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Wo liegt die Heilung für den Menschen?

In den Quellen des Islams finden sich unzählige Hinweise auf Hilfe bei Krankheiten. Von M. Loukas, Y. Saad & M. Shoja

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Die Entwicklungen des 20. Jahrhunderts haben eine enorme Menge an Wissen von der Medizin hervorgebracht. Diese wären aber nicht ­möglich gewesen ohne die „Väter der Medizin“ wie Hippokratus, Vesalius oder Ibn Sina. Während die Lebensleistung der antiken Heiler bekannt ist, werden wichtige Inhalte in religiösen Texten wie dem Qur’an oder den Ahadith (den Aussagen des Propheten Muhammad) oft ignoriert.

(iz). In der Hadith-Literatur finden sich Beschreibungen anatomischer Struk­turen, chirurgischer Operationen, der Physiologie und ­medizinische Heilmittel. Betont wird die Vorsorge allgemeiner Krankheiten durch körperliche Aktivität, pflanzliche und organische Medikamente, sowie und spirituelle Wiederbelebung. Ein Schwerpunkt bei den prophetischen Aussprüchen, und, allen voran, dem Qur’an, ist das Herz. Des Weiteren fördert die Idealgestalt des ­Lebens, wie sie von der islamischen Traditionen dargelegt wird, Langlebigkeit, vermeidet Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems und hält von ­Risikofaktoren an. Fraglos erhalten wir hier ein gutes Verständnis sowohl von Ursachen als auch von Formen der Krankheiten.

Die Geschichte legt den vermeintlichen Schluss nahe, wonach sich Wissen­schaft und Religion im unüberwindlichen Gegensatz befinden. Bestätigt wird dies durch den Machtkampf zwischen den Kirchen und der säkularen Wissenschaft im Mittelalter und der Renaissan­ce. Aber zur gleichen Zeit waren die umfangreichen islamischen Gebiete das Zentrum der akademischen Lehre, als die größten Städte über riesige Bibliotheken verfügten, in denen das Wissen der Welt ins Arabische und andere Sprachen übertragen wurde. Im Gegensatz zur damali­gen christlichen Lehre ermutigte die isla­mi­sche Lehre jene Forschung, die zu Fortschritten und Entdeckungen ­führte. Im Qur’an und der prophetischen Lebensweise werden die Muslime zur ­Suche nach Wissen angehalten – sogar als einen Akt der Anbetung.

Herz und Blut
Obwohl Qur’anverse und viele Ahadith (Plural von Hadith) des Propheten sich mit allgemeiner Gesundheit beschäf­tigen, betonen sowohl die qur’anische Offenbarung, als auch die Aussprüche des Propheten, den Stellenwert des Herzens. Das Blut wird in unterschiedlicher Hinsicht im Qur’an erwähnt – beispiels­weise als Substanz, die rituell unrein ist, aber auch in Hinblick auf die Entstehung des Lebens im Mutterleib. Das Herz wird an vielen Stellen im Qur’an erwähnt. Den unterschiedlichen Gruppen unter den Menschen – Gläubi­ge, Heuchler und jene, die die Wahrheit leugnen – werden unterschiedliche Zustände des Herzens zugewiesen. Die Gelehrten erkannten zwei Kategorien der Krankheiten des spirituellen Herzens: Schubahat (sie stehen in Beziehung zum Verständnis und zum Vertrauen des Menschen) und die Schahawat (die Leidenschaften des Selbst, die zu Krankheitsbildern werden, wenn sie ihre natürliches Maß verlieren). Als solches ist das Herz der Kern (Allah spricht im Qur’an die Leute des Herzens auch als die „Leute des Kerns“ an) des Menschen. Ein krankes Herz ist als solches mit schlechten Eigenschaften angefüllt. Daher bezeichnete Allah Seine Offenbarung auch als „eine Heilung für eure Herzen“. Von allgemeiner Bekanntheit unter Muslimen ist das folgende Hadith des Propheten Muhammad: „Wahrlich, es gibt im Menschenkörper ein Stück Fleisch, wenn dieses gut ist, so ist der ganze Körper gut, ist es aber verdorben, so ist der ganze Körper verdorben. Wahrlich, das ist das Herz!“ Auch wenn nicht explizit erwähnt, verringert die Lebensweise, wie sie vom Qur’an empfohlen wird, drastisch das Risiko der Möglichkeit, dass das Herz-Kreislauf-System erkranken könnte. Zu den ratsamen Gewohnheiten zählen unter anderem: Beteiligung an spirituellen Aktivitäten, mäßiges Essen, körperliche Bewegung, Verringerung von Ärger, Eifersucht und Neid, sowie die Vermeidung schädlicher Lebensmittel und Getränke. Auch die Erinnerung an Allah (Dhikrullah) trägt zur Gesundheit des Herzens bei, wie es im Qur’an heißt: „Wahrlich, in der Erinnerung Allahs finden die Herzen Ruhe!“

