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Wie begehen Muslime das Ende des Ramadan?

Die Bedeutungen des Fastenmonats manifestieren sich besonders in seinem Ende

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Foto: Mohammed Tawsif Salam, via Wikimedia Commons | Lizenz: CC BY-SA 3.0

„Wer sich reinigte, den Namen seines Herrn anrief, dann das rituelle Gebet verrichtete, wird Erfolg haben.“ (Al-‘Ala, 14-15)

Am Ende des Ramadans steht das Fest des Fastenbrechens vor der Tür. Der Feiertag ist neben dem ‘Id Al-Adha, dem Opferfest, das zweite große Fest im Islam. Türkische Muslime kennen das ‘Id Al-Fitr auch als Ramazan Bayrami oder Seker Bayrami (Zuckerfest), während im Arabischen ‘Id Al-Fitr auch als ‘Id As-Saghir (das kleinere Fest) bekannt ist.

Das richtige Ende finden
Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte, dass die Handlungen ihren Wert in ihrem Ende finden. Die letzten Tage des Fastenmonats sind die wichtigsten für jeden. Sie sind das Siegel.

Der Prophet, Allahs Heil und Segen auf ihm, sagte in einem bekannten Hadith: „Handlungen sind wie ein Gefäß. Ist der obere Teil gut, wird der untere Teil gut sein. Aber wenn der Anfang verdorben ist, wird der Boden ebenfalls verdorben sein.“ Im Siegel einer Handlung offenbart sich die wahre Absicht einer Person; wenn die Handlung nicht länger so leicht ist, wie sie zu Beginn gewesen sein mag. Das gilt für das Ende des Ramadan, wenn die Tage des Fastens und die Nächte im Gebet ihren physischen Preis fordern und das Energieniveau absinkt.

Unsere Meisterin ‘Aischa, möge Allah mit ihr zufrieden sein, überlieferte: „Der Prophet strengte sich in den letzten zehn Nächten des Ramadan stärker an als im restlichen Monat.“ Muslime sollten den Monat gut abschließen. Wir sollten gerade die letzten Augenblicke nutzen und sie mit Handlungen füllen, die Allah am meisten zufriedenstellen. Wir sollten unseren Gast im gleichen Ton verabschieden, in dem wir ihn begrüßten.

Dankbarkeit
Wir danken unserem Herrn, denn Er hat uns ermächtigt, zu vollenden und zu ertragen. Wir wissen – und erkennen diesen Fakt an –, dass am Ende des Ramadan wir über jedes Maß hinaus geehrt werden. Denn wir haben eine der großen Säulen Seines Dins erfüllt. Das verpflichtende Fasten ist einer der Akte, die den Fastenden vom Rest der Schöpfung trennen.

Daher feiern die Muslime das Ende des Ramadan und erfreuen sich daran. Sie trauern nicht oder sprechen sich ihr Beileid aus. Allah sagt in Seinem Edlen Buch: „Sprich: ‘Über Allahs Gunst und Seine Gnade, darüber sollen sie sich freuen. Dies ist besser als das, was sie anhäufen.’“

Das Herz der Angelegenheit, und Anlass für Dankbarkeit, ist, dass es für Muslime kein größeres Geschenk als den Islam gibt. Und keine größere Segnung, als in der Lage zu sein, den Anweisungen Allahs folgen zu können. Es ist der natürliche Schöpfungszustand des Menschen, den Einen anzubeten, Der uns auf die Erde gebracht hat. Dafür wurden wir geschaffen. Allah sagt im Qur’an: „Ich schuf die Dschinn und die Menschen nur, damit sie Mich anbeten.“ (Adh-Dharijat, 56)

Der Feiertag
Für Muslime ist das Ende des Ramadan nicht nur eine Quelle der Traurigkeit. Obendrein ist es ein Anlass zur Freude. Denn es ist an diesem Tag, an dem wir eine der größten Handlungen der Anbetung abschließen, die Allah für ebendiese Umma vorgeschrieben hat. An diesem Tag brechen wir unser Fasten und haben erneut freizügig an allen Segnungen Anteil, die Allah uns gewährt hat.

Dieser Tag ist ‘Id Al-Fitr. Es ist verboten, an jenem Tag zu fasten. Es ist angeraten, sich zu bemühen, zumindest einen Bissen vor dem Feiertagsgebet zu uns zu nehmen. Das war die Praxis des Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben.

