IZ News Ticker

Wie verhält man sich in der Moschee?

Denken und die Praxis: ­Antworten auf aktuelle Fragen und ­Heraus­forderungen. Von Laila Massoudi und Malik Özkan

Werbung

Foto: Ömer Sefa Baysal

„(…) in Häusern, für die Allah erlaubt hat, dass sie errichtet werden und darin Sein Name genannt wird. Ihn preisen darin, am Morgen und am Abend, Männer, die weder Handel noch Kaufgeschäft ablenken vom Gedenken Allahs, von der Verrichtung des Gebets und der Entrichtung der Abgabe, die einen Tag fürchten, an dem Herzen und Augenlicht umgekehrt werden.“ (An-Nur, 36)

(iz). Eine Moschee ist das Haus Allahs. In ihm wird Er angebetet, gepriesen und es wird Seiner gedacht. Die wörtliche Bedeutung ihres arabischen Namens, Masdschid, lautet „Ort der Niederwerfung“. Neben dem eigentlichen Gebet dient diese Institution, deren Existenz direkt auf den Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, zurückgeht, insbesondere im Westen auch als Zentrum der Bildung und der Gemeinschaft. Hier suchen und finden wir neben dem Gemeinschaftsgebet spirituelle Ruhe und erfahren eine Verjüngung des Herzens.

Da die islamische Lebensweise charakterisiert ist durch das Festhalten an dem Verhalten des Propheten Muhammad und der frühen muslimischen Gemeinschaft, die sich exemplarisch in Medina manifestierte, ist eben dieses zeitlose Vorbild im Leben und Denken eines Muslims auf eine Art und Weise gegenwärtig, die die physische und zeitliche Entfernung von Hunderten von Jahren gewissermaßen aufhebt. Insofern ist auch die Sphäre der Moschee – auch als Manifestation des Islam – nicht klar in eine historische und eine gegenwärtige Dimension trennbar.

Wegen ihres Rangs und ihrer Bedeutung verdient eine Moschee – wenn sie die nötigen Qualifikationen dafür erfüllt –, dass wir uns ehrenvoll, mit dem nötigen Respekt und angemessen in ihr verhalten. Nach Ansicht des andalusischen Qur’ankommentators und Rechtsgelehrten Ibn Dschuzaij Al-Kalbi (in seinen Buch über die Grundlagen des Rechts) sind Moscheen die besten Orte auf der Welt.

Der Ort des Gebets
Zu den wichtigsten Pflichten eines Muslims gehört das rituelle Gebet. Es zählt zu den Fünf Säulen des Islam, neben dem Glaubensbekenntnis („Es gibt keinen Gott außer Allah, und Muhammad ist Sein Gesandter“), der jährlichen Pflichtabgabe auf das Vermögen, dem Fasten im Monat Ramadan und der Pilgerfahrt zum Haus Allahs nach Mekka.

Die Verpflichtung zur Verrichtung (und zur Einrichtung) des Gebets wird im Qur’an, als dem Propheten und Gesandten Muhammad offenbarten Wort Gottes, an zahlreichen Stellen erwähnt. Im Folgenden seien zwei dieser Stellen zitiert: „Wahrlich, das Gebet zu bestimmten Zeiten ist für die Gläubigen eine Pflicht.“ (An-Nisa, 203)

„Dies sind die Verse der vollkommenen Schrift, eine Führung und eine Barmherzigkeit für jene, die Gutes tun, die das Gebet verrichten und die Zakat entrichten und fest ans Jenseits glauben. Sie sind es, die der Führung ihres Herrn folgen, und sie sind es, die erfolgreich sind.“ (Sura Luqman, 2-5)

Entsprechend einem Hadith des Propheten Muhammad ist für den Muslim im Prinzip die ganze Erde eine Moschee; das heißt, ein Ort der Anbetung Gottes. Der Gebetsplatz sollte lediglich sauber von unreinen Substanzen sein, und die Gebetsrichtung zur heiligen Moschee in Mekka muss eingehalten werden, soweit diese bestimmbar ist.

Eine besondere Rolle kommt der Moschee aber auch dadurch zu, dass das in Gemeinschaft verrichtete Gebet als verdienstvoller gilt, es zudem durch das Zusammenkommen die Gemeinschaft der Gläubigen stärkt. Vorbeter beim Gemeinschaftsgebet kann grundsätzlich jeder Muslim sein, sofern er männlich ist, einige Verse des Qur’an auswendig rezitieren kann (dies kann de facto jeder Muslim, da es zur Verrichtung der Gebete unerlässlich ist) und von der Gemeinde als Vorbeter akzeptiert wird. Für die Stellung des Imam in einer Moschee gibt es weitere Voraussetzungen, auf die hier aber nicht weiter eingegangen werden soll.

