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Welche Loyalität?

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Foto: Bundeswehr

(iz). Während der Sommer sich dem Ende neigt, werden Forderungen aus der Union lauter, die Deutsch-Türken mögen loyal und staatstreu sein. Von der Kanzlerin war zu hören: „Von den Türkischstämmigen, die schon lange in Deutschland leben, erwarten wir, dass sie ein hohes Maß an Loyalität zu unserem Land entwickeln.“

Möglicherweise befürchtet sie wie auch andere Unionspolitiker, dass innertürkische Konflikte auch auf deutschen Straßen ausgetragen werden. Als Reaktion auf die Forderungen von ParteikollegInnen wie Volker Kauder oder Andreas Scheuer fragen sich jedoch nicht wenige, ob diese Loyalität bisher ausreichend belohnt werde.

Gerade bei Kauder kristallisiert sich ein beliebter Topos. Türkischstämmige Bürger, die hier leben, müssten „sich an unser Recht und unsere Gepflogenheiten halten“. Nicht nur die Angesprochenen fragen sich, warum sie namentlich an solche grundlegenden Pflichten erinnert werden. Konstatiert Kauder bei ihnen gar eine stärkere Neigung zum Rechtsbruch? Und ist „unser“ Recht nicht auch „ihr“ Recht, wenn sie Staatsbürger sind?

Immerhin, so viele Adressierte, sei die NSU-Mordserie immer noch nicht befriedigend aufgearbeitet. Noch würden sich die gleichen Unionspolitiker schützend vor die deutsch-türkischen Mitbürger stellen, wenn deren Einrichtungen von Rechtsextremisten oder PKK-Anhängern angegriffen werden. Dankenswerterweise hob sich die Kanzlerin von anderen ab. Bei ihr war deutlich der Wille zur Empathie erkennbar. Sie wolle ein offenes Ohr für die Deutsch-Türken haben und versuchen, sie zu verstehen. Sie sagte im ARD-Sommerinterview: „Ich bin auch deren Bundeskanzlerin.“

Eine mögliche Erklärung für die Heftigkeit der Debatte besteht darin, dass der Gegenstand undefiniert bleibt. Die eine Seite besteht auf einem umfassenden Begriff, der auch kulturalistische Forderungen enthält, die aber nicht auf ihren Bestand hin überprüft werden. Die andere beharrt oft auf einem abstrakten „Verfassungspatriotismus“, der gelegentlich den Eindruck erweckt, die gewachsenen Traditionen dieses Ortes sowie seine Anforderungen nicht immer in Betracht zu ziehen. In gewissem Sinne bleibt dieses „Deutschland“, zu dem Loyalität gefordert wird, beiderseits seltsam unbestimmt.

Dabei realisieren viele schon seit Längerem, dass das eingeforderte Engagement – sicherlich ausbaufähig – längst auch Teil der deutschen Wirklichkeit ist. So veröffentlichte die Bertelsmannstiftung am 11. August eine Studie, in der „Migrantenunternehmen“ als „Jobmotor für Deutschland“ bezeichnet werden.

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Sulaiman Wilms

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