen, bevor er das Indschil [das Evangelium] erhalten hat.

Und auch unser Prophet, Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, verbrachte einen Monat in der Höhle von Hira bei Mekka, betete Allah an und reflektierte über Seine Größe. Nach dieser vorbereitenden Zeit erhielt er die göttliche Botschaft durch den Erzengel Dschibril [Gabriel], und sein Herz war erfüllt vom Licht des göttlichen Segens.

All das Erwähnte zeigt, dass der wirkliche Nutzen des Fastens eher spiritueller Natur ist als körperlicher. Daher müssen wir uns beim Fasten nur auf Allah konzentrieren. Wenn wir uns auf materielle Dinge beschränken wie das Sparen der Ausgaben für Lebensmittel oder das Abnehmen, verpassen wir den wirklichen Nutzen. Alle Handlungen der Anbetung sollten nur wegen eines Ziels durchgeführt werden: der Erlangung von Allahs Wohlgefallen. Um dieses zu tun, müssen wir das Herz trainieren und ausbilden und es von seinen niedrigen Gedanken reinigen.

Um wirklich vom gesegneten Ramadan zu profitieren, sollte man sich an die einfachen Ratschläge des Propheten halten: Die häufige Wiederholung der Schahada (die muslimische Einheitsbezeugung), Allah um Vergebung bitten und seine Namen anrufen, gute Taten (‘Amal As-Saliha) vollziehen, um das Paradies zu erlangen; uns von jenen Dingen fernhalten, die verboten (haram) sind, um uns vor dem Feuer der Hölle zu schützen; das großzügige Geben von Sadaqa (freiwillige Wohltätigkeit), denn sie macht die gebrochenen Herzen wieder fröhlich; und den Muminun Essen zum Fastenbrechen anbieten.

Der Prophet sagte, dass das Fasten ein Schutz sei, solange die fastende Person es nicht gefährdet. Befragt, was diese Gefährdung sei, antwortete der Gesandte Allahs: „Durch Lüge und üble Nachrede.“ (An-Nasai)

In einer ähnlichen Überlieferung des Propheten heißt es: „Wer seine üble Rede und seine falschen Taten nicht aufgibt, Allah ist nicht darauf angewiesen, dass er sein Essen und sein Trinken aufgibt (das heißt, Allah wird sein Fasten nicht annehmen).“ (Bukhari)

Auch sollte nicht vergessen werden, dass der Edle Qur’an im Ramadan offenbart wurde, und wir müssen besondere Sorge tragen, dass die Anweisungen im Qur’an in unserem Leben umgesetzt werden. Die wirkliche Rezitation des Qur’an muss das Herz erreichen. Die äußeren Augen fungieren dabei als die Augen des Herzens. Es gibt eine enge Verbindung zwischen dem Ramadan und dem Qur’an. Ramadan ist die Zeit, der Stimme des Qur’an zuzuhören; jener Stimme, die uns an unsere wirkliche Bestimmung erinnert, die wir nach unserem Tod erreichen werden. Der Prophet sagte: „Das Fasten und der Qur’an werden am Tag des Gerichts Fürsprache einlegen.“ (Ahmad ibn Hanbal)

Die Belohnung für das Fasten wird im Jenseits am Tag des Jüngsten Gerichts bestimmt. In einem Hadith Qudsi [einer außer-qur’anischen Offenbarung], der von Abu Huraira überliefert wurde, heißt es: Allahs Gesandter sagte: „Allah sagte: ‘Alle Taten von dem Sohn Adams sind für ihn, nur das Fasten ist für Mich, und Ich werde die Belohnung dafür geben.’ Fasten ist ein Schild oder ein Schutz vor dem Feuer und vor der Begehung von falschen Taten. Wenn jemand fastet, sollte er die sexuelle Beziehung und den Streit mit seiner Frau meiden, und wenn ihn jemanden bekämpfen oder mit ihm streiten sollte, dann sollte er sagen: ‘Ich faste.’ Bei Ihm, in dessen Händen meine Seele ist. Der unangenehme Geruch, der aus dem Mund eines Fastenden kommt, ist bei Allah besser als der Duft von Moschus. Es gibt zwei Freuden für die fastende Person. Eine, wenn sie ihr Fasten bricht und eine andere, wenn sie ihrem Herrn begegnet. Dann wird sie wegen ihres Fastens erfreut sein.“ (Bukhari)

Zusätzlich zum dem Fasten gehörte das gemeinschaftliche Tarawwih-Gebet nach dem Nachtgebet zu den Gewohnheiten des Propheten. In der ganzen Welt wird in den Moscheen der ganze Qur’an in diesen Gebeten rezitiert. Jedoch sollten sie mit Hingabe, langsam und nicht hastig vollzogen werden.