Körper und Seele
In beiden Quellen finden sich auch Bezüge auf Entwicklungen und Heilme­t­h­oden aus der Zeit der Offenbarung und der Lebenszeit des Propheten. So gibt es einen Ausspruch des Gesandten ­Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, wonach es für jede Krankheit ein Heilmittel gibt. Wenn diese offenbar werde, verschwinde die Krankheit mit der Erlaubnis Allahs. Die Menschen wurden angehalten zu beten, aber auch, eine Behandlung zu finden. Alles, was den Körper, den Geist und die Seele schädigt, muss behandelt werden. Aus ­diesem Grund waren Ärzte respektierte Mitglie­der der muslimischen Gemeinschaft und der Prophet rief sie auf, den Kranken zu helfen.

Sowohl in der qur’anischen Offenbarung, als auch in prophetischen ­Aussagen finden sich zwei Formen der Heilung – spirituelle und physische. Es gibt mindes­tens sechs Verse, in denen direkt auf Heilung Bezug genommen wird. Das Mittel, durch welches sich diese Heilung ­manifestiert, sind die Offenbarung des Qur’an, dem Göttlichen Wort, dass als eine „Barmherzigkeit und Heilung für jene, die nachdenken“ bezeichnet wird. Diese Form der Behandlung ist dem Herzen gewidmet. Im Qur’an erwähnt Allah ver­borgene Leiden wie Zweifel, Unreinheit, Heuchelei, Leugnung der Wahrheit und Lüge, die alle Krankheiten des Herzens sind. Obwohl die spirituelle Heilung in dieser Hinsicht den Schwerpunkt im Qur’an einnimmt, so wäre es ein Fehlschluss, dass die Körperlichkeit ignoriert wird.

Jenseits der direkten Aussagen finden viele muslimische Ärzte im Qur’an und in den Ahadith Hinweise zur ­Heilbe­hand­lung körperlicher Leiden. Dazu zählen beispielsweise Magenschmerzen, ­Fieber, Lepra oder Geisteskrankheiten. So wurde beispielsweise vom ­Propheten die Aussage überliefert, dass Heilung in drei Dingen liegt: Honig, das Schröpfen und das Ausbrennen, auch wenn das letztere ein Mittel der letzten Wahl ist. Honig diente zur Linderung verschiedener Leiden wie Magenschmerzen und Durchfall. Das Naturprodukt enthält ­neben anderen Elemente therapeutische Substanzen wie Zucker, Vitamine und anti-mikrobielle Stoffe. Schwarzkümmel diente ebenfalls zur Heilung, aber auch indische Räucherholze gegen Halsschmerzen und Brustfellentzündung oder Datteln zur Entgiftung. Der Qur’an und die Ahadith waren eine Inspiration für die Heilung oder Linderung von Leiden, die im damaligen Arabischen vorherrschend waren.

Aber es finden sich in den islamischen Primärquellen auch Anweisungen zur Aufrechterhaltung der Gesundheit. ­Allen voran zu nennen wäre die präventive Wirkung der rituell verpflichtenden Hygiene. Diese wurde ausdrücklich durch den Propheten Muhammad bestätigt, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben. Von ihm stammte der Satz, dass Sauberkeit die Hälfte der Religion ist. Er empfahl beispielsweise bei einer anderen Gelegenheit die Beschneidung, die Rasur des Intimbereichs und der Achseln, das Stutzen des Schnauzbartes etc. Dies alles nutzt dem Körper und bringen uns so näher an Allah.

Auch ohne ausgefeilte Analysetechnik wussten die frühesten Muslime um die Übertragbarkeit mancher Krankheiten. Aus diesem Grund wurde die Quarantä­ne ermutigt und praktiziert. Es gibt Überlieferungen, wonach der Prophet die Gläubigen anwies, vor „den Leprakranken zu fliehen, wie ihr vor dem Löwen fliehen würdet“. Ähnliches wurde über andere Seuchen überliefert.

Während der Regierungszeit der frühen Khalifen gab es Fieberepidemien. Die simple, aber effektive Grundregel war einfach: Nicht in ein betroffenes Gebiet reisen beziehungsweise, wenn man sich in einem Seuchengebiet befindet, sollte man dieses nicht verlassen, bis die Epidemie vorüber ist.

Viele Krankheiten sind die Folge unserer alltäglichen Gewohnheiten. Nicht nur warnte der Prophet vor regelmäßiger Völlerei, weil er um die schädlichen Folgen übermäßigen Essens wusste. Die wesentlichen, einfachen Speiseverboten des Qur’an (namentlich der Genuss von Schwein, nicht ausgeblutetes Fleisch oder Aas) können auch als Maßnahme zur Prävention von Krankheiten und Parasi­ten verstanden werden. Angesichts der multiplen, gesundheitsschädlichen Wirkungen von Alkohol (und anderer Rausch­mittel) erübrigen sich hierbei weitere Beweise.

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