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Wo sind die Gelder?

Die so genannten „Holdings“ haben massenhaft Kapital vernichtet - Von Eren Güvercin

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//1//(iz)Einer der größten Anlageskandale beschäftigt immer mehr deutsche Gerichte. Das Zentrum für Türkeistudien in Essen schätzt die verlorenen Lebensersparnisse der in Deutschland lebenden Türken auf fünf Milliarden Euro. Viele Türken suchten nach Anlagemöglichkeiten für ihre Ersparnisse. Holdings wie etwa Kombassan oder Yimpas warben damit, dass man das Ersparte vermehren könne, ohne in Konflikt mit dem Islam zu geraten.

Mehmet K., der 28 Jahre bei Ford in Köln am Fließband arbeitete, entschied sich wie viele andere, sein Erspartes bei Kombassan anzulegen. „Sowohl die Gewinnaussichten als auch das Argument, dass man mit seiner Investition Arbeitsplätze in der Türkei schaffen könne, waren überzeugend. Auch in Moscheen machte man Werbung. Da dachte man, dass es mit rechten Dingen zugehe, zumal die Imame grünes Licht gaben.” Einem Kontaktmann von Kombassan gab Mehmet K. 100.000 DM und bekam dafür „Aktien“ von Kombassan . Er berichtet, dass man im ersten Jahr noch seinen Gewinnanteil von 20 Prozent bekommen habe, danach aber habe man lange Zeit nichts mehr von der Holding gehört. Solche und ähnliche Geschichten sind in Deutschland überall zu hören.

Mittlerweile gibt es in Deutschland türkischstämmige Anwälte, die sich auf solche Fälle spezialisiert haben. Jüngst verhandelte das Landgericht Bremen eine Klage von sechs Deutschtürken gegen eine türkische Unternehmensgruppe. Richter Golasowski macht jedoch deutlich, dass eine Verurteilung nicht bedeute, dass auch wirklich gezahlt werde. „Es ist möglich, dass die Firma dann nicht mehr existiert oder insolvent ist.“ In bisherigen Fällen haben nur diejenigen Kläger Geld gesehen, die sich auf einen Vergleich einließen. Auch Mehmet K. berichtet, dass Kombassan ihm ein Appartement in der Türkei angeboten habe. „Ich habe es jedoch abgelehnt. Dieses Angebot war eine Frechheit.“

Die Verstrickungen der sogenannten „islamischen Holdings” sorgen für Diskussionen. Mehmet K. berichtet, dass bestimmte Funktionäre, die massiv für Holdings geworben hatten, rechtzeitig ihr eigenes Geld zurückgezogen haben. „Uns einfache Leute hat aber niemand informiert. Sie haben uns überredet, zu investieren. Als sie aber schon Anzeichen gesehen haben, dass es nicht mehr rund läuft, haben sie ihr eigenes Geld geretter.” Auch die Regierung unter Erdogan kommt immer mehr in die Schusslinie. Erst kürzlich wurde Yimpas-Chef Uyar, der wegen Betrug international zur Fahnung ausgeschrieben ist, in Begleitung türkischer Minister und hoher Polizeibeamter gesehen. Die Kapitalmarktaufsicht schaffte es, dass Uyar wegen illegalen Verkaufs von Anteilsscheinen zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren verurteilt wurde. Doch das Urteil ist bis heute nicht rechtskräftig und droht in wenigen Monaten zu verjähren.

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