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Wie findet man zum Islam?

Die IZ-Reihe über den Alltag der Muslime. Von Fauzia Lewandowski

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„Und wenn du sie fragst: ‘Wer hat die Himmel und die Erde erschaffen?’, dann sagen sie gewiss: ‘Allah.’ Wie ­können sie sich dann doch abwenden?“ (Al-’Ankabut, 61)

„Sagt mir, wenn einer von euch einen Fluss vor seiner Tür hätte und darin fünf mal jeden Tag badete, würde irgendwelcher Schmutz an ihm bleiben? Ihm wurde geantwortet: ‘Nein, kein Schmutz würde bleiben.’ Er fuhr fort: ‘Genauso ist es mit den fünf Gebeten. Durch sie löscht Allah alle falschen Taten aus.’“ (Hadith des Propheten Muhammad)

(iz). In einem der grundlegendsten Verse des Qur’an werden wir daran erinnert, dass Allah den Menschen nur erschuf, damit dieser Ihn anbetet. Manche Kommentatoren des Qur’ans sind der Ansicht, dass diese Aussage – neben ihrer expliziten Bedeutung – auch auf das Wissen (Ma’rifa) von Allah verweist. Denn nur mit diesem kann Allah tatsächlich angebetet werden. Der Weg dieser Anbetung ist – weit davon entfernt, nur „Religion“ zu sein – Islam, der in seiner Essenz durch alle Propheten, von Adam bis Muhammad, möge Allah ihnen allen Frieden geben, an die Menschen weitergegeben wurde.

Anders als Kulturkrieger außerhalb und Nationalisten innerhalb des Islam meinen, ist dies nicht der ­ausschließliche Besitz bestimmter Stämme oder ­Völker. Bevor Allah die Menschen und die Dschinn in die Existenz brachte, versam­melte er ihre Seelen und fragte sie: „Bin ich nicht euer Herr?“ Alle versammelten Seelen bejahten dies. Daraus ergibt sich der Schöpfungsvertrag, wonach Allah uns versorgt und wir Ihn entsprechend unse­rer natürlichen Form anbeten. Diese „Transaktion“ ist eine Bringschuld des Menschen und wird dementsprechend mit dem arabischen Wort „Din“, das sich aus „Schuld“ ableitet, bezeichnet.

Jeder wird als Muslim geboren. Daher ist es – trotz der Konvention – falsch, von „Konvertiten“ zu sprechen. Menschen, die den Islam „annehmen“ bezeu­gen vielmehr, dass sie in diesem Zustand geboren wurden und kehren zu ihm zurück. Man reißt den Schleier der Illusion hinweg, der diese Wahrheit bedeckt.

Tür zum Islam
Der Schlüssel zur Erkenntnis Allahs ist die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Illusion. Ihr existenzieller Akt, der zugleich der Beginn des Islam ist, sind die Schahadatain, das doppelte Glaubens­bekenntnis („Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah und dass Muham­mad Sein Gesandter ist“). „Aus einer prophetischen Aussage ­wis­sen wir, dass eine Person durch das hörbare Aussprechen dieses Satzes von der Dunkelheit in das Licht tritt. Die Tore zu Allahs Wohlgefallen, Gnade und Vergebung, die ihr vorher verschlossen blieben, sind nun weit aufgerissen. Ihre ­guten Taten nutzen ihr von nun an und werden Früchte tragen“, schrieb Schaikh Habib Bewley in einem Text.

Damit bringt man zum Ausdruck, dass man dies sowohl im Herzen glaubt, als auch mit der Zunge bezeugt. Die Schaha­da enthält zwei Teile, die nicht vonein­ander zu trennen sind: Nämlich die Bezeugung der Einheit Allahs und das es ausschließlich Allah ist, der anbetungswürdig ist. Der zweite Teil ist die Anerkennung, dass Muhammad Sein Gesandter ist. Dies impliziert auch, dem Vorbild des Gesandten zu folgen. Entgegen modernistischer Interpretationen ist der erste Teil der Schahada nicht ohne den zweiten zu haben. „Es gibt keinen Tauhid [das islamische Einheitsdenken] ohne den Gesandten“, ist eine der Grundaussagen der Gelehrten über die Schahada.

