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Was ist die große Transaktion?

Viele Muslime haben die Regeln der Ökonomie ignoriert. Dabei ist der Handel eine Metapher im Qur’an. Von Dr. Asadullah Yate

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(iz). Wir leben in einem Zeitalter, in dem das Edle Recht des Islam auf einen ­Schatten seiner selbst reduziert wurde. Was bleibt, sind Kapitel über rituelle ­Reinigung, Gebet (As-Salat), ­Fasten (As-Saum) und die verpflichtende ­Pilgerfahrt. Alle Anweisungen im Qur’an und des Propheten, möge Allah ihn ­segnen und ihm Frieden geben, ­bezüglich der alltäglichen Transaktionen auf dem Markt, Verträge, Zahlungsmittel und Handel im Allgemeinen werden nicht länger unterrichtet, noch überhaupt verstanden.

Und so bleiben wir mit einer ­Religion zurück, die dem ähnlich ist, was wir bei den anderen beobachten können: Die Existenz wird aufgespalten in die normale, alltägliche und jene anderen, „spirituellen“ Zeiten, wenn sich die ­Gesell­schaft für einen Augenblick an ihr Schicksal erinnert. Grob gefasst ­bedeutet dies für die Muslime: Die Leute halten an der Salat fest – insbesondere dem wöchentlichen Freitagsgebet –, dem Fasten und den beiden Feiertagen, aber sie ­haben sich des Dins im Rest ihres ­Lebens beraubt. In den so genannten ­muslimischen Ländern ist das Gesetz des ­wirklichen Lebens britisch, französisch, italienisch, niederländisch oder amerikanisch – abhängig vom kolonialen Einfluss des jeweils in Frage stehenden Landes.

Die Wirklichkeit des Dins des Islam ist, dass er alle Aspekte des Lebens umfasst: Dies bedeutet, dass Handel ebenfalls seine Parameter und Gesetze hat, die unsere eigenen sind. Die eigentliche Bedeutung des Wortes „Din“ verweist auf den Vertrag, den der Sklave [Allahs] mit seinem Herren hat: Es ist artverwandt mit dem Wort „Dain“, Schuld.

Allah, der Erhabene, hat versprochen, dass – sollte unser Handel mit Ihm ­er­folgreich sein – wir in den Garten ­ein­treten sollen. Wird er als Verlust ­ver­bucht, dann werden wir ins Feuer geworfen. Das wird als „der große Vertrag“ oder „die große Transaktion“ ­bezeichnet. Die ist die Grundlage für das Prinzip eines jeden Handels.

Im Qur’an und in den Aussagen des Gesandten Allahs, möge Allah ihn ­segnen und ihm Frieden geben, finden sich ­viele Bezüge auf Handel. Allah, der ­Erhabene sagt in der Sura As-Saff (die Reihen): „Oh, die ihr glaubt, soll ich euch auf ­einen Handel hinweisen, der euch vor schmerzhafter Strafe rettet? Ihr sollt an Allah und Seinen Gesandten glauben und euch auf Allahs Weg mit eurem Besitz und mit eurer eigenen Person abmühen; das ist besser für euch, wenn ihr nur wüsstet.“ (Ajat 10-11)

In der Sura At-Tauba fragt Allah: „Und wer hält seinen Vertrag treuer ein als ­Allah? So freut euch eures Handels, den ihr mit Ihm abgeschlossen habt; denn dies ist die große Glückseligkeit.“

Der Din wurde für ein Volk manifestiert, dass im Wesentlichen vom Handel lebte. Der eigentliche Name des führenden Stammes, der Quraisch, verweist auf die „Aneignung durch Handel“ – Taqarrascha. Und wie uns immer gesagt wird, was wir aber trotzdem zu vergessen scheinen, war der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, für eine gewisse Zeit ein ­Händler. Das gleiche gilt für die Mutter der ­Gläu­bigen, Khadidscha, möge Allah mit ihr zufrieden sein.

Mekka und Media blühten dank der abwechselnden Ströme des Karawanenhandels zwischen Syrien (Asch-Scham) und dem Jemen. Finanzielle Unter­stützung für die Festigung des Dins in den frühen Jahren kam von den reichen Mitgliedern der Quraisch, die ihr ­Ver­mögen durch Handel machten. Neun Zehntel des Wohlstands, wie uns der Prophet gesagt hat, leiten sich aus dem Handel ab.

Die Spiritualität unserer Zeit besteht nicht darin, mehr und mehr Moscheen zu bauen – die üblicherweise tagsüber leer sind –, sondern zu erkennen, dass sich das Licht von Muhammad in ­diesem Zeitalter in der Schaffung von ­Märkten, dem islamischen Verständnis von Geld und der Wiederbelebung von ­Verträgen des Vertrauens zeigt, die die ­Grundlage für den Handel sind.

Wir müssen uns daran erinnern, dass, wenn wir über Handel reden, derselbe – wie er im Islam verstanden wurde – nicht mehr existiert. Zur Zeit des ­Gesandten Allahs, möge Allah ihn ­segnen und ihm Frieden geben, reisten die ­Karawanen zwischen Mekka und Syrien sowie zwischen Mekka und dem Jemen – ungehindert durch die modernen ­Hindernisse für den Handel.

Was ist Handel? Er ist im Wesentlichen das Kaufen eines Artikels zu einem Preis an einem Ort, sein Transport und dann der Verkauf zu einem höheren Preis an einem anderen.

Und so wird Handel heute verstanden: das Beschaffen von Bankkrediten, Kreditbriefen, Einfuhrlizenzen, Zahlungen von bis zu 20 Prozent an die Steuer­be­hörden (Mehrwertsteuer), Bezahlung von Marktgebühren, Gehälter für Sek­retäre, um mit dem Papierkram fertig zu ­wer­den, Büromieten etc. All das fällt an, bevor wir überhaupt über die Aufschläge reden können, die der Händler erheben muss, um Gewinn zu machen. Die den Handel „umgebenden“ Kosten sind riesig. Aus diesem Grunde ­verschwinden die Händler. Und große Firmen, die in der Lage sind, den bürokratischen Aufwand zu bewältigen und so große Mengen zu importieren, ­damit sich die Einfuhr lohnt, blühen auf.

Um zu verstehen, was der Gesandte Allahs lehrte, müssen wir verstehen, dass Handel im islamischen Recht nicht das ist, was heute unter dem gleichen ­Namen bekannt ist. Handel in seiner ersten ­Be­deutung ist um Menschen herum ­zen­triert, die Verträge untereinander ­ab­schließen – persönlich. Heute besteht er im Wesentlichen in der Bezahlung von sekundären Kosten und der Bürokratie.

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