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Wer regelt die Künstliche Intelligenz?

Von der Entwicklung neuer Technologien sind Fragen der persönlichen Freiheit und Eigentumsrechte betroffen. Rosli Omar & Jomo Kwame Sundaram

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Foto: Freepiks

(IPS). Aufgrund verschiedener Umstände und Erfahrungen gibt es gegensätzliche Tendenzen, die Macht und den Einfluss der Künstlichen Intelligenz (KI) in der heutigen Gesellschaft entweder zu übertreiben oder zu unterschätzen. Noch sollten wir alles unkritisch legitimieren, für das diese Technik eingesetzt werden kann. Selbst wenn sie die in Davos neu erklärte Grenze der vierten industriellen Revolution sein soll. KI verändert, mehr als jeder andere Bestandteil von Industrie 4.0, das menschliche Verständnis von uns auf eine Art und Weise, welche die Welt bisher nicht gesehen hat.

Der Markt für Künstliche Intelligenz ist groß und wächst weiter an. Das dafür benötigte Knowhow soll nach Branchenangaben „exponenziell“ anwachsen. Vielen Unternehmen scheint es schwer zu fallen, die Nachfrage nach Fachkenntnis zu befriedigen.

Die Rolle dieser Technik ist bereits von Bedeutung. Auf den meisten Feldern findet der Umgestaltungsprozess quälend langsam statt. Üblicherweise werden hier manuelle und qualifizierte Arbeitsplätze verdrängt. Es gibt beispielsweise in der Landwirtschaft Ausrüstungen, die Wasser und Pflanzennährstoffe bereitstellen, aber auch Wachstum messen, Schädlinge ausmerzen und sich um die Bedürfnisse einzelner Pflanzen kümmern.

Testphasen für führerlose PKWs sind teilweise fortgeschritten: Künstliche Intelligenz wird genutzt, um Lieferketten und Logistik sprunghaft voranzutreiben. KI-basierte Technologie wird in der Über­wachung eingesetzt, im Polizeidienst, bei der Kriminologie sowie Tötung militärischer und extralegaler Ziele. Letzteres ist dank der Schäden an der Zivilbevölkerung längst berüchtigt geworden. KI-Applikationen in der Gesundheitsfür­sorge, in der Altenpflege sowie in der Präzisionsmedizin und -chirurgie gehören zu den bekannteren Anwendungen. ­Solche Maschinen sind in der Lage, viele Dinge effizienter als Menschen und Aufgaben zu erledigen, die für den Menschen zu gefährlich oder zu schwierig sind.

Das Mantra, zu dessen Nachahmung wir aufgefordert werden, ist die unbeschränkte Akzeptanz Künstlicher Intelli­genz, ohne deren Risiken in Betracht zu ziehen. Es gibt jedoch keinen Grund, diese Herausforderung in solchen binären Begriffen zu formulieren. Ein Großteil der Entwicklungen auf diesem Gebiet wird von wirtschaftlichen Interessen ­angetrieben. Und die Ökonomie formt ihrerseits Politik und das Recht beeinflusst Wissenschaft und Technologie. Außerdem nimmt sie Einfluss darauf, wie Künstliche Intelligenz gesehen und verstanden wird.

Big Business und seine Vertreter haben das Wissen, die Meinung und das Gefühl der Öffentlichkeit seit langem verwaltet, gestaltet und manipuliert. Nicht ausschließlich bezüglich KI und ihre Anwen­dungen, sondern auch in Hinsicht auf Verantwortlichkeit und Verantwortung der Industrie. Diese Technologie hängt von Informationen ab, insbesondere von Big Data, um menschliche Denkprozesse und Verhaltensweisen nachzuahmen und zu verbessern.

Der Frage nach dem Bruch der Privatsphäre wurde erhebliche Aufmerksamkeit geschenkt. Davon sind Fragen der persönlichen Freiheit und der Urheberrechte betroffen. Häufige Entschuldigungen von Technologiefirmen für frühere ­Brüche und sogar den Verkauf persönlicher Daten sind dermaßen zur Routine geworden, dass ihre Aufrichtigkeit fragwürdig wurde.

Fortschritte von Künstlicher Intelligenz könnten, wie einige ausgemalte Szenarien weissagen, sehr viel mehr Arbeitsplätze vernichten als angenommen. Es gibt auch Stimmen, die der Ansicht sind, dass der Einstieg in die KI uns mehr Zeit geben werde, auf dass wir uns mehr um soziale und kreative Aufgaben kümmern können. Diese unklaren Aussichten machen Planungen wie bei Lernplänen extrem schwierig.

Politiker im Allgemeinen liegen bei der Regulierung der Künstlichen Intelligenz weit zurück, insbesondere in Schwellenländern. Es ist recht schwierig, Regeln für etwas festzulegen, dessen wahren Herausforderungen noch unverstanden sind. Die Künstliche Intelligenz hat nicht nur das Potenzial uns dabei zu helfen, die Dinge besser, schneller und effizienter zu gestalten. Wir müssen die multiplen Funktionen dieser Technologie erkennen, um ihre Komplexität zu verstehen. Gesetze und industrielle Regularien müssen auf Höhe der Zeit sein, um mit diesem Wandel Schritt halten zu können.

Fest steht: Die Künstliche Intelligenz wird bleiben. Jedenfalls haben Business, Investoren, Politiker und Technologen das beschlossen. Sie mag ein großes Potenzial haben. Aber ob und wie Industrie, Regierungen und Menschen sie einsetzen, bleibt abzuwarten. Was ist die Verantwortung von Unternehmen, die Künstliche Intelligenz schaffen, verkaufen und anwenden? Werden ihr Aufstieg und ihre Verbreitung zu neuen Formen von Massenüberwachung, -kontrolle und -manipulation führen? Vielleicht gar zu digitaler Diktatur oder Autoritarismus?

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