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Wellness und Kosmetik

Seit Langem bei Frauen wie Männern beliebt - Orientalisches zur Erhaltung von Schönheit und Wohlbefinden. Von Lydia Jalil, Euskirchen

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Neue Erfindungen der Kosmetikindustrie erfreuen sich nicht nur biochemischer Hightec-Rezepturen, vielfach ist auch der Trend „Zurück zur Natur“ zu beobachten: Frauen zaubern sich einen rosigen Teint mit Erdpigmenten, Bienenwachs, Honig und Weizenkeimöl und erfrischen ihr gestresstes Haar mit Kurpackungen, deren wichtigste Bestandteile Avocados und Mandeln sind.

So neu dieser Trend erscheint, ist er es doch keinesfalls: muslimische Kosmetiktraditionen bedienten sich der natürlichen Inhaltsstoffe schon zu Zeiten, als man im Abendland noch der Meinung war, die Erde sei eine Scheibe.

Bereits aus dem 16. Jahrhundert sind komplexe Cremerezepturen aus Honig, Bienenwachs und Sesamöl überliefert, und trotz allen Fortschritts existieren die kleinen Naturkosmetikmanufakturen immer noch. Bewährtes ist langlebig.

Dabei müssen die Inhaltsstoffe der Kosmetika den teilweise extremen klimatischen Bedingungen der verschiedenen Regionen gerecht werden: beispielsweise lassen grelles Sonnenlicht und trockener Wüstenwind die ungeschützte Haut schneller altern. Man begann, aus aromatischen Ölen Salben als Klimaschutz herzustellen, und noch heute finden Archäologen Salbentiegel und Parfümflakons längst vergangener Zeiten, die den heutzutage benutzten Utensilien zum Verwechseln ähnlich sehen.

Neben den allseits gebräuchlichen Salben gab es damals nahezu alles an Cremes, Toniken, Lotionen und Pudern, die auch heute die modernen Toilettenschränke füllen – auch wenn die Inhaltsstoffe oft andere waren. Ein Rezept für eine Gesichtsmaske, die eine samtweiche Haut garantieren und Falten vorbeugen sollte, bestand aus aufgeschlagenem Eigelb und Weizenkeimöl. Und neben vielen anderen Rezepturen gegen Kopfschuppen existierte auch eine, die auf Nilpferdfett, Fischöl und Schmierfett zurückgreift.

Parfüme waren bei Männern und Frauen sehr beliebt. Sie basierten nicht wie die heute gebräuchlichen auf Alkohol. Die ätherischen Öle wurden mit pflanzlichen oder tierischen Ölen bzw. Fetten gemischt, auch Rettich, Salate und Sesam wurde so parfümiert. Dabei mischten die historischen Parfümmeister zur Herstellung der Düfte eine Vielzahl natürlicher Produkte, die bis heute neben den synthetischen Düften Verwendung finden: Bittermandel, Anis, Jasmin, Rose, Pfefferminze, Sonnenblume, Ingwerwurzel, Zimtrinde, Zitrone, Zeder- und Sandelholz, um nur einige zu nennen.

Auch wenn bei der Herstellung von Kräuterauszügen und Kosmetika oft nur einfache (Küchen-)Technik anstelle eines modernen Labors zur Verfügung stand, gab es verschiedene Möglichkeiten, an die wertvollen ätherischen Öle zu kommen. Blütenblätter wurden in Öl geschichtet und nachdem sie ihren Duft abgegeben hatten wieder entfernt. Diese Technik, die noch heute in der Parfümindustrie „enfleurage“ genannt wird, eignete sich besonders gut, um Parfümpomaden herzustellen.

Eine andere Möglichkeit war, Blüten, Samen oder Früchte in heißes Öl zu tauchen und dann auszupressen.

Das Färben des Ober- und Unterlids sollte ursprünglich Infektionen des Auges vorbeugen. Dabei wurde zuerst das Oberlid mit mineralischem Bleiglanz und das Unterlid mit pulverisiertem, grünem Malachit gefärbt. Später wurden Ober- und Unterlid mit schwarzem Antimonsulfat – dem Kuhl – gefärbt, der auch heute noch als Augenkosmetikum Verwendung findet. Oft mischt man wegen komfortablerer Anwendungsmöglichkeiten noch feine Öle wie beispielsweise Olivenöl bei.

Beerenauszüge für Rouge oder Lippenstift werden mit Ölen und Parfümen gemischt. Auch duftende Seifen gehören zum kosmetischen Inventar: so wird Öl – meist Olivenöl – mit Al-Qali (einer salzähnlichen Substanz) gemischt, gekocht, gerührt und ausgehärtet. Traditioneller Ort zum Baden ist der Hammam – das Badehaus. Während das Baden im Hammam noch vor kurzem nicht als en vogue galt, so wird heute weltweit an alte Traditionen angeknüpft. Diente doch der Hammam nicht nur als Ort der Körperreinigung und -pflege, sondern auch der Entspannung und des sozialen Miteinanders. Oft wurden sogar Geschäfte im Hammam abgeschlossen oder Heiraten vermittelt. Heute setzt sich die Tradition des Hammam sogar unter Nichtmuslimen in der westlichen Welt fort.

