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Was sind die Schlüsselelemente in der Mädchenerziehung?

Auf dem Weg zu einer neuen Weiblichkeit

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Foto: flickr.com, Simone Meier | Lizenz: CC BY 2.0

Es gibt eine Aussage von Saijiduna ‘Ali [dem vierten Khalif des Islams], wonach die ersten sieben Lebensjahre eines Kindes dem Spiel gewidmet sein sollten. In den nächsten sieben sollten sie unterrichtet werden, und die weiteren sieben Lebensjahre sollten aus guter Gesellschaft bestehen.

(iz). Am Anfang steht das grundsätzliche Nachdenken darüber, wie es um junge Frauen bestellt ist. Es ist klar, dass wir in einer Zeit leben, die durch eine Ent-Weiblichung von Frauen geprägt wird. Uns wird gesagt, dass es keinen Unterschied zwischen Mann und Frau gebe. Wir sollen uns emotional auf die gleiche Art und Weise verhalten und soziale Probleme gleich lösen. Als Folge fällt es Frauen immer schwieriger, einen passenden Ort in der Welt zu finden. Lebten wir innerhalb der Fitra [arab. natürliche Lebensweise des Menschen], dann bestünde hier kein Bedarf eines gesonderten Nachdenkens. Ein Mädchen würde sich von Kindheit über das Heranwachsen bis zur Fraulichkeit bewegen, ohne dass es sich darüber bewusst werden müsste.

Aisha Bewley [eine bekannte englische Gelehrte] sagte: „Es ist beinahe unmöglich für uns, nicht auch in einem gewissen Maße betroffen zu sein. Diese Entwicklung durchdringt uns und beeinflusst entsprechend unsere Wahrnehmungen. Mir sind Frauen begegnet, die dieses Erziehungssystem nicht durchliefen, sondern das traditionell islamische. Sie verhalten sich in der Welt auf eine andere Art und Weise. Das gesamte Zugehen auf eine Frage ist eine andere, da die Welt anders erfahren wird.“

Eines der Schlüsselelemente in der Entwicklung junger Mädchen zu Frauen besteht aus der Gesellschaft mit Frauen der Fitra – wo immer sich diese finden lassen. Es braucht eine Reise der Entdeckung oder – im Falle erwachsener Frauen – der Wieder-Entdeckung ihrer Weiblichkeit. Ebenso wichtig ist dabei das Finden der unsichtbaren Realität. Als ich junge Frauen befragte, was Weiblichkeit für sie bedeutet, lauteten die am häufigsten genannten Schlüsselwörter: Zusammensein mit anderen Frauen, Kraft, Schönheit, Kreativität, Sehnsucht, guter Charakter, Eleganz, Haltung, Gerechtigkeit und Intuition. Wir müssen auf diese Dinge blicken, um sie in unser Verständnis von Erziehung einfließen zu lassen. Insgesamt werden sie durch die Futuwwa verkörpert. Als ich wissen wollte, was das moderne Konstrukt aus Frauen mache, sagten sie, dass es sie hart gegenüber sich selbst und anderen mache. Sie hatten das Gefühl, mit Männern konkurrieren zu müssen und nicht in der Lage zu sein, Seite an Seite individuelle Rollen einnehmen zu können.

Es ist für Mädchen wichtig zu erkennen, dass dies die Reise ihres Lebens ist. Sie besteht nicht darin, ein anderer zu sein. Aber auch der Blick nach Innen ist problematisch geworden, weil sich heute alles um das Äußere dreht. Dies führt sogar zur Verschlechterung unserer Gesundheit, da wir uns nicht mehr in Einklang mit unseren Körpern befinden und daher nicht mehr erkennen können, wenn etwas schief läuft. Junge Frauen müssen auch ihre Intuition neu entdecken. Das Wort leitet sich ursprünglich vom lateinischen „Intueri“ ab, welches grob übersetzt so viel wie „nach Innen blicken“ bedeutet. Junge Frauen müssen sich Zeit für Kontemplation schaffen, und sie sollten auch begreifen, dass sie über eine soziale Realität verfügen. Ohne Frauen kann eine gesunde Gesellschaft nicht funktionieren. Wie sonst könnte man wissen, welche Familie bedürftig ist, wem Zakat gegeben werden muss und wer Sadaqa braucht?

