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Weltweite Demonstrationen zum Tod von Muslimin in Dresden

Muslime empört

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Teheran/Berlin (dpa). Die tödliche Messerattacke auf eine Muslimin in einem Dresdner Gerichtssaal sorgt weiter für Empörung in der islamischen Welt. Bei einem «Trauermarsch» am Freitag in Teheran protestierten hunderte Menschen – meist Anhänger der iranischen Regierung – gegen den Umgang mit der Bluttat in Deutschland. Sie riefen: «Nieder mit Deutschland». Die Regierung in Teheran legte bei der Bundesregierung Protest gegen «diese unmenschliche Tat» ein.

Kanzlerin Angela Merkel verurteilte ausdrücklich Islam- und Ausländerfeindlichkeit. Sie habe Ägyptens Präsidenten Husni Mubarak bei einem Treffen am Vortag am Rande des G8-Gipfels im italienischen L'Aquila persönlich ihre Anteilnahme ausgedrückt, sagte ein Sprecher. Außenminister Frank-Walter Steinmeier versicherte seinem ägyptischen Amtskollegen Ahmed Abul Gheit, es werde alles getan, um solche Verbrechen zu verhindern. «Wir stehen dafür ein, dass sich in Deutschland jeder ungeachtet seiner Herkunft, seiner Nationalität oder seines Glaubens sicher fühlt», schrieb Steinmeier. An diesem Samstag ist in Dresden eine Trauerfeier für die tote Ägypterin geplant. Dazu wird auch der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering erwartet.

Die schwangere Ägypterin Marwa S. war am 1. Juli mitten in einem Berufungsprozess am Dresdner Landgericht von dem Angeklagten mit mindestens 18 Messerstichen getötet worden. Gegen den Täter, einen aus Russland stammenden Deutschen (28), besteht wurde wegen Mordes Haftbefehl erlassen. Er war bereits zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er die Ägypterin vor einem Jahr auf einem Spielplatz in Dresden als «Islamistin», «Terroristin» und «Schlampe» beschimpft hatte.

//2//Die Demonstranten im Iran riefen auch Slogans wie «Nieder mit Husni Mubarak» oder «Märtyrerin des Hidschabs» (Schleier). Sie trugen symbolisch die Attrappe eines Sarges von der Teheraner Universität zum Palästina-Platz im Zentrum der Hauptstadt. Der Iran forderte die Regierung in Berlin in einer Protestnote laut der Nachrichtenagentur Fars dazu auf, die Rechte und die Sicherheit aller Minderheiten, einschließlich der Muslime, zu garantierten. Auch der italienische Botschafter wurde ins Außenministerium einbestellt, weil die G8- Staaten zu der Bluttat geschwiegen hätten.

//3//Die Tat hat bisher vor allem unter Muslimen in Deutschland sowie in der ägyptischen Heimat der aus Alexandria stammenden Marwa S. für Empörung gesorgt. Der in der arabischen Welt populäre ägyptische Autor Alaa Al-Alwani warf dem Westen in einem Beitrag für die «Süddeutsche Zeitung» (Freitag) Doppelmoral vor. Während etwa die bei den jüngsten Demonstrationen in Teheran getötete Neda, deren Bild um die Welt ging, stark betrauert werde, finde der Tod von Marwa S. kaum Beachtung. Muslim-Verbände in Deutschland haben der Bundesregierung vorgeworfen, nicht genug gegen Islam-Feindlichkeit zu tun.

Weiterführende Links zum Thema:
IZ-Chefredakteur zu Gast bei Al Jazeeras “Inside Story” zur Dresdner Tat und zur weiteren Bedeutung für Muslime in Deutschland/Europa.
KRM ruft Muslime zum Freitagsgebet auf für Marwa und ihre Familie zu beten
„Wir wollen unsere Schwester Marwa nicht vergessen“
Die Tragödie in Dresden hat einen Namen: Islamfeindlichkeit
Zusammenfassung der Medienberichte zum Vorfall

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