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Weiß, muslimisch & britisch

Viele Muslime sehen den Din oft durch das Prisma ihrer kulturellen Traditionen

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Foto: Khalil Mitchell

(azthebaz.wordpress.com). Wenn jemand im alltäglichen Gespräch oder in den Medien die Worte „Muslim“ oder gar „britischer Muslim“ benutzt, dann werden bestimmte Bilder erzeugt. Typischerweise handelt es sich um pakis­tanischstämmige Männer an Orten wie Birmingham oder junge Somalierinnen mit Kopftuch in London. Denken wir an bekannte britische Muslime, dann stehen ganz oben auf der Liste die Olympialegende Mo Farah oder Nadiya Hussain, Gewinnerin der Backshow „The Great British Bake Off“.

In unserem Kontext geschieht es nicht allzu oft, dass wir die Worte „weiß“ und „Islam“ beziehungsweise „Muslime“ miteinander verbinden. Im normalen Diskurs werden beiden üblicherweise als Gegensätze oder sich ausschließend gesehen. Ob sich die Diskussion um ­soziale Konzepte wie „Privileg“ oder Themen wie Extremismus und Kultur handelt: Weiße Muslime – konvertierte oder solche, die in dem Glauben geboren wurden – sind oft eine vergessene Größe.

Viele Muslime sehen den Din oft durch das Prisma ihrer kulturellen Traditionen wie die asiatische. Beispielsweise ist es immer noch häufig, in irgendeine Moschee im ethnisch diversen London zu gehen, und festzustellen, dass der Vortrag komplett auf Urdu oder Bangla ist. Die weitere Gesellschaft sieht Islam und Muslime oft als etwas Fremdes oder Importiertes.

Es gibt einen Ypus von Leuten, für die weiße Muslime entweder nicht wirklich „weiß“ oder keine „echten Muslime“ sind. Für erste gilt, dass die Betroffenen etwas von ihrem Weiß-Sein verloren haben, nachdem sie ihren Islam bezeugt haben. Immerhin, es könnte doch nur sein, dass sie in einer „Phase“ sind oder „nur“ Muslime wurden, um jemanden zu heiraten? Vielleicht ist der weiße Kerl neben mir Spion für MI5 oder ein ­Projekt zur Radikalismusprävention? Wissen diese Leute überhaupt, wer der Gründer Pakistans war, oder wie man Biryani zubereitet?

Beiden Gruppen würde es nicht schaden, sich mit Namen aus der britischen Geschichte oder von heute zu beschäftigen, die „wirklich“ weiß und sehr muslimisch sind. Darunter finden sich bekannte Personen wie Zainab Cobbold, Yusuf Islam, Sir Archibald Hamilton, Marmaduke Pickthall, Abdullah Quilliam oder Henry Edward John Stanley.

Auch wenn sie noch eine Minderheit in einer Minderheit sind, handelt es sich bei ihnen weder um ein neues Phänomen, noch um eine unübliche Laune. Tausende Menschen in Großbritannien nehmen jedes Jahr den Islam. Das lässt sich an den oben genannten Namen ­ersehen. Das muslimische Erbe in diesem Land reicht viel tiefer als die Generationen, die in den 1960er und 1970er Jahren kamen.

Sie führen möglicherweise nicht den harten Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung, in dem sich Mitmuslime befinden. Auch wenn sie nicht unbedingt die Hauptlast der Islamophobie in gleichem Maße tragen müssen wie andere – es sei denn, sie sind äußerlich oder namentlich sichtbar muslimisch: Wie jede Gruppe von Menschen in der muslimischen Gemeinschaft haben sie ihre eigenen Herausforderungen und Hindernisse.

Weiße Muslime haben – wie Asiaten, Afrikaner und andere Gruppen – ihr eigenes kulturelles Gepäck oder Erwartungen. Es gibt Fragen bezüglich der Akzeptanz durch die weitere Gemeinschaft. Wir haben alle von neuen Muslimen gehört, die mit ihren Familien zu kämpfen haben. Auch werden sie von extremen Rechten als „Verräter“ angesehen, weil sie Muslime sind.

Muslim und weiß zu sein, ist weder schräg noch einzigartig. Noch sind die Menschen die Außenseiter oder „Hippies“ der Community. Sie sind – gemeinsam mit den asiatischen, ­arabischen, schwarzen und anderen Gemeinschaften – in großem Maße Teil der britisch-muslimischen Erfahrung. Und sie können eine einzigartige Pers­pektive dafür anbieten, was es heißt, ein Muslim im Vereinigten Königreich zu sein.

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