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Wer ist Abiy Ahmed?

Ein Man hat es geschafft, den Grenzkonflikt mit Eritrea zu beenden. Von Markus Schönherr

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Foto: Odaw, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-Sa 4.0

Addis Abeba (KNA). „Es gibt Dinge, die viele für unmöglich halten. Eines davon ist die Normalisierung der Beziehungen zu Eritrea“ – so fasste die äthiopische Präsidentin Sahle-Work Zewde das Verhältnis zum ostafrikanischen Nachbarland zusammen. Der junge Premier des Landes, Abiy Ahmed, hat das scheinbar Unmögliche geschafft. Dafür wird er nun mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Familien, die über Jahrzehnte getrennt waren, fallen einander in die Arme. Telefonleitungen, die ebenso lange stillgelegt waren, senden erstmals wieder Signale. Geschäftsleute nehmen historische Handelsrouten wieder auf. Nach Jahren der Blockade verkehren wieder Flugzeuge zwischen den Hauptstädten. Tatsächlich überraschte der Friedensschluss zwischen Eritrea und Äthiopien im vergangenen Jahr die ganze Welt. Möglich gemacht hatte diesen Schritt erst die Wahl Abiys zum äthiopischen Ministerpräsidenten im April 2018.

Abiy wurde 1976 in der Volksgruppe der Oromo geboren. Sie ist Äthiopiens größte Ethnie, aber zugleich eine der unterdrücktesten Gruppen in der 110-Millionen-Nation. „Von einem muslimischen Vater und einer christlichen Mutter erzogen, wurden ihm von klein auf die Werte von Toleranz und Verständigung über Grenzen hinweg mit auf den Weg gegeben“, schreibt die Weltbildungsorganisation Unesco über den inzwischen weltweit berühmten Mann.

Als Jugendlicher trat Abiy dem Widerstand gegen das kommunistische Derg-Regime bei, dessen Militärdiktator Mengistu Haile Mariam das eigene Volk tyrannisierte. Später studierte Abiy Politik und Wirtschaft – mit einem Doktortitel in Friedens- und Sicherheitsforschung. Zum Premier seines Landes wurde er durch den Rücktritt seines Vorgängers, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als die Proteste in und um die Hauptstadt Addis Abeba ihren Höhepunkt erreicht hatten.

Bis vor kurzem gehörte Äthiopien der berüchtigten Liga von Afrikas repressiven Polizeistaaten an: Proteste wurden im Tränengas erstickt, Journalisten und Oppositionspolitiker verhaftet, Informationen unterdrückt. Der Wandel kam mit Abiy Ahmed fast über Nacht. In seinem ersten Amtsmonat entließ er Tausende politische Häftlinge und startete Gespräche mit Kritikern, die seine Vorgänger wie „Terroristen“ behandelten. Er reformierte die Justiz, hob die Blockade von Websites und Fernsehsendern auf und besetze die Hälfte seiner neuen Regierung mit Frauen.

Als größten Erfolg werten Beobachter freilich den Friedensschluss mit Eritrea. Noch vor zwei Jahren knallten an der Grenze zwischen den beiden Ländern die Maschinengewehre, als sich die Truppen gegenüberstanden. Bewohner in der Region fühlten sich an den erbitterten Grenzkrieg zwischen 1998 und 2000 erinnert. Damals starben 80.000 Menschen. Vor einem Jahr dann gab es erneut ein Großaufgebot an Soldaten entlang des Grenzzauns. Diesmal waren die Uniformierten jedoch stille Beobachter, als ihre politischen Befehlshaber bei einer Zeremonie nach 20 Jahren erstmalig wieder die Grenze öffneten. Die Unesco lobte Abiy als einen „Agenten des Wandels und Reformer“.

Allerdings stößt Äthiopiens politischer Neuanfang auch auf Schwierigkeiten. Das wurde einmal mehr vor knapp vier Monaten deutlich, als Putschisten versuchten, die Regierung in der nördlichen Region Amhara zu stürzen. Dabei kam Abiys Armeestabschef ums Leben. Der politische Frühling und das stetige Wirtschaftswachstum werden in Afrikas zweitgrößter Nation von ethnischen Konflikten zurückgeworfen. Nach UN-Angaben wurden vergangenes Jahr mindestens 1,5 Millionen Äthiopier neu vertrieben, der Großteil davon im eigenen Land. Damit hat Äthiopien von allen Staaten weltweit die höchste Zahl an Binnenvertriebenen.

Immer wieder kritisierten Menschenrechtler Abiys Regierung für eine fehlende Unterstützung der Geflohenen. Zudem sollen die Behörden Binnenvertriebene gewaltsam zur Rückkehr gezwungen haben – das wiederum habe erneute Flüchtlingsströme ausgelöst.

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