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Ursachen und Tipps: Was tun bei Schlaflosigkeit?

Welche Gebete, Naturheilprodukte und Therapien helfen können und wann ein Arzt aufzusuchen ist

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(iz). Jeden erwischt es ab und an, andere erleben es jeden Tag. Schlaflosigkeit ist ein nervenaufreibendes Problem, das sich durch die Generationen zieht. Die Ursachen sind verschieden und reichen von chronischen Anspannungen, Stress, über unruhige Gedanken bis hin zu falscher Ernährung.

So wie Kaffee, Tee und Energydrinks den Körper durch bestimmte Inhaltsstoffe wach und aktiv halten, können auch digitale Einflüsse das Gehirn beim natürlichen Schlafprozess behindern. Eine Untersuchung des „Rensselaer Polytechnic Institute“ ergab, dass beispielsweise die Helligkeit des Displays von Smartphones, Laptops und anderen Geräten die Melatonin-Ausschüttung um 22 Prozent senken kann. Das Hormon Melatonin steuert den Tag-Nacht-Rhythmus des Menschen und ein verringerter Melatonin-Spiegel kann somit zu Schlafstörungen führen. Neuere Smartphones und Tablets haben einen Filter dafür, der die so genannten Blautöne abschwächt.

Ein geregelter Rhythmus ist für jeden Menschen hilfreich, wenn nicht notwendig. Gut ein Drittel des diesseitigen Lebens verbringt der Mensch schlafend. In diesem Zustand regeneriert sich der Körper und die Seele kehrt, so heißt es im Qur’an, zum Schöpfer zurück, ehe sie beim Aufwachen wieder mit dem Körper vereint wird.

Die Digitalisierung des Alltags hinterlässt im Wesen des Menschen Spuren. Die Freizeitgestaltung ist zum großen Teil mit Mediennutzung verbunden und so sind Displays oft das letzte, was der Mensch vor dem Schlafengehen sieht. Die vorangegangene Reizüberflutung durch Millionen Farben, zum Teil penetranten Tönen und vielen Bewegungen bringt das Gehirn auf Hochtouren. Rechner von Computern beginnen mit stärkerer Belüftung und Geräuschkulisse, wenn sie mit zahlreichen Prozessen belastet werden und brauchen dementsprechend länger beim Herunterfahren. So ergeht es auch dem Kopf des Menschen, der eine gewisse Zeit benötigt, bis er abschalten kann. Umso wichtiger ist es also, Geist und Körper eine gesunde Vorlaufzeit zu gewähren – vor dem Schlafen. Forscher warnen auch regelmäßig davor, das Smartphone während der Nacht in Kopfhöhe beziehungsweise Nähe zu be­halten. Die Strahlen sind langfristig schädigend und können auch kurz- und mittelfristig zu Schlafproblemen führen. Dabei zählt auch das Phänomen der Hypervigilanz, die ständige Bereitschaft einen Anruf anzunehmen oder ihn einfach nur zu erwarten. Diese unbewusste Anspannung hindert das Gehirn am Herunterfahren.

Ursachen zu großen Teilen ignorierend, greifen einige Menschen nicht selten zu Medikamenten, um schneller einzuschlafen – aber hier besteht Suchtgefahr. Sollte keine tatsächliche medizinische Notwendigkeit bestehen, ist der Mensch gut beraten, auf Ursachensuche zu gehen und mögliche Schlafhemmer zu beseitigen. Dabei können auch Verhaltenstherapien helfen. Schlaflosigkeit hat dennoch auch oft Hintergründe, die in psychischen Erkrankungen bzw. seelischen Belastungen, wie z.B. Depressionen, sowie körperlichen Krankheiten zu verorten sind. Bei chronischen Ein- und Durchschlafstörungen ist der Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten nicht nur anzuraten, sondern notwendig. Da stete Schlaflosigkeit ein Symptom für weitreichende Krankheitsbilder sein kann.

Die Nacht ist eine gesegnete Zeit. Das freiwillige Gebet in der Nacht (arabisch: Tahajjud oder Qijam Al-Lail) gilt als besonders segensreich. Nicht umsonst war es eine Angewohnheit der Prophetengefährten und wird auch heute von Gläubigen weltweit praktiziert. Wenn man sich nun einer spontanen Schlaflosigkeit ausgesetzt sieht, besteht daher die Möglichkeit, die Nacht mit freiwilligen Gottesdiensten zu verbringen.