Sein Gebet
Außerdem ist das Feiertagsgebet eine sehr starke Sunna für die gesamte Gemeinschaft – Männer und Frauen, alt und jung. Jeder sollte sich bemühen, daran teilzunehmen. Umm Atijja überlieferte vom Gesandten Allahs, Heil und Segen auf ihm: Er forderte die jungen unverheirateten Frauen, die ältere Damen, diejenigen, die sich in ihre Häuser einschlossen sowie die Menstruierenden auf, für dieses Ritual hinauszugehen. Die Menstruierenden jedoch blieben jenseits des Ortes für das Gebet (Musalla, nicht die übliche Moschee, sondern üblicherweise eine Freifläche) und nahmen davor an den Bittgebeten teil.

Jeder, der zum Feiertagsgebet kommt, sollte eine große rituelle Ganzkörperwaschung (arab. Ghusl) machen, bevor er oder sie kommt. Man sollte die beste Kleidung – vorzugsweise neue – anziehen. Im Falle der Männer sollten diese auch das beste Parfüm verwenden. Mu’adh ibn Dschabal berichtete, dass „uns der Prophet befahl, wenn wir zur Musalla kamen, die bestmögliche Kleidung zu tragen. Denn das war einer der besten Wege, unsere Freude und unser Glück zu zeigen sowie die erhaltenen Segnungen“. Das ist eine der Gelegenheiten, bei der man sich mit der Kleidung nicht zurückhalten sollte. Denn der Tag dreht sich um den Stolz auf die Gunsterweise, die wir von unserem Herrn erhalten haben.

Schließlich empfiehlt es sich, die Nacht nicht zu vernachlässigen, die dem ‘Id vorausgeht. Obschon es kein Tarawwih-Gebet mehr gibt wie in der Zeit zuvor, ist es gut, sie mit der Erinnerung Allahs und nächtlichen Gebeten zu füllen. Der Gesandte Allahs, Segen und Frieden auf ihm, sagte hierzu: „Das Herz eines jeden, der die Nacht des ‘Ids und die Nacht in der Mitte des Scha’ban mit Leben erfüllt, wird an dem Tag nicht sterben, an dem alle Herzen sterben.“

Vorbereitung
Das letzte Ramadandrittel vergeht schneller, als viele glauben. Es ist wichtig, dass wir es nicht ungenutzt verstreichen lassen. Gerade viele Frauen sind damit beladen, die Familie zu versorgen, die Kinder zu unterhalten, Einladungen zu planen und auch noch den Feiertag zu organisieren. Darüber hinaus erwarten viele von sich auch noch, „Ramadanstimmung“ zu erzeugen sowie sich spirituell zu verbessern.

Ein realistisches Konzept der eigenen Möglichkeiten und eine Begrenzung von Erwartungen helfen hier, Stress zu vermeiden. Im Gegensatz zu heutigen Tendenzen, die Muslimen im Stile mondäner Lebensberatung einen „Katalog“ verpassen wollen, sei Gelassenheit empfohlen.

Ramadan ist kein Wettkampf, dessen Erfolg sich an extra vielen Gebeten oder der gelesenen Seitenzahl des Qur’an misst. Das Fasten als existenzielle Erfahrung ist der Akt selbst. Es muss nicht um jeden Preis im Wahn einer Selbstverbesserung unterzogen werden.

Kein anerkanntes Fasten ohne Zakat Al-Fitr
Der bekannte Prophetengefährte und Gelehrte Ibn ‘Umar berichtete, dass der Gesandte Allahs es für jeden Muslim – frei oder abhängig, männlich oder weiblich, jung oder alt – zur Pflicht machte, die Zakat Al-Fitr zu geben. Pro abhängiger Person sowie Haushaltsmitgliedern handelt es sich dabei um ein Sa’ (medinensisches Volumenmaß). „Er befahl, sie zu bezahlen, bevor die Leute zum ‘Id-Gebet hinauszogen.“ Und Imam At-Tirmidhi überliefert, wie der Prophet Leute entsandte, die in jeder Straße Mekkas ausriefen, dass die Zakat Al-Fitr eine Pflicht für jeden Muslim ist.

