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Wer den Verträgen gerecht wird

Vergessene Welt der Mu’amalat: Die Einhaltung von abgegebenen Zusagen wird im Islam besonders hoch bewertet. Von Imam Hanif Whyte

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Wer, wie beispielsweise wir auch, gele­gentlich mit vergesslichen Kunden zu tun hat, muss gelegentlich die Erfahrung ausstehender Rechnungen machen. Dabei drängt sich gelegentlich der Verdacht auf, dass der Erfüllung einer einmal eingegangenen Verpflich­tung nur eine geringe Priorität einge­räumt wird. Diese gelegentlich gewohnheitsmäßige Nachlässigkeit widerspricht den hohen Standards, die praktizierenden Muslimen im ­Rahmen der Mu’amalat eigentlich auferlegt sind. Im Folgenden geht der Autor auf die religiösen Grundlagen der Vertragstreue im Islam ein.

(iz). Ein Vertrag ist eine bindende Übereinkunft zwischen zwei Par­teien, etwas zu tun oder zu unter­lassen. Das Konzept des Vertrags wohnt unseren Beziehungen als Menschen zueinander inne. Sein Abschluss und die folgende Erfüllung geschehen mehrmals täglich. Daher ist diese Angelegenheit von erkennbarer Bedeutung für jede Gesellschaft, aber insbesondere beim Bemühen der Suche nach Allahs wahrem Din. Verträge sind Teil der Sunna Allahs im Umgang mit Seiner Schöpfung. Er, gepriesen sei Er, sagt im Qur’an: „Ehrt Meinen Vertrag und Ich werde eure Verträge achten.“ (Al-Baqara, 39)

Und an anderer Stelle heißt es: „(Das ist) ein für Ihn bindendes Versprechen in Wahrheit in der Thora, dem Evangelium und dem Qur’an. Und wer ist treuer in (der Einhaltung) seiner Abmachung als ­Allah?“ (At-Tauba, 112) Und so hat Allah, der All-Mächtige, der handelt, wie Er will, einen Vertrag begründet, dessen Erfüllung Er selbst für Sich verpflichtend machte, wenn wir unseren Vertrag mit Ihm einhalten. Überall gibt es zwei Arten von Verträgen. Erstens, die Übereinkunft zwischen dem Sklaven und seinem Schöpfer und zweitens, die Verträge, die wir zwischen uns selbst abschließen. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass der korrekte Abschluss und die Erfüllung von Verträgen unter uns abhängig von der korrekten Einhaltung der Abmachungen mit ­Allah ist. Die zweite ist unmöglich ohne die erste. Und was ist diese Abmachung, die so oft im Qur’an erwähnt wird? Wie bei allen Verträgen, hat auch das Versprechen gegenüber Allah seinen Ursprung und seine Erfüllung.

Es wurde zu Beginn der Zeiten gegeben, wie uns in einem bekannten qur’anischen Vers berichtet wird: „Und als dein Herr aus den Kindern Adams, aus ihren Rücken, ihre Nachkom­menschaft nahm und sie gegen sich selbst zeugen ließ: ‘Bin Ich nicht euer Herr?’ Sie sagten: ‘Doch, wir bezeugen (es)!’ (Dies,) damit ihr nicht am Tag der Auferstehung sagt: ‘Wir waren dessen unachtsam.’“ (Al-’Araf, 172)

In dem Augenblick, in dem der Sklave Allahs den Vertrag mit seinem Schöpfer anerkennt, wird er zum Muslim. Der nächste Schritt in der Erfüllung der Übereinkunft erhöht den Muslim auf den Rang des Mumin. Denn Allah sagt: „Die Wüstenaraber sagen: ‘Wir glauben.’ Sag: Ihr glaubt nicht (wirklich), sondern sagt: ‘Wir sind Muslime geworden’, denn der Glaube ist noch nicht in eure Herzen eingezogen.“ (Al-Hudscharat, 14)

An einer anderen Stelle beschreibt ­Allah die Muminun als jene, die ihre Verträge und Zusagen respektieren. Jeder von uns will Erfolg, aber wahrer Erfolg liegt im Zufriedenstellen Allahs. Seine Belohnung findet sich in diesem wie im nächsten Leben. Denn Er sagte: „Es sind die Muminun, die Erfolg haben.“ Dieser Erfolg ist nicht möglich ohne die Erfüllung des Vertrages.

Dabei handelt es sich nicht um ein hypothetisches Konstrukt. Betrachten wir beispielsweise, wie der Prophet Freundschaftsverträge stiftete, als er in Medina ankam. Jeder Ansar (die „Helfer“ in Medina) und jeder der Muhadschirun (die „Auswanderer“ nach Medina) hatte ein Bruderschaftspakt. Dieses ging so weit, dass die Ansar in einigen Fällen die Hälfte ihres Besitzes weggaben. Ähnliches gilt für die wechselseitige Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Allah, der Erhabene, erwähnt Verträge ausdrücklich an 39 Stellen im Qur’an. Dabei handelt es sich um nichts, das auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Wir bereits ersichtlich wurde, sind die Muminun jene, welche ihre Versprechen und Abmachungen achten.

Eines der Elemente, das die muslimische Gemeinschaft stark und vereint hält, ist die Erfüllung von Abmachungen. Zur gleichen Zeit ist der Vertragsbruch eine Ungerechtigkeit; unabhängig davon, wie klein oder scheinbar unbedeutend die Sache ist, zu der man sich verpflichtet hat. Es ist keine kleine Sache, ein Versprechen abzugeben und es dann nicht zu hal­ten. Oder auch eine Zusage ohne eine sinnvolle Erklärung zu brechen.

Wer einen Vertrag wissentlich bricht, hat den anderen geschädigt. Er muss ­wissen, dass ein schlechtes Gefühl das Herz der geschädigten Partei beschleicht, sodass dieses entweder in Worten oder Handlungen aus ihr herausbricht, solan­ge das Unrecht nicht behoben wurde. Wir müssen uns selbst und andere davor bewahren. Andernfalls wird es zu Streit unter uns führen und uns daran hindern, als einheitlicher Körper zu handeln. Dabei handelt es sich nicht um eine theore­tische oder ideologische ­Frage. Sie muss unsere Handlungen durchdringen.

Während es sowohl formelle und infor­melle Verträge gibt, sind beide von großer Bedeutung. Wir müssen insbesondere sorgfältig bei den formalen Vereinbarungen sein, gerade auch bei finan­ziellen Transaktionen. Allah gibt uns in dieser Frage gesonderte Rechtleitung in einem langen Vers zu Ende der Sura Al-Baqara: „O die ihr glaubt, wenn ihr auf eine festgesetzte Frist, einer vom anderen, eine Geldschuld aufnehmt, dann schreibt es auf. Und ein Schrei­ber soll (es) für euch gerecht aufschreiben. (…) Und fürchtet Allah! Und Allah lehrt euch. Allah weiß über alles Bescheid.“ (Al-Baqara, 281)

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