Dem Menschen wurde der Zugang zum Wissen von der Göttlichkeit immer durch Männer gegeben, die dank ihrer Natur offen dafür sind und dafür bestimmt waren, ihre Mitmenschen darüber zu informieren. Die Auserwählten berichteten ihrer Umgebung von der Einheit Allahs und leiteten sie auf einem Weg, durch den diese ebenfalls Wissen davon erlangten und in Harmonie mit dieser Realität leben konnten. Wir haben immer noch Zugang zu dieser Rechtleitung in ihrer kompletten Form durch den letzten dieser Männer, die von der Realität inspiriert wurden. Dies war Muhammad, der letzte der Gesandten ­Allahs an die Menschheit.

Das [doppelte] Glaubensbekenntnis ist der Schlüssel, der den Rest der ‘Ibadat – die Anbetung – öffnet. Die Schahadatain ermöglichen es dieser Person, ihr Potenzial als menschliches Wesen zu erfüllen“, erläutert der Gelehrte.

„Im Qur’an sagt Allah, dass der Prophet ‘Uswatun Hasana – das schöne Vorbild’ ist. Muhammads Lebensweise war der Qur’an. Darüber sagte einer seiner Gefährten: ‘Wir Muslime sind die (die angesehenste Gemeinschaft) aus zwei Gründen: Wir folgen dem Qur’an, der die echte Offenbarung Allahs ist und wir haben die Sunna von Muhammad, dem Gesandten Allahs’“, sagte der bosnische Gelehrte Dzemaluddin Latic auf einer Veranstaltung der IZ zum Thema.

Muslim(in) werden
Um Muslim zu werden, muss man die Schahada vor zwei Zeugen aussprechen. In der Praxis wird sie zu diesem Anlass oft drei Mal hintereinander ausgesprochen. Dabei zu sein, wenn jemand die Schahada spricht und Muslim wird, ist selbst, wenn man dies schon häufiger miterlebt hat, immer wieder ein besonde­res, erhebendes Gefühl. Es heißt, dass die Anwesenheit in diesem Augenblick besser ist als alles, was zwischen den Himmeln und der Erde ist.

Manchmal wird die Schahada im kleinen Kreis, vielleicht in der Wohnung befreundeter Muslime gesprochen, manchmal in einer Moschee vor einer großen Zahl anwesender Muslime. Als neuer Muslim ist man in einer solchen Situation und angesichts einer Entscheidung von einer solchen Tragweite in der ­Regel überwältigt. Die anwesenden Muslime gratulieren dem neuen Mitglied der Gemeinschaft, umarmen es und heißen es willkommen.

Mehrfacher Vertrag
Die Schahada ist der Schlüssel, der den Rest der ‘Ibada – die Handlungen der Anbetung – für uns öffnet. „Sie reinigt die Tafel des Menschen vollkommen. All ihre falschen Handlungen vor der Zeit des Islam sind hinweggefegt, als hätten sie niemals existiert“, meint Schaikh Habib Bewley. „In den Augen Allahs und angesichts ihrer Rechenschaft [am Tag des Jüngsten Gerichts] sind diese niemals geschehen.“

Die Bezeugung dieser grundlegenden Wahrheiten, die jeder gebürtige Muslim mindestens einmal aussprechen sollte, geht mit der Anerkennung einer ebenso grundlegenden Verantwortung einher. Sie betrifft nicht nur diejenigen Menschen, die die Schada aussprechen, sondern auch die Gemeinschaft, in der dies geschieht. Dieser bewusste Akt ist „ein Vertrag zwischen uns und unserem Herren“, so Schaikh Bewley. „Ein Vertrag, der darin besteht, Ihm darin darin zu gehorchen, was Er uns wie auch Seinem Gesandten befiehlt. Das Minimum, zu dem wir angehalten sind, ist die Befolgung der Säulen des Dins – das Gebet, die Zakat, das Fasten im Ramadan und die Hadsch.“

Ein Anfang
Auch wenn das bloße Aussprechen der doppelten Glaubensbezeugung ausreicht, einen Menschen zum Muslim zu machen, wird man nur durch ihre Bestätigung im Herzen zum Mumin – zum Gläu­bigen. Und so wie die Schahada jede Handlung der Anbetung in sich birgt, enthält sie jeden Aspekt der Glaubenslehre. Ein genaues Studium von „La ­ilaha illa Allah“ ergibt, dass sie jede der Göttlichen Eigenschaften Allahs enthält: Seine Existenz, die ohne Anfang ist und für immer andauert; Seine absolute Unabhängigkeit; Seine vollkommene Trennung von allem, was in-der-Zeit ist; ­Seine Einheit in Seiner Essenz, Seinen Eigenschaften und Seinen Handlungen, und dass Er Leben, Macht, Wissen, Willen, Hören, Sehen und Sprache besitzt.

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