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Wenn wir davon ausgehen, dass Fairness und Spielregeln einvernehmlich geklärt sind, könnte man wirklich loslegen mit dem Streit um den Islam, meint Abu Bakr Rieger

Kommentar: Islamdebatten

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(iz). Nehmen wir an, unser spannendes Projekt sei, dass Befürworter und Gegner der Muslime über die Bedeutung des Islam öffentlich debattieren. Bliebe uns dann nicht nur zu sagen: „Warum eigentlich nicht?“. Wer seine eigene Sache liebt, schätzt und verkörpert, wird das Gespräch mit dem Gegner weiß Gott nicht fürchten müssen. Oft genug kann kluge Gegnerschaft gar dazu dienen, dass sie das Verständnis des Eigenen vertieft.

Aber natürlich gibt es eine Einschränkung, nämlich dann, wenn es gar nicht um den sportlichen Austausch der Argumente, sondern – mangels Respekt – eben nur um die jeweilige Diffamierung des Gegners geht. In diesem Falle dient der Gegner zur Schaffung eigener Identität und Wichtigkeit. Ein Feind muss nach dieser reaktiven Sicht immer wieder neu erfunden werden.

Die „heißen“ Islamgegner sind nur in ­Stellung gebracht, um zu schießen, nicht etwa, um zu verstehen. Sie fürchten deswegen das faire Duell. Sie bedienen sich der Mittel des unlauteren Wettbewerbs, assoziieren Willkürliches mit dem Islam, suchen extreme Einzelfälle, allein mit der Absicht, diese Extreme zur Diffamierung der Mehrheit zu nutzen, oder aber sie ­ernennen sich gar selbst zu „Experten“ und schreiben so, ohne wissenschaftliche Skrupel, die anerkannten Regeln des ­Islam einfach um.

Angesichts des heutigen hohen Ranges des Spektakels kann auch die Islamismuskeule geschickt geschwungen werden, genügt doch schon der geschickt lancierte Verdacht, um einen „Islamisten“ zu schaffen. Das Spiel ist hart – vergessen wir nicht, es geht schließlich um die ungeheure Macht zu definieren, was der Islam wirklich ist.

Bei jeder intensiven Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit geht es auch um die klassische Frage der Waffengleichheit. Hier gelten Regeln: Hat der Islamgegner oder Islambefürworter die Massenmedien oder Panikmedien hinter sich? Wer bildet die Mehrheit in der Talkshow, wer darf wie lange reden, wer bestimmt das Thema? Wer sucht aus, wessen „Wort zum Freitag“ politisch korrekt ist?

Wenn wir davon ausgehen, dass Fairness und Spielregeln einvernehmlich geklärt sind, könnte man wirklich loslegen mit dem Streit um den Islam. Allerdings hat bisher, nach der Meinung vieler Muslime, dieses Projekt der kommunizierenden Gesellschaft noch gar nicht begonnen. Es geht bisher kaum um die Kernanliegen des ­Islam und die Rolle der Millionen Muslime in Europa; es geht, und manche ­sagen, dies sei der eigentliche Erfolg der „Islamgegner“, selten überhaupt um die Botschaft des Islam. Kaum jemand spricht, soweit es um substanzielle Aussagen des Islam geht, über das Wesen der Einheit, den Sinn der Existenz, den Glauben an das Schicksal, die Freiheit der Frau oder die aktuelle Bedeutung von Wirtschaftsgesetzen im Islam.

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