Die Pflichtabgabe wird in den haltbaren Grundnahrungsmitteln des Landes gegeben, in dem man sich aufhält – wie Reis, Pasta oder Datteln. Bedingung ist, dass sie haltbar und lagerfähig sein müssen. Das ist die allgemein anerkannte Position bei der malikitischen und schafi’itischen Schule. Hanafiten erlauben den Gebrauch von Geld. Wenn die Zakat Al-Fitr gezahlt wird, muss die Qualität der ausgehändigten Lebensmittel mindestens so gut sein wie jene, die man alltäglich konsumiert. Passender ist, die bestmögliche Qualität zu nehmen.

Die Menge, die für jede Person gegeben werden muss, ist ein Sa‘ des Gesandten Allahs. Dabei handelt es sich um vier Madd, oder Handvoll, wie sie den Händen des Propheten entsprechen. Es wurde berechnet, dass es sich dabei um ca. zwei Kilogramm Reis oder Getreide handelt. Demnach bezahlt eine dreiköpfige Familie sechs Kilo haltbarer Lebensmittel usw.

In Deutschland hat es sich infolge neuer Rechtsmeinungen entwickelt, dass Muslime statt der physischen Abgabe Banknoten in die Spendendosen von Moscheegemeinden werfen oder Geld an Hilfsorganisationen überweisen. Von Zeit zu Zeit sieht man auch in manchen Moscheen Mitglieder Geld, vor Beginn des Feiertagsgebets, einsammeln. In Anbetracht von Flüchtlingen, Armenküchen und anderen Möglichkeiten vor Ort, findet die traditionelle Abgabe der Zakat al-Fitr wieder öfter Verwendung. Viele Haushalte fahren diesbezüglich mittlerweile zweigleisig.

Wer den richtigen Zeitpunkt verpasst …
Die beste Zeit für die Zakat Al-Fitr liegt zwischen Beginn der Morgendämmerung am Feiertag und dessen Gebet selbst. Es ist allerdings erlaubt, sie ein oder zwei Tage zuvor zu zahlen. Letzteres erlaubt eine Verteilung der Lebensmittel vor dem Gebet. Wer den Zeitpunkt verpasst, hat den Zeitrahmen für die Zakat Al-Fitr überschritten. Ihre Fälligkeit bleibt bestehen. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Wenn ihr sie vor dem Gebet bezahlt, wird sie angenommen. Zahlt ihr aber nach dem Gebet, ist sie wie jede andere Spende.“

Sie erfüllt zwei Funktionen. Erstens reinigt sie den Besitz, denn der Gesandte Allahs sage: „Soweit es die Reichen unter euch betrifft, so wird Allah sie reinigen. Und für die Armen unter euch wird Allah mehr geben, als sie gegeben haben.“ Zweitens ermöglicht sie für die Armen und Mittellosen, an der Freude des ‘Id teilzuhaben, ohne gezwungen zu sein, zu fragen. So sagte der Prophet: „Erspart ihnen an diesem Tag die Notwendigkeit, [bettelnd] herumzugehen.“

Sich selbst erfinden
Für viele sieht so der typische Ablauf des Feiertages aus: Viele begehen den Tag als Familienfest, und nehmen sich möglichst frei. Auch Schulkinder bekommen oft problemlos schulfrei. Zum morgendlichen Gebet sind die Moscheen an beiden großen Festen so voll wie sonst nie, sodass bei vielen der Platz kaum ausreicht. Nach dem Gebet trifft man sich dann zu einem festlichen Frühstück, denn ‘Id Al-Fitr ist der erste Tag nach dem Fastenmonat, an dem man wieder normal essen und trinken kann. Die ‘Id-Tage sind Tage der Einheit und Gemeinschaftlichkeit der Muslime. Es ist auch eine Sitte, an den Tagen des ‘Id die Friedhöfe zu besuchen und für die Verstorbenen zu beten und Qur’an zu rezitieren. So werden auch sie an diesem Tag einbezogen und nicht vergessen.

Viele Moscheen veranstalten anlässlich der Festtage große öffentliche Feiern. So können zum Beispiel auch Studenten, die das Fest ohne die Familie verbringen, oder neue Muslime, die noch nicht über viel familiären Bezug zu Muslimen verfügen, ein Gefühl von Feierlichkeit haben. Aber auch nichtmuslimische Gäste bekommen so die Möglichkeit, die Freude über die Festtage mitzuerleben.

Wichtig ist es, an den Festtagen einen positiven Bruch mit der Alltäglichkeit zu vollziehen. Man sollte sich freudigen Aktivitäten widmen und die Zeit in bestmöglicher Gesellschaft verbringen.

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