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Was unsere eigenen Hände hervorbrachten

Zwischen göttlichem Willen und belebter Natur

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Foto: Freepik.com

(iz). Es gibt einen grundlegenden Makel in unserer gegenwärtigen Weltsicht. Sie bestimmt unseren Verstand und unsere Handlungen und ist Ursache der jetzigen Lage – auf menschlicher wie auf planetarischer Ebene. Dieser bestand darin, dass wir in dieser Welt handeln, oder es zu tun vorgeben, als wären wir, die Erde und jedes lebende Wesen auf ihr bloß kalte, harte Materie. So verleugnen wir die unsichtbare – und unermessliche – Realität, die sich hinter allem verbirgt. Und – zu­allererst und vor allem – verleugnen wir die Göttliche Wirklichkeit.

Das hat Ideologien hervorgebracht, die um unser Verständnis ringen, aber alle dem gleichen Ort entspringen. Einer von ihnen – oder irgendeiner Ideologie – anzuhängen, ist das Gegenstück zur Natur. Die Natur sei kein System, sagte Goethe. Und Islam ist Natur. Das wiederum hat unsere jetzige Lage verursacht.

Unsere Lage ergibt sich aus dem, was unsere „eigenen Hände hervorbrachten“. Damit lässt sich schwerlich streiten – egal, ob aus der Perspektive des Gläubigen oder eines anderen. Die gegenwärtige Wissenschaft basiert auf der Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Was wir sehen, ist das, was wir verursachten: „Und was immer euch an Unglück trifft, es ist für das, was eure Hände erworben haben. Und Er verzeiht vieles.“ (Asch-Schura, Sure 42, 30)

Unsere gegenwärtige Lage ist keine Art von göttlicher Strafe für unsere Irreligiösität. Allah sagt im Qur’an, „Er verzeiht vieles“. Und der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte in einem Hadith Qudsi, dass Allah „in der Meinung Meines Sklaven über Mich“ (Bukhari und Muslim) ist. Manchmal ist die Vorstellung eines göttlichen Eingreifens eine Vermeidung unsrer Verantwortlichkeiten. Das ist, was unsere „Hände erworben haben“.

Eine Folge zu sehen, und sie mit einer Ursache in Verbindung zu bringen, leugnet nicht die Tatsache, dass Allah Macht über alles in der Schöpfung hat und dass nichts geschieht, es sei dann, Er lässt es geschehen. Vielmehr geht es um Mustererkennung. Einer Ursache Macht zuzuschreiben, um eine Folge zu bewirken, bedeutet Unkenntnis des Göttlichen und der Wirklichkeit. „Sie fragen dich nach den Jungmonden. Sprich: ‘Sie sind festgesetzte Zeiten für die Menschen und für die Pilgerfahrt.’“ (Al-Baqara, Sure 2, 189) Festgelegte Zeiten bedeutet, dass wir wissen, wann es Tag wird und wann die Nacht kommt. So können wir Regelmäßigkeiten in der Schöpfung erkennen, entsprechend handeln und geistige Gesundheit aufrechterhalten.

Vernunft erkennt Muster und handelt entsprechend. Wir erleben eine Zeit, die so bizarr ist, dass es schwierig scheint, einen Sinn aus ihr zu ziehen. Es scheint nur schwierig, wenn wir sie durch die Linse des gegenwärtigen Zeitgeistes betrachten. Die wichtigste Eigenschaft dieser Zeit ist das Fehlen von Zentralität des Göttlichen im menschlichen Projekt. ­Stellen Sie Gott wieder in den Mittelpunkt der Bühne, erscheint alles klarer.

Die Wurzel des Problems liegt, wie in der klassischen griechischen Tragödie, in unserer eigentlichen Menschlichkeit. Wenn der Mensch sich selbst zum Herrn des Kosmos aufschwingt – etwas, was kein anderes Geschöpf außer ihm denken kann –, dann vergisst er, dass das Universum und er selbst einen Herren hat.

Den Menschen zum Maßstab für Wirklichkeit zu machen, ist keine Eigenschaft eines besonderen Systems, das in den letzten dreihundert Jahren entstanden ist, sondern Grundstein für alle von ihnen. Daher verkennt der Versuch, die spezifischen Eigenarten unserer Umstände durch zu verstehen, indem wir ihnen einen bestimmten „ismus“ zuschreiben, ihren gemeinsamen Ursprung und geht am Ziel vorbei. Es wird auch nicht verstanden, dass wir etwas in Bewegung gesetzt haben, in dessen resultierender Trägheit wir leben. Das hat auch alle Religionen betroffen, wenn auch nicht alle religiösen Menschen.