Korrektes Verhalten
Eine Voraussetzung für Muslime beim Betreten der Moschee ist, dass sie sich nicht im Zustand der großen rituellen Unreinheit (arab. Dschanaba) befinden. Während beinahe alle Moscheen Möglichkeiten für die kleine Gebetswaschung (arab. Wudu’) haben, müssen die Betreffenden daheim eine große Gebetswaschung (arab. Ghusl) vornehmen, bevor sie das Haus Allahs betreten können.

Beim Besuch einer Moschee zieht eine Person ihre Schuhe aus. Je nach baulicher Gestaltung finden sich (oder sollten es zumindest) Regale etc. zur Aufbewahrung der Schuhe vor oder im Eingangsbereich einer Moschee. In manchen Gebäuden, oder auch in trockenen Ländern wie Marokko können die Besucher sie innerhalb ihrer Räumlichkeiten unterbringen. Es gehört zum guten Ton, die Moschee mit dem rechten Fuß zu betreten und dabei zumindest die Basmala (die Formel „Mit dem Namen Allahs …“) auszusprechen. Es finden sich hierzu auch kurze Bittgebete, die auf den Propheten, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, zurückreichen. Eines davon lautet: „Oh ­Allah, öffne die Türe Deiner überfließenden Barmherzigkeit für mich.“

Viele Muslime folgen nach dem Betreten der Moschee und dem allgemeinen Friedensgruß (As-Salaamu ‘alaikum) der prophetischen Gewohnheit, die Moschee mit einem Gebet zu „begrüßen“. Jenes freiwillige Gebet (Tahijjat-al-Masdschid) wird unter anderem mit dieser anerkannten Überlieferung des Propheten begründet: „Wenn einer von euch eine Moschee betritt, soll er zwei Rak’at beten, bevor er sich niederlässt.“ Wie bei allen freiwilligen Gebeten gibt es auch hier Zeiten, in denen sie nicht möglich sind: die erste Phase nach Sonnenaufgang, die Zeit kurz vor dem Höchststand der Sonne sowie die Phase zwischen Nachmittags- und Abendgebet. Soweit das Freitagsgebet betroffen ist, sagen wir in Folge mehr dazu.

Zu den empfohlenen Verhaltensweisen, die scheinbar in gewissen Abständen wieder in Vergessenheit geraten, gehört es, sich so weit wie möglich vorne zum Gebet einzufinden. Wer sich (in Relation zum Raum) hinten zum Gebet aufstellt, zwingt die anderen beinahe, vor ihnen her zu laufen. Daher sollte jeder Besucher und jede Besucherin den Raum rational nutzen und so weit wie möglich nach vorne in die Moschee gehen.

No-Gos in der Moschee
Es gibt einige, sonst zulässige Verhaltensweisen, die in Gebetsräumlichkeiten nicht möglich beziehungsweise nicht statthaft sind. Eine davon ist das Kaufen und Verkaufen in dem Bereich, der für das Gebet vorgesehen ist. Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte hierzu: „Wenn ihr jemanden seht, der in der Moschee kauft oder verkauft, dann sagt zu ihm: ‘Möge Allah Deinen Handel nicht profitabel werden lassen.’“

Zu den unbeliebten, wenn nicht untersagen Dingen in einer richtigen Moschee (es gibt Unterschiede zu Räumlichkeiten, die ebenfalls für das Gebet genutzt werden) gehören das Benutzen eines Zahnholzes (arab. Siwak) und anderes. Essen und Trinken werden von den Gelehrten unterschiedlich bewertet. Für manche ist es zulässig, solange es sich um kleine Mengen handelt, für andere ist es sehr unbeliebt. Überhaupt ist es hier niemandem erlaubt, einem anderen Muslim zu schaden. Streitigkeiten sollten überhaupt vermieden werden. Für die Moschee gilt dies aber umso mehr. Generell soll es auch unterlassen werden, die eigene Stimme hörbar zu erheben, sodass sie durch den Raum schallt und andere stört. Eine Ausnahme dazusind Fragen während eines allgemeinen Vortrages.

