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“Wo man helfen muss!” – muslimehelfen: Unter Menschen mit Behinderungen sind besonders Blinde auf Hilfe angewiesen. Von Ahmad von Denffer, München

Eine Reise nach Togo

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(muslimehelfen). Ein Jeder Mensch ist etwas Besonderes. Jeder Mensch hat seine Ei­gen­arten, Stärken, Schwächen, Begabungen und Mängel. Manche sind hervorragend begünstigt, andere sind auf diese oder jene Weise behindert. Manche können helfen, andere brauchen Hilfe und Beistand. Zu den besonders stark Behinderten gehören Menschen, die nicht sehen können, die Blinden.

Im Qur’an erinnert die Sure 80 daran, gerade auch Blinde ernst zu nehmen. Der Prophet, der gerade mit einigen der Hochangesehenen des Stammes Quraisch sprach, schenkte dem blinden Abdullah ibn Ummi Maktum nicht die gewünschte Aufmerksamkeit, als dieser kam und von ihm etwas über den Islam erfragen wollte. Seither mahnt diese Sure uns immer wieder, die Blinden nicht außer Acht zu lassen, sondern auf ihre besonderen Bedürfnisse einzugehen, ihnen entgegen zu kommen und ihnen behilflich zu sein.

Unterwegs in Lome, der Hauptstadt des kleinen westafrikanischen Landes Togo, höre ich deutlich eine fröhliche Stimme, die den Lärm der Marktstrasse übertönt, doch ohne unangenehm laut zu wirken. Ein Mann, den ich nicht sehe, singt ein Lied, dessen Text ich nicht verstehe. Ich höre, dass er langsam näher kommt. Dann ist er nur noch ein paar Schritte entfernt. Nun kann ich ihn betrachten. Er ist nicht besonders groß, trägt ein sauberes, weißes afrikanisches Gewand und singt noch immer. In der rechten Hand hat er einen langen, dünnen Stock, in der linken eine kleine Schüssel. Den Kopf bewegt er hin und her, die Augen sind offen, aber blind. Als in der kleinen Schüssel ein paar Münzen klimpern, ändert sich der Text des Liedes. Auch ich kann erkennen, dass nun dem, der etwas gegeben hat, gedankt und Gottes Lohn gewünscht wird.

„Wenn in Togo jemand erblindet, besonders ein Kind, ist ihm für seinen weiteren Lebensweg vorherbestimmt, Bettler zu sein. Eine andere Möglichkeit gibt es kaum“, sagt mir Asmanou Bouraima, mit dem ich durch die Marktstraße gehe. „Man muss etwas tun, um gerade den Kindern dieses Leid zu ersparen.“ Asmanou hat ebenfalls einen Stock in der Hand, aber einen hochmodernen, weiß und zusammenfaltbar. Auch Asmanou ist blind, aber ihm blieb es erspart, Bettler zu werden. Mit 14 Jahren verlor er sein Augenlicht, heute ist er 38 Jahre alt, Magister der Soziologie, Universitätsmitarbeiter zur Betreuung behinderter Studenten, seit 2005 verheiratet. Zudem leitet er die Organisation ABEA (Action pour le bienêtre et l’épanouissement des aveugles/Aktion für Wohlergehen und Förderung der Blinden), die sich vor allem um blinde Schüler und Studenten kümmert.

Wir fahren nach Sokode, einer Stadt rund 320 Kilometer nördlich von Lome. Von hier aus soll sich der Islam in Togo verbreitet haben, noch heute leben hier überwiegend Muslime, etwa 100.000 Menschen sind es. Auch hier gibt es Blinde, aber keine Einrichtung, die sie unterstützt oder für sie sorgt.

Asmanou hat hier Freunde; einer von ihnen heißt Souleyman Salifou und arbeitet beim örtlichen Radiosender. Er hat über Radio dazu aufgerufen, dass die Familien, die blinde Kinder haben und die darüber beraten möchten, wie ihnen geholfen werden kann, am nächsten Tag zu einer Versammlung in eine der islamischen Schulen kommen können. Einige Familien haben sich entschuldigt. Zwölf sind gekommen, darunter vier erwachsene Blinde und Eltern mit acht Kindern.