Eine muslimische Mädchenerziehung muss sich um die Grundlagen des Glaubens an das Unsichtbare bemühen, wie sie in den ersten Versen der Sura Al-Baqara dargelegt wurden: „Alif-Lam-Mim. Dieses Buch, an dem es keinen Zweifel gibt, ist eine Rechtleitung für die Gottesfürchtigen, die an das Verborgene glauben, das Gebet verrichten und von dem, womit Wir sie versorgt haben, ausgeben.“ Sie enthalten alles, was bei jeder Stufe der weiblichen Entwicklung in das Erwachsenenalter notwendig ist.

In ihrem Buch „Islam, the empowering of women“ bestimmte Aisha Bewley 1998 eine Wegmarke: „Das erste grundlegende Recht jeder Frau und jedes Mannes ist es, ein freies menschliches Wesen zu sein; in der Lage zu sein, die Rolle zu erfüllen, für die sie oder er erschaffen wurde. Es handelt sich dabei um die Anbetung des Schöpfers auf jene Art und Weise, die uns von Seinem Gesandten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, gezeigt wurde. (…) Noch Besorgnis erregender ist es, dass diese entscheidende Frage zu Gunsten einer Fixierung auf kleinliche Einzelheiten wie die Kleidung von Frauen oder die Rollen im Haushalt ignoriert wird. (…)

Eine jegliche Handlung im sozialen Zusammenhang setzt eine gemeinsame Wahrnehmung von Vorstellungen voraus, die bei der Umsetzung dieser Handlung beteiligt sind. Als menschliche Wesen können wir so lange nicht agieren, bevor wir nicht wissen, was wir tun und warum wir handeln – und sei es auch nur unbewusst. Standpunkte müssen neu bewertet werden. Die wirkliche, vitale und transformierende Tradition des Islam als eine lebendige Blaupause für das Leben, die zu jeder Zeit relevant ist, ging beinahe vollkommen verloren. (…) Ibn ‘Ata’­illah sagte: ‘Nichts treibt einen an wie Illusion. Du bist frei, wenn du sie missachtest. Du bist ihr Sklave, wenn du danach strebst.’

Es ist an der Zeit, die Quellen neu zu lesen und einen frischen Zugang dafür zu finden, wie muslimische Frauen in der Vergangenheit handelten, sodass wir den einschränkenden Perspektiven entkommen können, die heute zur Norm wurden.“

Von Seiten muslimischer Pädagogen wurden bei verschiedenen Anlässen praktische Vorschläge zur Mädchenerziehung gemacht. In einer Lehrsituation, in der die Mädchen auch im schulischen Rahmen untergebracht sind, ist es wichtig, dass die Schülerinnen einen gemischten Alters- und Kulturhintergrund haben, damit sie immer die nächste Stufe ihrer Entwicklung vor Augen haben können. Allah sagt in der Sure Ar-Rum, Vers 21: „Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und (auch) die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Darin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden.“

Zu Tagesbeginn sollten sich die ­Mädchen gemeinsam an Allah erinnern und Probleme besprechen, die sie ­beschäftigen.

Sie brauchen das Gefühl, liebevoll unterrichtet zu werden. Auch dann, wenn sie zurecht gewiesen werden müssen, damit diese Erfahrung nicht schädlich ist.

Junge muslimische Frauen müssen ­einen Sinn von Verantwortung für und Rechenschaft gegen sich selbst entwickeln. Aber auch Liebe und Mitgefühl für den Anderen.

Die Mädchen brauchen Freude an sich und an der Gesellschaft anderer, mit denen sie einen sinnvollen Austausch benötigen. Außerdem sollten sie der lokalen Gemeinschaft helfend zur Seite stehen. Hilfreich wäre es des Weiteren, dass unterschiedliche Frauen die Bildungseinrichtungen besuchen und Wissen an diese jungen Musliminnen weitergeben.

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