Selbstverständlich werden im Hammam nicht nur Körper, Geist und soziale Kontakte gepflegt, auch die Haare erfahren eine Rundumerneuerung. Während sich vor allem die Männer gern die Haare mit reinem Henna färbten, fügten die Frauen den gemahlenen Blättern des Hennastrauches gern auch noch gemahlene Nussschalen – für dunklere Farben – oder Kamille – für hellere Farben – hinzu. Für ein leuchtendes Rot wurden die Beeren des Hennastrauches pulverisiert. Meist wird dieser Farbton auch für die Bemalung der Finger- und Zehenspitzen benutzt, während für das eigentliche Hennatattoo wiederum die dunkleren Farbtöne Verwendung fanden. Aufgetragen wird das mit Wasser vermischte Henna mittels einer Plastik- oder Papiertülle oder einem Holzstäbchen. Für stärkere und länger haltende Farbe mischen manche Frauen dem Hennabrei schwarzen Tee oder Zitrone bei. Nachdem das aufgetragene Muster getrocknet ist, wird das abfallende Henna mit Zitronensaft oder Senföl abgewaschen, damit das vergängliche Tattoo auch genügend Farbtiefe und Leuchtkraft entwickeln kann. Auch in Shampoos und zum Haarefärben kommt Henna wieder verstärkt zum Einsatz, da es die Haarstruktur nicht angreift und auf natürliche Weise brillante Farbnuancen hervorbringt.

Ebenfalls pflanzlicher Herkunft ist auch der bis heute von den Muslimen verwendete Miswak. Vom Propheten Muhammad empfohlen, reinigt die Zahnbürste aus den Zweigen eines Baumes nicht nur die Zähne und Zahnzwischenräume, sondern pflegt auch das Zahnfleisch und beugt so Entzündungen und Mundgeruch vor. Meist wird der Mundgeruch nach dem Essen jedoch auch durch den Genuss wohlriechender Kräuter und Gewürze, wie Pfefferminze, Zimt, Kardamom oder Koriander, vermieden. Reinigt sich der Muslim dann auch noch vor dem fünfmaligen Gebet die Zähne, so ist ein gesundes Gebiss die angenehme Folge der täglichen Körperpflege. Der andalusische Arzt und Wissenschaftler Al-Zahrawi führte die gesundheitsfördernden Aspekte der Körperpflege in seiner medizinischen Enzyklopädie At-Tasrif noch weiter aus und empfahl unter anderem parfümierte Roll-ons und Antitranspiranzien. Dabei hielt er sich strikt an die Sunna und Hadithe des Propheten Muhammad.

Auch die Erfindung eines Haarentfernungsmittels geht auf den Arzt aus dem mittelalterlichen Cordoba zurück. Dabei vermischte er Wachs mit Zitrone und Zucker zu einer Paste, die ein schmerzfreieres Entfernen der Körperbehaarung unter den Achseln und im Intimbereich durch das Aufweichen der Haarstruktur ermöglichte. Bis heute wird diese Rezeptur benutzt und besonders wegen ihrer geringen Hautirritationen geschätzt. Nicht nur die rituelle Reinigung und Körperpflege, auch der Handel mit Kosmetika wurde und wird in der muslimischen Welt hoch geachtet, und nicht nur die Wertschätzung des Propheten Muhammad für Parfüm und Körperpflege ist Grund dafür, auch der menschlichen Nase kommen gute Gerüche entgegen. So lautet ein geflügeltes Wort auf der arabischen Halbinsel: „Wenn ich Handel treiben müsste, so würde ich mit Parfümen handeln. Wenn ich dann auch keinen Gewinn machen sollte, so habe ich immer noch den Duft!“ Und der Mystiker Ibn Al-’Arabi schrieb im 13. Jahrhundert in seinen Perlen der Weisheit: „… dass es von allen wertvollen Dingen dieser Welt nur drei gibt, die das Herz berühren: das Gebet zu Allah, das Parfüm und die Frauen.“

Im Zeitalter der Abbasidenkhalifen (775 – 847) wurden Blumen zur Herstellung von Kosmetika im großen Stil kultiviert. In Damaskus, Schiraz und Dschur florierte die Parfümherstellung aus Rosen, Wasserlilien, Veilchen und anderen Pflanzen. Das persische Dschur war besonders für sein Rosenwasser bekannt, das sogar bis nach China und Marokko exportiert wurde, Al-Mutawakkil, Abbasidenkhalif des neunten Jahrhunderts, liebte Rosenparfüm so sehr, dass er sich das Monopol auf dessen Herstellung mit den Worten sicherte: „Ich bin der König der Menschen und die Rose ist die Königin der Blumen …“

Während der Kreuzzüge kamen die kosmetischen Produkte des Mittleren Ostens auch nach Europa. Französische Ritter waren von den Düften so eingenommen, dass nach Ende der Kreuzzüge der Handel vieler Mittelmeeranrainerstädte von der neuen Lust der Europäer an Pflege profitierte.

Bis in die Elisabethanische Ära hinein waren arabische Kosmetika rar und hochgeschätzt. So musste auch Shakespeares Lady Macbeth zugeben, dass „alle Parfüme Arabiens“ ihre Hände vom Blut des ermordeten Königs Duncan nicht reinwaschen könnten.

Auch wenn sich die Kosmetikindustrie heute nicht länger auf den Mittleren Osten beschränkt, so kommen doch nach wie vor viele der natürlichen Zutaten für Parfüme, Cremes, Lotionen und Puder aus der Region. Über 90 Prozent der ätherischen Frucht- und Pflanzenöle Ägyptens werden heute nach Russland, Frankreich und Holland exportiert. Damit ist Ägypten der drittgrößte Produzent ätherischer Öle weltweit. Viele Rezepturen moderner französischer Parfüme wären ohne ägyptischen Jasmin gar nicht möglich.

In den vergangenen Jahren bewegt sich sie Kosmetikindustrie wieder zurück zur Natur, nicht nur weil der Verbraucher durch verschiedene Skandale beispielsweise um synthetische Moschine und deren krebsfördernde Nebenwirkungen berechtigterweise verunsichert ist; auch ein gesellschaftliches Umdenken ist Grund für den sanften Wandel zu mehr Verantwortungsbewußtsein.

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