Das ist die Bedeutung jenes Qur’anverses: „Und wenn man zu ihnen sagt ‘stiftet kein Unheil auf der Erde!’, sagen sie „wir sind ja nur Heilstifter.’“ (Al-Baqara, Sure 2, 11) Auf Erden Verderben zu stiften, ist handeln, als gäbe es keine Göttliche Wirklichkeit. Ibn ‘Abbas (Verwandter des Propheten und ganz früher Qur’ankommentator) sagte zur Erklärung dieses Satzes: „Allah ungehorsam zu sein – in Seinen Befehlen und Seinen Verboten.“ Das so schmerzhaft klare und erkennbare Unheil auf unserem Planeten leitet sich daraus ab. Das gilt auch für unsere gegenwärtigen ­Umstände.

Wir sollten das jedoch nicht als Frage persönlicher Moralität betrachten, sondern als soziale – das ist eine der möglichen Fallstricke. Ich muss auf jeden Fall das Meinige tun, um nicht zu diesem Verderben beizutragen. Wenn wir aber das Problem auf Schuldgefühle reduzieren, ignorieren wir die tatsächlichen Ursachen und machen es sehr einfach, eine Art Diktatur zu errichten. Beides wird nicht viel zur Verbesserung unserer Situation beitragen.

Es ist nur natürlich, dass wir beim Erkennen eines Musters von Ursache und Wirkung nach den Gründen suchen; und, viel wichtiger in praktischer Hinsicht, wer oder was diese verursacht hat. Sind die Wirkungen schädlich, wird diese Frage sehr relevant. Gruppen mit fragwürdigen Absichten – wenn sie nicht gar unverblümt verabscheuenswert sind – gab es immer und es wird sie immer geben. Sie sind die gleichen, die immer wieder gegen die Göttliche Wirklichkeit und ihre Gesandten standen. Wenn man ihnen „stiftet kein Unheil auf der Erde“ sagte, entgegnen sie mit: „Wir sind ja nur Heilstifter.“

Glauben wir jedoch, unsere Lage leite sich von einem einzelnen Menschen oder einer Gruppe ab, die im Laufe der Zeit intrigieren, um uns zu kontrollieren und leiden zu lassen, ist das ein Beweis unserer Unkenntnis, wie durchdringend unsere gegenwärtige Welt­anschauung ist. Sie übernimmt unseren Geist und unser Herz und lässt keine noch so kleine Lücke. Das spielt die Frage auf die der persönlichen Moralität herab.

Beim Studium der Psychologie erfährt man, dass selbst die wahnhafteren Psychopathen eine Rechtfertigung für ihre Handlungen haben. Wenn man sie fragen würde, entgegneten sie wahrscheinlich, dass sie „nur die Dinge in Ordnung bringen“.

Es ist schwer glaublich, dass Bill Gates jeden Morgen aufwacht und beim Frühstück über die Kontrolle der Welt nachdenkt. Es ist viel wahrscheinlicher so, dass Gates, fragt man ihn, antworten würde, dass er „nur die Dinge in Ordnung bringt“; und er es wahrscheinlich glaubt. So kommt er auf Konzepte wie massive Impfprogramme, kostenlose Bücher für ganze Bevölkerungen oder gentechnisch verändertes Saatgut, die Seuchen standhalten.

Alle sehr praktischen und wertvollen Lösungen stammen aus der gleichen Weltanschauung, die erst den Bedarf für solche Lösungen hervorbrachte. Nicht nur das. Wir begrüßen diese Lösungen und ihre Befürworter, ohne zu wissen, dass „Wahnsinn immer wieder dasselbe tut, aber unterschiedliche Ergebnisse erwartet“ – eine Definition, die in Psychologiebüchern häufig zitiert wird.

Für die Verbesserung unserer Lage gibt es drei Dinge, die wir im Kopf und Herz behalten sollten:

Erstens, die Anerkennung der Göttlichen Wirklichkeit hinter jedem Prozess im Universum. Und dem Menschen das zurück­geben, was ihm die Technik nahm: seine Seele.

Zweitens, die Göttliche Wirklichkeit anzuerkennen, muss Auswirkungen auf unser Handeln handeln. Wir sind nicht das Maß der Dinge. Der Mensch ist der Beobachtete, nicht der Beobachter.

Drittens, dass es keine böse Macht oder Kraft gibt, die den ersten beiden Punkten widerstehen könnte.

Ein guter Ort für den Anfang: „Er ist Allah, außer dem es keinen Gott gibt, der Kenner des Verborgenen und des Offenbaren. Er ist der Allerbarmer und Barmherzige. Er ist Allah, außer dem es keinen Gott gibt, der König, der Heilige, der Friede’, der Gewährer der Sicherheit, der Wächter, der Allmächtige, der Gewalthaber, der Stolze. Preis sei Allah! (Und Erhaben ist Er) über das, was sie (Ihm) beigesellen. Er ist Allah, der Schöpfer, der Erschaffer, der Gestalter. Sein sind die schönsten Namen. Ihn preist (alles), was in den Himmeln und auf der Erde ist. Und Er ist der Allmächtige und Allweise.“ (Al-Haschr, Sure 59, 22-24)

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Luqman Nieto

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