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Weltmeister gegen Rassismus werden

Debatte: „Made in Germany“ sollte Qualitätssiegel für deutsche Anti-Diskriminierungsarbeit sein

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Foto: Hussain Abdullah, Shutterstock

(iz). Wir Deutsche feiern uns gerne als Fußball-, Export- und Klimaschutz-Weltmeister. Das ist schön und gut, aber der Export erfolgreicher Anti-Rassismus-Arbeit sollte wichtiger sein, als die Ausfuhr von Gütern. „Made in Germany“ sollte ein Qualitätssiegel für erfolgreiche deutsche Anti-Rassismus-Arbeit werden.

Die SPD-Bundesvorsitzende Esken hat es gewagt: Nach dem Mord an George Floyd durch brutale Polizeigewalt in den USA, sprach sie mit Blick auf Deutschland von einem „latenten Rassismus in den Reihen der Sicherheitskräfte.“ Damit hat sie den Konsens in weiten Teilen der Politik und der Bevölkerung infrage gestellt.

Der Widerspruch blieb nicht aus. Ex-Unionsfraktionschef Merz, Niedersachsens Innenminister Pistorius (SPD) und nicht zuletzt der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Schilff meldeten sich zu Wort. Sie betonten einhellig: Man könne die rassistische Polizeigewalt in den USA nicht mit Deutschland vergleichen.

Das ist zwar richtig, wie der renommierte Kriminologe Pfeiffer bestätigte, aber das bringt uns in der Rassismus-Debatte hierzulande kein Stück weiter. Wir können uns in Deutschland nicht darauf ausruhen, dass der Rassismus anderswo auf der Welt stärker ausgeprägt ist.

Fakt ist: Deutschland hat ein Problem mit institutionellem Rassismus, insbesondere bei der Polizei. Das hatte eine UN-Kommission bereits 2017 festgestellt und bezog sich auf die gängige Praxis von Racial-Profiling der Sicherheitsbehörden. Damit ist gemeint, dass Personen aufgrund ihrer Hautfarbe in Polizeikontrollen geraten und somit verdächtigt werden.

Gerade in Deutschland, mit unserer Vergangenheit und der daraus resultierenden Verantwortung, müssen wir den Anspruch haben Anti-Rassismus-Weltmeister zu sein. Mit weniger sollten wir uns nicht zufrieden geben und das wäre in anderen Bereichen überhaupt nicht denkbar.

Wir Deutsche feiern uns gerne als Fußball-, Export- und Klimaschutz-Weltmeister. Man stelle sich vor, der Wirtschaftsminister würde sich bescheiden vor die Kamera stellen und sagen: Wir sind zwar kein Export-Weltmeister mehr, aber immerhin liegen wir noch vor Japan. Das wäre unvorstellbar!

Und genauso unvorstellbar sollte es sein, dass wir uns bei Defiziten in der Anti-Rassismus-Arbeit mit Blick auf andere Staaten herausreden, die in dieser Kategorie maximal als Entwicklungsländer gelten. Der Export erfolgreicher Anti-Rassismus-Arbeit sollte wichtiger sein, als der Export von Gütern. „Made in Germany“ sollte ein Qualitätssiegel für erfolgreiche deutsche Anti-Rassismus-Arbeit werden.

Export- und Klimaschutz-Weltmeister zu sein ist zweifelsohne wichtig, Fußball-Weltmeister ist auch eine schöne Sache, mit der wir uns rühmen können, aber von Bedeutung für unser Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft ist vor allem die Anti-Rassismus-Arbeit.

Auf dem Weg zum Anti-Rassismus-Weltmeister ist noch viel zu tun: Wir müssen es im Vergleich zu anderen Ländern schaffen, die Diskriminierung im Bildungssystem, bei der Wohnungssuche, auf dem Arbeitsmarkt und allen anderen Lebensbereichen auf ein Minimum zu reduzieren.

Davon sind wir jedoch noch weit entfernt: Die Zahl der Menschen, die sich wegen rassistischer Diskriminierung an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gewandt haben, ist erneut gestiegen. Dem Jahresbericht der Stelle für 2019 zufolge, gab es im vergangenen Jahr einen Anstieg von 1070 auf 1176 Fälle. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2015.

Auf dem Weg zum Anti-Rassismus-Weltmeister muss Rassismus in den Schulen, den Medien und in der Politik ein zentrales Thema sein. Jede Person ist aufgefordert, die eigenen Vorurteile regelmäßig zu hinterfragen.

Und wir dürfen als Gesellschaft nicht zur Ruhe kommen, solange eine offensichtlich rechtsradikale Partei im Bundestag und in allen Landtagen der Republik vertreten ist. Fürs Erste sollte der Begriff „Rasse“ endlich aus dem Grundgesetz gestrichen werden, weil es keine unterschiedlichen Menschenrassen gibt.

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Said Rezek

Said Rezek

Said Rezek ist Politikwissenschaftler und freier Journalist. Er schreibt insbesondere über Medien, Muslime, Migration und Rassismus – unter anderem für die „taz“, den „NDR“ und „MIGAZIN“. Als Blogger ist er vor allem auf Facebook unterwegs und bietet bundesweit Blogger-Workshops gegen Rassismus an.

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Über Said Rezek (7 Artikel)
Said Rezek ist Politikwissenschaftler und freier Journalist. Er schreibt insbesondere über Medien, Muslime, Migration und Rassismus – unter anderem für die „taz“, den „NDR“ und „MIGAZIN“. Als Blogger ist er vor allem auf Facebook unterwegs und bietet bundesweit Blogger-Workshops gegen Rassismus an.
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