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Wie viel Bedeutung hat der Frieden heute noch?

Am Beispiel des Landes Kasachstan zeigen sich die Widersprüche heutiger Politik. Kommentar von Ismahane Bessi

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Foto: Autorin

(iz). Wir reden über Kreuzzüge, Religionskriege und Territorialkriege. Wir verurteilen das Mittelalter und die Frühe Neuzeit, aufgrund seiner Brutalität, die alleine in den 200 Jahren der Kreuzzügen 22 Millionen Menschen das Leben gekostet haben, und seiner extremen Zensur. Was hat sich aber heute verändert?

Können wir davon reden, dass durch bilaterale Verträge, die Kontinent übergreifend sind und wir als Mitglieder der NATO und OSZE einen großen Fortschritt in Richtung Frieden gemacht haben? In den letzten 200 Jahren wurde mehr Menschen Kriegen zu Opfern, als in den 1.000 Jahren zuvor. Während im dreißigjährigen Krieg (1618-1648) sechs Millionen Kriegstote gezählt wurden, waren es im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) fast 60 Millionen Opfer.

Diese Anzahl an Opfer beweist, dass die Art von Kriegen, die in den letzten Jahrzehnten geführt wurden, den viel größeren „Fortschritt“ dokumentiert, das Leben von Menschen auszulöschen anstatt sie zu retten. Die Kriege bzw. „Konflikte“, die nach dem Zweiten Weltkrieg geführt worden sind, zählen noch mal über 25 Millionen Opfer. Die Dunkelziffer ist weitaus höher. Alleine 22 Millionen Opfer forderte der Kalte Krieg (1945-1990), der heute runtergespielt wird. In über 150 Konflikten „verschwanden“ Menschen und wurden nie wieder gesehen. Wir können uns nur grob vorstellen, was aus diesen Opfern wurde. Tatsächlich lässt sich im 21. Jahrhundert die Reinigung „falscher“ Menschen immer noch finden.

Deutschland unterhält seit 1991 Beziehungen zum autoritären Staat Kasachstan, dessen Bevölkerung zu 90 Prozent aus Muslimen besteht. 2011 kritisierte Angela Merkel die kasachische Regierung, die die Präsidentenwahlen von 2012 und 2017 absagen wollte, da es angeblich keine Alternative zu dem damaligen Präsidenten Nursultan Nasarbajew gäbe und die Wahlen daher reinste Geldverschwendung seien. Reicht einfache Kritik überhaupt aus?

Schließlich sitzen allein in der Westregion Chinas über eine Million Uiguren und Kasachen in Konzentrationslagern und genau so viele sind in chinesische Gefängnisse interniert. Vor ein einigen Wochen hat die chinesische Regierung Kasachstan unter Druck gesetzt, Mitglieder diverser Organisationen, die sich für die chinesische Repression einsetzen, sowie Aktivisten wie Serikschan Bilasch zu inhaftieren. Bilasch wurde vergangenen Sommer von der chinesischen Regierung aufgefordert, den Einsatz für die Befreiung der ethnischen Kasachen in Xinjiang zu unterlassen.

In Kasachstan selbst werden täglich Menschenrechtsaktivisten und friedliche Demonstranten verhaftet, die gegen das autoritär kasachische Regime protestieren. Einer dieser internierten Aktivisten ist Alimzhan Izbassarov, der aufgrund eines Videos, das er am ersten Mai von einer Demonstration in Astana bzw. Nursultan gefilmt hatte, inhaftiert wurde. Der Berufungsprozess dauerte sieben Stunden. Obwohl das Gerichtspublikum gegen diese Verurteilung war, wurde Izbassarov noch am selben Tag inhaftiert.

Wo bleiben die Stimmer der OSZE? Vieler solcher friedlichen Aktivisten, die sich gegen Autoritarismus einer Regierung, die tatsächlich immer nur von ein paar Menschen geführt werden, protestieren, niedergeschlagen und eingesperrt werden, während Politiker Entscheidungen treffen, Truppen in Länder auszusenden, die ein Land verwüsten und diese Menschen, die vorher um Hilfe gebeten haben, „versehentlich“ mit ihren Bomben und Waffen töten. Im Endeffekt sehen Politiker es nicht als Tragödie an, das Blut von Menschen an ihren Finger kleben zu haben, weil viele Tote einfach nur Statistiken auf Papier sind.

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