Probleme beim Einschlafen sind kein modernes Phänomen. Seine Gefährten lehrte der Prophet Muhammed, Allahs Frieden und Segen auf ihm, Bittgebete für beinahe alle Lebensumstände, so auch Ruhelosigkeit. Wer bemerkt, dass er einfach nicht zur Ruhe kommt, oder auch nicht die richtige Position findet, soll folgendes Bittgebet sprechen: „La ilaha illa’l-lahu wahidu’l-qahhar, rabbu-ssamawati wa-l’ardi wa ma baynahuma’l-‘azizu-l-gaffaru (Es gibt keinen Gott außer Allah, Dem Einzigen, Dem Allbezwinger, Dem Herrn der Himmel und der Erde und was zwischen ihnen ist, Dem Allmächtigen, Dem Allvergebenden).“

Einsamkeit ist nicht selten ein Grund für Verstimmung. Welcher Mensch ist schon gern einsam? Es ist einerlei, ob nun vorübergehendes Alleinsein oder eine grundlegende Angst davor, dass man abgeschieden endet. Beispiele für psychische Belastungen, die zu Schlaflosigkeit führen können, sind deshalb auch quälende Selbstzweifel, erschöpfende und ausbeutende Beziehungsgestaltung, Lebensüberdruss oder (existentielle) Ängste. Sollten diese Gefühle von der Schlafruhe abhalten, sollte, neben dem dringenden Gang zur medizinischen Betreuung, folgendes Bittgebet gesprochen werden: „A’udhu bikalimati-l-lahi’tam-mati min gadabihi wa’iqabihi, wa sarri ‘ibadihi wa min hamazati-a-sajatini wa ‘an jahduran (Ich suche Zuflucht bei den vollkommenen Worten Allahs vor Seinem Zorn und Seiner Strafe, vor dem Übel Seiner Diener, vor den Aufstachelungen der Teufel und davor, dass sie mich aufsuchen).“ Übrigens: Das gleiche Bittgebet gilt auch dann, wenn man mitten in der Nacht aufwacht, sich im Schlaf erschreckt oder die bekannten Phänomene der Lähmung und des Fallens verspürt.

Schlaf muss Routine sein. Wer sich in den Schlaf verabschieden möchte, sollte ein paar Vorkehrungen treffen. Aisha, Allahs Wohlgefallen auf ihr, berichtet, dass der Prophet, Allahs Frieden und Segen auf ihm, vor dem Schlafen stets die drei Schutzsuren rezitierte. Hierfür legte er seine Hände zusammen zum Bittgebet, pustete hinein und rezitierte die Suren Al-Ikhlas, Al-Falaq und An-Nas. Beendet wird das Bittgebet klassisch mit dem „Amin“ und dem Streichen der Hände über Gesicht und Körper. Empfehlenswert ist es auch die Ajat Al-Kursi zu rezitieren. Die Gelehrten empfehlen, gereinigt, also mit Gebetswaschung, zu Bett zu gehen und auf der rechten Seite einzuschlafen.

Die traditionelle islamische Medizin basiert zum einen auf der Wirkung von Gebeten und zum anderen auf der Wirkung natürlicher Mittel. Eine altbewährte Waffe gegen Schlaflosigkeit ist Baldrian. Wichtig bleiben aber weiterhin auch die Vorkehrungen. Kurz vor dem Schlafen sollte man nichts schwer Verdauliches essen oder trinken. Verschiedene Teesorten können hingegen helfen, dazu gehören unter anderem Baldrian, Melisse, Lavendel und Thymian. Omas Tipp, man solle warme Milch mit Honig trinken ist auch für jeden ratsam, der ansonsten keine Probleme mit der Verdauung von Milch hat. Ein ausgewogenes Wärmegefühl im und um den Körper ist ausgesprochen schlaffördernd. Wem Aromatherapie zusagt, sollte auf Orangenblütenöl zurückgreifen.

Nichtsdestotrotz sollte bei ständiger Schlafstörung der Arzt des Vertrauens zu Rate gezogen werden. Manchmal helfen auch recht einfache Mittel, wie ein Mittagsschläfchen, welches auch vom Propheten, Allahs Frieden und Segen auf ihm, empfohlen würde. Beim Schröpfen, der so genannten Hidschama, kann außerdem schmutziges Blut, das unter anderem auch zu Schlafstörungen und Stress führen kann, abgeführt werden. Hierfür muss ein Experte aufgesucht werden.

Eine Schlafstörung kann viele Ursachen haben und ebenso viele Lösungen. Zusammenfassend sei geraten, sich einen regelmäßigen Rhythmus anzueignen, auf eine vorangehende Schonung von Geist und Körper zu achten und die standardgemäßen Gebete vor dem Schlafen zu sprechen, sowie selbstprüfend darauf zu achten, ob die Problematik eventuell medizinischer Hilfe bedarf.

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