Ebenso, was gelegentlich vergessen wird, hat die kleine Mahlzeit vor dem Beginn des Fastens am Morgen, das Suhur, eine besondere Bedeutung. Von dem Gefährten Anas ibn Malik wissen wir, dass der Gesandte Allahs die Leute anwies: „Nehmt Suhur zu euch, da darin Segen enthalten ist.“ (Bukhari)

In einer weiteren Überlieferung heißt es: „Die Leute werden auf dem rechten Weg bleiben, solange sie sich beeilen, das Fasten zu brechen.“ (Bukhari)

Um die Wirklichkeit des gesegneten Monats Ramadan zu realisieren, muss man sein Herz für den Regen der Vergebung und des göttlichen Segens öffnen. Die Felsen und die Meere ziehen keinen Nutzen aus diesem Regen, nur nutzbare Flächen profitieren davon. Mit anderen Worten, durch das Bewusstsein von Allahs Anwesenheit und die Dankbarkeit Ihm gegenüber wegen seiner Gunst an uns, sollten wir von diesem Monat profitieren. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Wenn der Monat Ramadan beginnt, werden die Tore der Himmel geöffnet, die Tore der Hölle sind geschlossen und die Teufel in Ketten gelegt.“ (Bukhari)

Dies bedeutet, dass die Fastenden im wahren Sinne des Fastens keine falschen Taten begehen. Laut einer Statistik aus den muslimischen Ländern fallen die Kriminalitätsraten im Ramadan auf das niedrigste Niveau. Das Übel von Schaitan wird begrenzt, das Böse unseres Selbst jedoch hält an, daher sollten die Muslime auf der Hut sein vor ihren niedrigen Leidenschaften.

Der Gesandte Allahs, Friede und Segen auf ihm, unterrichtete uns darüber, dass sich im Ramadan das Paradies mit allen möglichen Schönheiten schmückt und Allah anfleht: „Oh, mein Herr, lass die Leute bei mir eintreten.“ (Tabarani)

Eine andere Bezeichnung für den Ramadan ist „Monat der Geduld und der Nachsicht“. Einige Kommentatoren des Qur’an erklären das arabische Wort für Fasten, Saum, mit dem Wort Sabr, welches Geduld bedeutet, und legen damit eine Gleichbedeutung beider Worte nahe. In diesem Hinblick ist Saum der Widerstand gegen die niedrigen Gelüste sowie Geduld im Zustand der Bedrängnis.

Das wichtigste Element der Geduld ist, dass ein Muslim schon beim ersten Streich der Bedrängnis Geduld zeigen sollte. Wenn der Schmerz der Katastrophe bereits nachlässt, wird sie nicht in einer derartigen Weise belohnt. Der göttliche Name „As-Sabur“ wird am schönsten durch die Propheten und Freunde Allahs reflektiert. Als wichtiger Teil des uns gegebenen Erbes ist die Geduld eine wichtige Eigenschaft – in Zeiten der Schwierigkeit wie auch in Zeiten des Glücks, in Zeiten der Armut wie in Zeiten des Wohlstands.

Die Zeit des Fastenbrechens ist eine, in der Allah die Gebete annimmt und das Bitten erhört; es ist die Zeit der Intimität mit Allah. Diese Zeit mit anderen zu verbringen und ihren Segen zu teilen, ist wichtig, da dies die Quelle der Gnade und der spirituellen Zufriedenheit ist. Daher wies uns der Gesandte Allahs an, beim Iftar unser Essen mit anderen Muslimen zu teilen. „Wer einer fastenden Person Nahrung gibt, wird genauso belohnt wie diese, und die Belohnung der fastenden Person wird nicht verringert.“ (Tirmidhi)

Als die armen Gefährten dies hörten, kamen sie zum Propheten und sagten, dass sie nicht über die gleichen Mittel verfügten wie seine wohlhabenden Gefährten. Darauf entgegnete er ihnen, dass wenn sie nur eine Dattel oder ein Glas Milch anbieten, um das Fasten zu brechen, sie die gleiche Belohnung erhielten wie die Reichen unter ihnen, die ein ganzes Essen anbieten konnten. Durch die Gnade Allahs folgen wir dem Ratschlag des Propheten und schätzen die große Chance, die der gesegnete Ramadan uns eröffnet. Der Prophet sagte: „Wenn die Leute nur die Natur und den Segen des Ramadan kennen würden, wünschten sie, er würde das ganze Jahr andauern.“ (Ibn Huzaima)

Der Monat Ramadan ist wie der Frühling, in dem die Bäume blühen und das Grün sprießt. Gleichermaßen finden die trockenen Bäume des Iman im Ramadan Leben durch das Wasser der guten Handlungen. Jedoch sind diejenigen, die den großen Wert des Ramadan nicht kennen, in der Gefahr des Verlustes, wie es in einer Überlieferung heißt.

‘Umar ibn ‘Abdu’l-’Aziz, der wegen seiner Gerechtigkeit und Gottesfurcht dadurch geehrt wird, dass er als einer der Rechtgeleiteten Kalifen des Islam gilt, merkte an: „Die gemeinschaftlichen Gebete bringen euch auf halbem Wege zu Allah. Das Fasten öffnet die Tore zum Palast des Königs und Sadaqa bringt euch in die Anwesenheit des Königs.“

Wir sind Reisende auf dem spirituellen Weg zur Erlangung der Wahrheit. Eines Tages werden wir die Mittel, die wir heute haben, hinter uns lassen, oder sie werden von uns genommen. Scheitern wir beim Gebrauch dieser Gelegenheiten, werden wir am Ende die verlorenen Tage bedauern. Die Tage des Ramadans sind Tage der Vergebung und Freiheit vor der Hölle, und daher vergießen die Muminin Tränen, wenn diese Zeit vergeht. Jedoch belohnt uns Allah durch den Feiertag des ‘Id Al-Fitr für unsere Geduld und unser Fasten.

Möge Allah, der Allmächtige, unser Leben zu einem ganzen Ramadan machen und unseren Morgen im Jenseits zu einem Festtag.

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