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Wie nähert man sich dem Fastenmonat?

Gedanken eines US-amerikanischen Imams über Empfehlenswertes und zu Vermeidendes im gesegneten Ramadan

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Screenshot: Yoshwar Saridam | Youtube

In sehnsüchtiger Erwartung des Anfangs des gesegneten Ramadan, wünsche ich allen ein angenommenes und gereinigtes Fasten. Wir beten dafür, dass diese Zeit eine Spanne der spirituellen Erneuerung wird. Eine Zeit, wenn man dazu in der Lage ist, für den vollen Nutzen der Göttlichen Geschenke, die den Anbetenden angeboten werden.

Diejenigen, die nicht in der Lage waren, sich in den beiden Monaten Radschab und Scha’ban auf den Ramadan vorzubereiten, sollten insbesondere den Ramadan gewissenhaft umsetzen. Beachten wir die folgende Worte des Dichters: „Horche! O du, der nicht damit zufrieden war, im Radschab falsche Handlung zu vollziehen. Seine Rebellion gegen seinen Herrn musste während der Dauer das Scha’bans anhalten. Der Monat des Fastens ist nun gekommen, um dir Schatten und Schutz zu geben. Verwandle ihn nicht in einen Monat der falschen Taten. Lies den Qur’an und verherrliche (Allah), mit eifriger Zunge. In der Tat! Er ist ein Monat der Verherrlichung und des Qur’an. Verneine die Leidenschaften deines Körpers und suche das Heil deiner Seele.

Irgendwann wird die Erde den Körper verzehren. Wie viele Verstorbene hast du gesehen, die fasteten – in deiner Familie, bei deinen Nachbarn und Brüdern? Der Tod hat sie ausgelöscht, und dich zurückgelassen. Sei ernsthaft, denn die Lebenden sind den Toten nah. Du erfreust dich an der Kleidung des ‘Ids [Feiertag am Ende des Ramadans], die nun für den Feiertag geschnitten wird. Aber bald wird sie dein Totenkleid sein. Wie lang kann eine Person in ihrer weltlichen Behausung glücklich sein? Bedenke, dass ihre endgültige Heimat das Grab ist.“

Wir hoffen, dass der Ramadan für uns ein Mittel des spirituellen Aufstiegs ist. Wenn dies geschieht, und unsere körperlichen Leidenschaften abnehmen, können wir uns in jener Art des Fastens üben, wie sie von unseren rechtgeleiteten Vorläufern beschrieben wurde: “Fastet eurer gesamtes Leben. Macht den Tod zu eurem ‘Id! Das Leben selbst ist ein Fasten für die Rechtgeleiteten. Denn es besteht im Fernbleiben von verbotenen Lüsten. Wenn der Tod zu ihnen kommt, dann endet ihr Fasten. In diesem Augenblick finden sie den Neumond des Festtages.“

In Nachfolge der prophetischen Sunna
Es ist für alle Muslime empfehlenswert, die prophetischen Gewohnheiten (Sunnan) des Ramadan zu befolgen. So sollten sie versuchen, eine Mahlzeit vor Sonnendämmerung (Sahur) zu sich zu nehmen, egal wie klein sie auch sein mag, und sich gleichermaßen dabei beeilen, das Fasten so früh wie möglich zu brechen. Der Sinn dieser Zeit besteht auch in der Steigerung des Gehorsams. Dies wird dadurch erreicht, dass wir gewissenhaft an den Regeln bezüglich des Fastens festhalten. „Oh ihr, die ihr Iman habt. Das ist euch vorgeschrieben, so wie es jenen vorgeschrieben wurde, die euch vorausgingen, damit ihr Taqwa haben möget.“ (Al-Baqara, 183)

Ebenso sollten wir uns gegenseitig dazu anhalten, gerade jetzt großzügig zu sein. Unser geliebter Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, war schon üblicherweise überragend großzügig. Im Ramadan war er sogar noch freigiebiger. Ibn ‘Abbas, möge Allah mit ihm zufrieden sein, überlieferte: „Der Prophet war der großzügigste aller Menschen. Er war im Ramadan noch freigiebiger, wenn Dschibril [der Erzengel Gabriel] ihn besuchte und mit ihm den Qur’an durchging. Dschibril kam zu ihm in jeder Nacht des Ramadans und ging den Qur’an mit ihm durch. Während dieser Augenblicke war der Gesandte Allahs noch großzügiger als der ungehindert wehende Wind.“ (Al-Bukhari und Muslim)

Der Qur’an im Mittelpunkt
Wir sollten jeden ermutigen, den Qur’an mindestens einmal durchzulesen. Diejenigen, die die arabische Schrift beherrschen, sollten es auf Arabisch tun, selbst wenn sie dessen Bedeutung nicht voll verstehen. Auch sollten sie die jeweilige Übertragung der Bedeutungen in ihrer Muttersprache studieren. Denen, welche die arabische Schrift nicht beherrschen, rate ich, trotzdem eine Übertragung studieren. Der Ramadan ist, neben vielen anderen Dingen, eine Feier des Qur’an. Wir sollten uns dieser Feier anschließen, indem wir während dieses gesegneten Monats häufig im Buch Allahs lesen. Unsere Imame, Malik, Abu Hanifa, Asch-Schafi’i und andere, unterichteten während des Ramadans weder Hadithwissenschaften noch islamisches Recht (Fiqh). sondern widmeten sich ausschließlich dem Qur’an.

