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Was können wir für neue Muslime tun?

Kifah Mustafa über Aufgaben der Moschee

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Foto: Khalil Mitchell for Visual Aurum

(ICNA). Wenn Menschen ihren Islam bezeugen, findet das oft im Rahmen einer Moschee statt. Nicht jede Gemeinschaft ist in solch einem Fall vorbereitet oder gewillt, die neuen zu betreuen.

Ich glaube, dass dieses Thema mit unserem Verständnis davon beginnen muss, was eine Moschee ist. Wir wissen von einer Überlieferung des Propheten Muhammad, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, dass Moscheen die beliebtesten Orte bei Allah sind. Wer von Allah die Sorge um eine erhält – ob Imame, Vorstände oder Vorsitzende –, der erhält ein anvertrautes Gut (arab. amana) von seinem Herrn. Sie müssen sie auf solch eine Weise erhalten, dass sie für ­jeden zugänglich ist.

Über diese Orte sagt Allah beispielsweise in Seinem Edlen Qur’an: „(…) in Häusern, für die Allah erlaubt hat, dass sie errichtet werden und dass darin Sein Name genannt wird. Ihn preisen darin am Morgen und am Abend Männer, die weder von Handel noch vom Kaufgeschäft abgelenkt werden Allahs zu gedenken, das Gebet zu verrichten und die Zakat zu entrichten. Sie fürchten einen Tag, an dem Herzen und Augenlicht verdreht werden (…).“ (An-Nur, 36-7) Menschen, die zur Moschee kommen, arbeiten an der wertvollsten Beziehung: nämlich der zu Allah.

Das gilt besonders für neue Muslime – ab dem Moment, an dem sie ihren Islam bezeugen. Ich bin in einer muslimischen Familie aufgewachsen. Und ich werde mir nie vorstellen können, wie es sich anfühlt, zum ersten Mal das doppelte Glaubensbekenntnis (arab. schahada) vor anderen – entweder im kleinen Kreis oder vor der Gemeinschaft – zu sprechen. Bei uns bezeugen durchschnittlich 20-30 Menschen pro Jahr ihren Islam.

Menschen haben geweint, andere waren sehr emotional. Ich habe Leute gesehen, die mit starker Stimme sprachen, manche waren erschüttert. Hier zeigten sich alle Arten von Emotionen, die wir uns vorstellen können. Daher glaube ich, dass es eine besondere Bindung für jeden Konvertiten mit der Moschee gibt, in der sie oder er die Schahada sprachen. Für sie ist es nicht nur ein Ort, an dem Allah angebetet und gepriesen wird. Hier hat alles angefangen und hier wurden sie zu dem, was sie sein wollten.

Die Moschee ist eine Amana der Leute, die sich um sie kümmern und sie so einladend wie möglich machen. Und nur dann erledigen wir unsere Aufgaben ordentlich, wenn wir – wie der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte – die Dinge tun, die Allah liebt und wenn wir sie so perfekt wie möglich ausführen.

Allah befiehlt uns gerecht zu sein und zu Menschen zu werden, die Perfektion anstreben, auch wenn diese nicht erreicht werden kann. Wir müssen also über das hinausgehen, von dem wir ausgehen, dass es ausreichend ist. In diesem Kontext reden wir über einen Raum, der, nachdem unsere Geschwister dort ihre Schahada sprachen, ein Ort sein muss, an dem sie ihre Gebete und ihre Din erlernen.

Das Gebet (arab. as-salat) ist die zweite Säule des Islam nach dem Glaubensbekenntnis. Es behandelt die Beziehung zwischen dem Diener und Allah. Das ist der spirituelle Moment, an dem man sich beteiligen möchte. Ich denke, die neuen Muslime haben diese Herzensgegenwart und Demut, um die wir uns jahrelang bemühen müssen. Sie möchten ihr Bestes geben, so dass sie ihre Erfahrung verstetigen und perfektionieren können.