Die meisten von ihnen gehen zur Schule, auch wenn sie dem Unterricht nicht wirklich folgen können. Asmanou spricht zu ihnen, erzählt seine eigene Geschichte, erklärt, wie wichtig es ist, trotz Erblindung weiter zur Schule zu gehen, zu lernen. Wenn Interesse besteht, sagt er, soll versucht werden, zunächst die Kinder zu betreuen, ihnen Förderunterricht zu geben, damit sie weiterhin die Schule besuchen und möglichst auch abschließen können. Außerdem sollen sie Blindenschrift erlernen. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig das für die weitere Bildung eines Blinden ist. Wer die Blindenschrift gemeistert hat, dem steht eine Fülle von Informationen und Bildungsmöglichkeiten offen, die Blinde sonst nie nutzen können. Es ist harte Arbeit, sagt Asmanou, es kostet viel Mühe, aber es ist möglich, und es lohnt sich in jedem Fall. Souleyman, der Mann vom Radio, wird Verbindung mit ihnen halten und sie über die nächsten Schritte informieren.

Dann suchen und finden wir ein Haus, das als ein kleines Blindenzentrum geeignet ist. Es kann gemietet werden, hat aber eine Renovierung nötig. Die Kinder sollen sich wohlfühlen. Die Kosten dafür wollen wir übernehmen; der Eigentümer ist einverstanden, sie mit der Miete zu verrechnen. Besonders passend ist auch, dass dieses Haus direkt neben einer Moschee steht. So wird es einerseits den Kindern und ihren Betreuern nicht schwerfallen, an den Gebeten teilzunehmen, und andererseits werden sich die Moscheebesucher sicher den blinden Kindern gegenüber nicht verschließen, sondern gerade dann, wenn sie ihnen nun täglich begegnen, inscha’Allah Anteil an ihrer Lage nehmen.

Wir hoffen, dass die Renovierung noch im März abgeschlossen und das Haus im April bezogen werden kann. Zunächst ist vorgesehen, zwölf Kinder aufzunehmen und jeweils vier von ihnen einem Betreuer anzuvertrauen, der sich um ihr Wohlergehen sorgt, sie bei den schulischen Anforderungen unterstützt und ihnen Blindenschrift beibringt. Die blinden Kinder brauchen eine solche intensive Förderung und sollen deshalb während der Woche auch im Blindenzentrum wohnen, schlafen und essen.

Für die Renovierung und Möblierung des Hauses sowie Ausstattung und Lehrmaterial werden 4.215 Euro benötigt, die monatlichen Betriebskosten belaufen sich auf knapp 2.000 Euro. Darin sind inbegriffen die Miete, Strom, Wasser, Lebensmittel für die täglichen Mahlzeiten, medizinische Versorgung und die Gehälter für die drei Betreuer, Köchin, Hausverwalter und Wachmann. Insgesamt wollen wir auf diese Weise zwölf blinde Kinder unterstützen. Dafür müssen wir 192 Euro pro Monat und Kind aufbringen.

Auf den ersten Blick scheint das viel für afrikanische Verhältnisse. Aber es handelt sich hier um Kinder, die ganz besondere Bedürfnisse haben und die eine ganz spezielle und besonders intensive Förderung brauchen. Wir können so dazu beitragen, dass diesen Kindern inschallah ein anderer Lebensweg als der des Bettlers offensteht. Asmanou Bouraima hat gezeigt, dass es möglich ist, und auch wir können dabei helfen. „Die Bildung von Blinden in Entwicklungsländern ist keine leichte Sache. Man braucht viel Mut und Entschlossenheit, um damit Erfolg zu haben. Die größte Schwierigkeit ist der chronische Mangel an Lehrmaterial, der Mangel an Büchern in Blindenschrift (Braille)… Ich bin deshalb immer allen dankbar, die Blinden Unterstützung bieten.“ (Asmanou Bouraima)

Kontakt
muslimehelfen e.V.
Postfach 310272
80102 München
Telefon 089-32199190
Fax 089-321991940
www.muslimehelfen.org
Bankverbindung
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BLZ: 70070024
Kontonummer: 2290450

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