Allah sagt über Sein Majestätisches Buch: „Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’an als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung.“ (Al-Baqara, 185)

Den inneren Frieden bewahren
Alle sollten ermutigt werden, sich im Ramadan vor dem Schaden zu hüten, den die Zunge anrichten kann. In seinem Hauptwerk „Ihja ‘Ulum Ad-Din“ (Wiederbelebung von den Wissenschaften des Dins) benennt Imam Al-Ghazali diese Gefahren wie folgt:

• Übermäßiges Reden,
• Sprechen über falsche Taten,
• Streit und Anfechtungen,
• Unnötige ausgeschmückte Rede,
• Beleidigende oder frivole Sprache,
• Erweckung des Fluchs von Allah gegen jemand anderen,
• Frivoler Gesang oder die Rezitation unmoralischer Dichtung,
• Übertriebene Späße,
• Sarkasmus und Entwürdigung,
• Weitergabe von Geheimnissen,
• Falsche Versprechen,
• Lügen und falsche Eide,
• Verleumdung und üble Nachrede,
• Die Verschlechterung der Beziehung der Menschen untereinander durch die eigene Rede,
• Das Lob von jemandem, der es entweder nicht verdient hat oder nicht in der Lage ist, bescheiden zu bleiben,
• Sprechen über Themen und Vorstellungen, bei denen man weder das notwendige Wissen hat oder die Sprachfähigkeit, die dafür notwendig wäre, und
• Rede von einfachen Leuten in Fragen, die die Domäne von Spezialisten sind.

Möge Allah uns vor diesen Schädigungen während und nach dem Ramadan bewahren. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Wer daran scheitert, die schädliche Rede zu lassen und dann nach ihr handelt, von dem verlangt Allah auch nicht, dass er das Essen und Trinken sein lässt.“ (Al-Bukhari)

Empfehlungen
Wir sind dazu aufgerufen, alle Streitigkeiten, Auseinandersetzungen und unnötigen Verstrickungen während dieses gesegneten Monates sein zu lassen. Dies ist die Zeit für tiefe Anbetung und Hinwendung zu Allah.

Es ist für uns empfehlenswert, getrennte Beziehungen oder Verwandtschaftsgrade wieder zu beleben, die vernachlässigt wurden. Dies ist eine Zeit, in der der sanfte Wind der Göttlichen Hilfestellung weht. Jede gute Sache, die wir im Ramadan angehen, wird – wenn Allah es will – ihre Früchte tragen. Gleichfalls ist es nicht nur Tradition, sondern auch empfehlenswert, in dieser Zeit einfach und leicht zu essen. Man sollte die Absicht fassen, unnötige und allgemein ungesunde Nahrung nicht zu essen. Pizza, Eiscreme, Fast-Food, Gebäck, Fritiertes und Softdrinks sollten stehen bleiben. In manchen Regionen der muslimischen Welt artet das eigentlich simple Mahl zum Fastenbrechen in ein Gelage aus, und in einigen Regionen haben sich sogar zwei warme Mahlzeiten vor dem Schlafengehen eingebürgert. So kommt es, dass nicht wenige Muslime im Ramadan sogar zunehmen, statt an Gewicht zu verlieren.

Wer es gewohnt ist, viel Fernsehen zu schauen oder kommerzielle Musik zu hören, ist gut beraten, diese Dinge im Ramadan aufzugeben. Sie lenken uns von der Erinnerung an Allah auf jeden Fall ab. Während dieser besonderen Zeit, wenn jeder Buchstabe des Majestätischen Qur’an, den wir rezitieren, belohnt wird, sollten wir uns damit beschäftigen, anstatt mit banalem Zeitvertreib.

Für Ehepaare ist es segensreich, sich gegenseitig an die spirituellen Elemente der Sunna im Ramadan zu erinnern, das heißt der Rezitation des Qur’an, der Teilnahme an Tarawih-Gebeten etc. Diejenigen, die gewohnt sind, im Ramadan extravagante Abendessen zu halten, sollten dies vermeiden, insbesondere wenn die Menschen in der Küche mit langen Stunden beschäftigt sind, anstatt ihre freiwillige Anbetung zu vollziehen. Üblicherweise sind gerade die Frauen vom Kochen während des Fastens betroffen. Während es ohne Frage lobenswert ist, Gäste und andere mit Essen zu versorgen, damit diese ihr Fasten brechen können, so reichen Datteln, Wasser (oder auch Milch) und eine einfach zubereitete Mahlzeit aus.

Für jeden von uns zahlt es sich aus, an den freiwilligen Tarawih-Gebeten teilzunehmen. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Für den, der während der Nächte im Ramadan im Gebet steht, werden seine/ihre Sünde ausgelöscht.“ (Al-Bukhari und Muslim) Das Gebet ist ein Symbol für unser Leben. Der Ramadan ist eine großartige Zeit, die Macht des Gebets wieder zu entdecken und unsere Widmung für unseren Herrn durch das Gebet wieder zu erneuern.

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Imam Zaid Shakir

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