Eine Moschee ist der ideale Ort dafür. Hier können die neuen Muslime erfahren, wie es möglich ist, spirituell zu wachsen. Dies ist der Punkt, an dem wir uns darüber Gedanken machen sollten, was wir für sie tun können. Vorrangig die Imame sollten, um ein Beispiel zu nennen, in der Lage sein, sinnig und verständig auf jene zu wirken, die von Freunden, von Familienmitgliedern, Studenten etc. in die Moschee gebracht werden. Immer mehr Moscheen haben ihre eigenen I­nformationsangebote über den Islam. Wenn sie das nötige Wissen vom Imam oder lokalen Gelehrten erhalten könnten, wäre dies ein fruchtbares Angebot.

Dafür muss ein Imam die Sprache ­beherrschen, um von den Besuchern die nötige Aufmerksamkeit erhalten und ­ihren Verstand ansprechen zu können. Außerdem müssen die Verantwortlichen sich in den Gemütszustand ihrer BesucherInnen hineinversetzen können. Manche Leute kommen bereits derart entschlossen, dass nur einige, passende Wort eines Imams fehlen, um die letzte Bestätigung zu erhalten. Das heißt auch, ­Imame und andere müssen in der Lage sein, verständig zu reden und die wichtigsten Punkte anzusprechen.

Ein weiterer Aspekt der Vorbereitung können Seminare und Workshops für Menschen darstellen, die in die Moschee kommen, um dort mehr über Allahs Din zu lernen. Das können beispielsweise Studentengruppen sein, die vergleichende Religionswissenschaft studieren. Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir die nötigen Informationen und Inhalte zur Hand haben. Gibt es genug verständliche Präsentationen?

Ebenso wichtig ist, dass wir es nicht nötig haben sollten, uns mit anderen zu vergleichen. Eine solide muslimische Identität braucht keine negative Dialektik zu anderen. Ich glaube nicht, dass wir, wenn Leute zum Lernen zu uns kommen, unsere Religion mit anderen vergleichen müssen, um Vorteile hervorzuheben. Ich glaube, dass wir auf eine Art über unsere Religion sprechen müssen, die begreifbar macht, was sie ist und wofür sie steht. Meine Aufgabe ist es, darüber zu reden, was mein Din ist und was er für mich bedeutet.

Wenn Leute ihren Islam bezeugen und sich für Allahs Din entscheiden, muss es eine Gruppe geben, die sie willkommen heißt, sie aufnimmt und sich um ihre Bedürfnisse kümmert. Einige dieser neuen Muslime haben bereits Angehörige oder Freunde, die sie täglich sehen können. Bringt man ihnen das Gebet bei, dann können sie es mit der Familie oder Freunden weiter üben. Dies macht es einfacher. Nichtsdestotrotz sollte man den Kontakt zu ihnen halten und ihnen das Kommen in die Moschee erleichtern.

Aber es gibt auch Menschen, die ein kleines bis gar kein soziales Umfeld besitzen. Es sollte eine Gruppe zur Verfügung stehen, die diese Leute aufnimmt, sie beherbergt, mit ihnen befreundet ist, an die sich die neuen Muslime wenden können, wenn sie keinen Zugang zu Transportmitteln haben usw. Ziel hier ist es, eine stabile Beziehung aufzubauen. Denn wenn sich jemand nicht als Teil einer Gemeinschaft oder eines Kreises von Menschen begreift, könnte dies dazu führen, dass er oder sie aufgrund von ­Unbehagen nicht lange bleibt.

Dies ist eine Phase, in der den ­tau­frischen Muslimen geholfen wird Schritt für Schritt vorzugehen und Dinge aus ihrer Vergangenheit loszulassen. Dies ist die zu meisternde Mission, welche die Imame und die Leute der Moschee tragen müssen. Eine gute Idee ist, ältere KonvertitInnen in diese Arbeit mit ­ein­zu­binden, da sie die existenziellen Grundfragen der Menschen nicht bloß kennen, sondern nachvollziehen können, wie es sich anfühlt, mit einem Anliegen in die ­Gemeinschaft zu kommen. Schlussendlich müssen wir uns der Bedeutung der folgenden prophetischen Aussage ­be­wusster werden: „Wenn Allah durch euch eine Person rechtleitet, ist das besser als all das, über dem die Sonne aufge­gangen ist.“

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