IZ News Ticker

Wo kommt eigentlich unser Schmuck her?

Die Produktionsbedingungen von wertvollen Rohstoffen zwingen Verbraucher zu wichtigen Fragen. Von Will Higginbotham

Werbung

Screenshot: YouTube

(IPS). Wie viele Menschen wissen, wo das Gold oder die Diamenten ihres Schmucks herkommen? Wie viele stellen sich die Frage nach den menschlichen Kosten ihrer Förderung und Erzeugung? Nicht viele Verbraucher wollen das wissen. Schockierender ist, dass globale Schmuckmarken sich noch weniger für das Thema interessieren.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) möchte dies mit ihrer neuen Medienkampagne #BehindTheBling ändern. „Wir möchten die Leute dazu kriegen, über die Herkunft ihres Schmucks nachzudenken“, sagt Jo Becker, Direktor für Kinderrechte bei HRW. „Wichtig dabei ist, dass wir wollen, dass die Verbraucher dies den Unternehmen sagen. Sie sollen ihnen schreiben, tweeten oder sie anrufen, um Druck auf sie zu auszuüben. Damit diese schließlich garantieren, dass ihr Gold und ihre Diamanten nicht aus Orten kommen, an denen Menschenrechtsverletzungen begangen werden“, erklärt Becker.

Obwohl das Projekt bereits seit einem Jahr läuft, wurde der Hashtag #BehindTheBling Anfang März diesen Jahres gestartet. „Als wir mit der Kampagne anfingen, sagten uns die großen Juwelenmarken, dass Verbraucher sich nicht für das Thema interessierten. Wir wollten ihnen das Gegenteil beweisen.“

Zum Zeitpunkt, an dem dieser Text entstand, wurde #BehindTheBling über 20.000 Mal auf Twitter genutzt. Zusätzlich wurden im gleichen Zeitraum über 6.000 Briefe an die Schmuckproduzenten geschrieben, in denen um Auskunft der Quellen von wertvollen Rohstoffen gebeten wurde. Welche Firmen die richtigen Adressaten waren, wurde von HRW erleichtert. Die NGO veröffentlichte ihre Einschätzung über die Beschaffungspraxis der 13 größten Schmuck- und Uhrenmarken. In dem Dokument werden die Gold- und Diamanteneinkäufe der Firmen verglichen und nach entsprechenden Kriterien eingeordnet. Zu diesen gehören Anstrengungen zur Einschätzung der Menschenrechtslage, eine Antwort auf diese, die Schaffung von Nachvollziehbarkeit und die Veröffentlichung von Unternehmenspraktiken.

Obwohl einige erhebliche Schritte unternommen hätten, um die Risiken bezüglich der Menschenrechte in der Lieferkette von Gold und Diamanten anzusprechen, hätten andere dies nicht getan. Human Rights Watch stellte fest, dass die Mehrheit der Marken weder eine umfassende Rückverfolgbarkeit ihres Goldes und ihrer Diamanten hervorbringen konnte, noch die möglichen Gefahren für die Arbeiter in den Ressourcenländern in Betracht zog. Andere würden nicht einmal die Namen ihrer Lieferanten nennen. Bisher rangiert nur die Marke Tiffany’s als „stark“ in Hinblick auf bedeutende Schritte in Richtung eines verantwortungsbewussten Einkaufs. Vier weitere, darunter Bulgari und Cartier, belegen einen mittleren Platz, weil sie einige Veränderungen eingeleitet hätten.

Human Rights Watch schätzt, dass mehrere Millionen Menschen in kleinteiligen, handwerklichen Gold- und Edelsteinminen arbeiten. Die NGO geht davon aus, dass die Männer, Frauen und Kinder, die in ihnen arbeiten, in vielen Fällen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind. „Es gibt nur wenig bis keine Bezahlung, erschreckende Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit ist weit verbreitet. An dem Gold und den Diamanten, die von solchen Quellen gekauft werden, ist nichts Glamouröses“, sagt Jo Becker.

Die letzten Statistiken von Human Rights Watch sprechen von mehr als einer Million Kinder, die weltweit im Bergbau arbeiten – die Mehrheit von ihnen in der Förderung von Gold und Diamanten. Die meisten Staaten mit einem beträchtlichen Aufkommen von Kinderarbeiten im Abbau der wertvollen Ressourcen liegen in West- und Zentralafrika. So arbeiten in Sierra Leone Tausende von Jungen und heranwachsenden Männern als Diamanten-Bergarbeiter. Für ihre Arbeit erhalten sie freie Unterkunft, Lebensmittel und Werkzeuge. Vergleichbare Berichte kommen aus der Elfenbeinküste, wo Kinder ins benachbarte Burkina Faso verkauft werden, um in kleinteiligen Goldminen zu schuften. HRW bezeichnet ihre Lebensbedingungen als „sklavenartig“.

Aber dieses Leid ist nicht nur eine Geißel in Afrika. Für Burma wurden Sanktionen auf Rubine und andere Edelsteine beschlossen, nachdem Stimmen laut wurden, dass hier mit Kinder- und Zwangsarbeit abgebaut werde. Die Berichte von Missbräuchen in der dortigen Industrie hielten an. HRW geht davon aus, dass mindestens eintausend weitere Kinder entlang der dortigen Lieferkette unter nachteiligen Bedingungen arbeiten würden. „Wir müssen die gesamte Lieferkette in Augenschein nehmen und sicherstellen, dass sie korrekt ist. Die Kunden müssen den Unternehmen klarmachen, dass das nicht verhandelbar ist“, meint Jo Becker.

Folgt uns für News auf:
https://www.facebook.com/islamischezeitungde

und:
https://twitter.com/izmedien

Noch kein IZ-Abo? Dann aber schnell!

Lade...

Wenn Sie diese Seite weiter benutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies. mehr Informationen

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Sie stimmen der Verwendung von Cookies zu, wenn Sie "Akzeptieren" klicken.

Schließen