Den Ort sauber halten

Mit der Säuberung beziehungsweise Reinhaltung einer Moschee sind großer Segen und Belohnung verbunden. Das zeigt sich auch daran, wie sehr sich der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, damit beeilte, für eine verstorbene Frau zu beten, die zu Lebzeiten den Boden seiner Moschee fegte. Daher ist es mehr als ratsam, diejenigen, welche sich um die Sauberkeit unserer Moscheen sorgen, mit einem besonders feinen Adab zu behandeln und für sie zu beten.

Generell sollte der Gebetsraum freigehalten werden von jedweden Verunreinigungen und anstößigen Gerüchen. Dinge wie Spucken, Erbrechen und andere Aktivitäten sind hier nicht erlaubt. Ebenso sollten Besucher, die zuvor Knoblauch oder rohe Zwiebeln aßen, wegen deren Aroma warten, bis diese verflogen sind, bevor sie das Haus Allahs betreten.

Diejenigen, die Verschmutzungen oder Dreck in der Moschee übersehen, sollten wissen, dass ihnen so eine große Belohnung entgeht. Und Eltern, die Kinder mitbringen, stehen – soweit es keine allgemeine Aufsicht über die Kleinen gibt – in der Pflicht, auf diese zu achten und gegebenenfalls ihre Hinterlassenschaften zu entsorgen. Im Gegensatz zu anderen Ländern oder unterschiedlichen historischen Situationen erfüllen Moscheen in unseren Breiten weitere Funktionen und stehen insofern noch stärker im Brennpunkt der muslimischen Existenz. In Bezug auf Kinder bedeutet das auch ein Austarieren zwischen dem nötigen Freiraum für sie (damit sie den Din nicht als negativ empfinden) und einem Mindestmaß an nötigem Verhalten, sodass sie nicht als störende Elemente auftreten.

Auch wenn das Mobiltelefon und andere Geräte recht neuen Datums sind, sollte klar sein, dass auch von ihnen keine Störungen ausgehen sollten. Die Verpflichtung des Einzelnen, andere nicht zu behelligen, dehnt sich auch auf seine digitale Existenz aus. Idealerweise schaltet man sein Handy auf stumm oder ganz aus. Besonders während des Gebetsrufs, in der Freitagspredigt (arab. Khutba) und bei Vorträgen kann das Scheppern digitaler Gebetsrufe oder Klingeltöne erheblich stören.

Unser Freitagsgebet
Der Freitag ist der wichtigste Tag der muslimischen Woche. Sein formeller Höhepunkt ist das Freitagsgebet (arab. Salat Al-Dschmu’a). Es besteht dabei aus einer zweiteiligen Freitagspredigt (arab. Khutba) sowie dem Gebet. Dabei wird – in der rituellen Wertung und Bedeutung – die Hälfte des normalen Mittagsgebetes von der Predigt übernommen.

Es ist zum Freitagsgebet für die teilnehmenden Männer und Frauen empfohlen, so früh wie möglich einzutreffen, und die verbleibende Zeit bis zum zweiten Gebetsruf, nach dem die Ansprache beginnt, mit freiwilligem Gebet, Qur’an, der Erinnerung Allahs und Reflexion zu verbringen. Spätestens, wenn der Imam auf das Mimbar steigt, hat jegliche Aktivität aufzuhören. Das gilt auch für das freiwillige Gebet wie dem „Begrüßen“ der Moschee.

Es ist heute leider so, dass viele junge Muslime diese Regeln vergessen haben, und weiterhin beten, obwohl der Imam bereits spricht. Muhammad Al-Qarafi, ein später Kommentator der malikitischen Schule, schreibt in seiner Zusammenfassung des Rechts, dass es kein freiwilliges Gebet während der Khutba gibt. Dies läge daran, weil eine Person verpflichtet sei, dem Imam zuzuhören. Das könne sie aber nicht tun, während sie im Gebet stehe.

Jetzt, bis zum Beginn des Gebets, ist es die ausschließliche Pflicht der Muslime, dem Imam und seiner Ansprache zuzuhören. Erst mit Ende des Gebets kann der Alltag wieder seinen Lauf nehmen.

The following two tabs change content below.

Laila Massoudi

Folgt uns für News auf:
https://www.facebook.com/islamischezeitungde

und:
https://twitter.com/izmedien

Noch kein IZ-Abo? Dann aber schnell!

Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen