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Wuppertal: Erstes „Zahnräder“-Treffen bot Plattform für Austausch und Vernetzung. Von Yasin Alder

„Inspirierende Atmosphäre“

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(iz) Vom 24. bis 26. September hat das erste Treffen von „Zahnräder – Netzwerk junger muslimischer Köpfe“ in Wuppertal stattgefunden. Insgesamt 102 junge Muslime waren nach Angaben der Organisatoren als Teilnehmer gekommen, die sich zuvor bewerben mussten. Das durchschnittliche Alter der Teilnehmer schätzen die Organisatoren auf etwa 25-28 Jahre, das Geschlechterverhältnis war augenscheinlich annähernd ausgeglichen. Es hatten sich sogar mehr Personen beworben, als letztlich angenommen werden konnten. Hinzu kamen noch einige Gäste.

Viele der aus ganz Deutschland angereisten Teilnehmer haben ein bestehendes Projekt oder eine Projektidee vorgestellt. Dabei wurden zunächst von den Teilnehmern aus insgesamt fast 70 eingereichten Projekten 22 ausgewählt, die als am Interessantesten bewertet wurden. Diese wurden dann konkret vorgestellt und diskutiert, sowie die Möglichkeit zur Mitarbeit angeboten. Die vorgestellten Projekte befassten sich mit Themenbereichen wie Medien, Bildung, Kunst, Umweltschutz, Jugendarbeit, der Einrichtung einer Stiftung oder Begabtenförderung. Anschließend wurden Arbeitsgruppen gebildet, um bestimmte Themen zu vertiefen. Am letzten Tag wurden die drei besten Projekte gewählt, wobei ein Preisgeld von insgesamt 4.500 Euro vergeben wurde – 2.000 Euro für den ersten Platz, 1.500 für den zweiten und 1.000 Euro für den dritten Platz.

Besonderen Anklang fanden dabei offensichtlich Projekte aus dem Bereich Medien. Den ersten Platz erreichte der Kölner Nuri Senay mit seinem Projekt „muslime.tv“, einer Internet-TV-Seite. Zweiter wurde der Frankfurter Yasin Andreas Herrmann mit einem geplanten Hörspiel über das Leben des Gesandten Muhammad, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, und den dritten Platz erreichte das bereits bestehende Medienprojekt „Muslim – The Next Generation“, ein muslimisches Jugendmagazin, das im Internet und teilweise in gedruckter Form erscheint. Die Preisgelder sollen für die Finanzierung der Projekte verwendete werden.

Das „European Muslim Professionals Network“ CEDAR stellte sich im Rahmen des Treffens mit mehreren Rednern vor, darunter der beim ZDF arbeitende und unter anderem für das Internet-Format „Forum am Freitag“ zuständige Journalist Abdul-Ahmad Rashid. Dieser wurde allerdings auch mit Kritik seitens der Teilnehmer hinsichtlich des Konzepts des „Forums am Freitag“ konfrontiert. Eine junge Hamburger Muslimin beispielsweise, die beim ZDF hospitiert hat, sagte, sie habe dort ein weitgehendes Unwissen gerade in der Nachrichtenredaktion über Islam und Muslime festgestellt und fragte Rashid, warum denn offenbar so wenig Transfer von seiner Redaktion „Kirche und Leben“ in die anderen Redaktionen, insbesondere Nachrichten und Politik, stattfinde. Rashid entgegnete dem sinngemäß, dass dies grundsätzlich von den besagten Redaktionen ausgehen müsse und man sich ihnen nicht aufdrängen könne. Ein Format wie das „Forum am Freitag“ könne deswegen nur im Internet und nicht im TV-Hauptprogramm stattfinden, da die Muslime über keine Körperschaft des öffentlichen Rechts verfügten und daher auch über keine Stimme im Rundfunkrat, so Rashid.

Seren Basogul, die sich bei ihrer Diplomarbeit im Studiengang Visuelle Kommunikation mit den Wirkungen verschiedener Formen des Kopftuches beziehungsweise der Bedeckung befasst hat, hat das Treffen sehr gut gefallen. Sie finde es sinnvoll, auf diese Weise aktive junge Muslime zusammenzubringen und zu vernetzen, auch um die Projekte damit zu befördern. Wie die meisten anderen Teilnehmer auch, schätzt sie besonders die Funktion des Treffens als Forum zum Knüpfen von Kontakten und den persönlichen Austausch, der über Kontakte via Internet hinausgehe. „Die Menschen hinterlassen auch einen Eindruck, und ich denke, dass das viel länger im Kopf bleibt, als wenn man nur über Internet kommuniziert. Man erfährt dabei auch mehr über die Person als man vielleicht im Internet erfahren würde“, sagt Seren Basogul. Die Begegnung mit anderen Aktiven motiviere auch für das weitere eigene Engagement, so die junge Akademikerin. Der Zweitplatzierte des Projektwettbewerbs Yasin Andreas Herrmann hebt, neben dem gegenseitigen Austausch, besonders die offene und gemeinschaftliche Atmosphäre des Treffens hervor. Auffallend war auch, dass ethnische Herkunft oder eventuelle verbandliche Einordnung der bunt gemischten Teilnehmer sichtlich keine Rolle spielte. Das hat auch Cem Özel aus Gütersloh, der sich aus seinen langjährigen Erfahrungen in Moscheegemeinden heraus Gedanken zu neuen Ansätzen in der Jugendarbeit gemacht hat und diese vorstellte, bemerkt: „Vor zehn Jahren noch wäre man bei solchen Veranstaltungen als erstes gefragt worden, aus welchem Land man denn komme; hier wird man nur gefragt, aus welcher deutschen Stadt man kommt.“

Allgemein als wünschenswert wurde es gesehen, diese Treffen auf jeden Fall weiterzuführen, mindestens einmal jährlich oder sogar auch in kürzeren Abständen und anderen Formen. Seitens der Organisatoren zieht Kübra Yücel ebenfalls ein sehr positives Fazit. Alles sei hervorragend gelaufen und man habe durchweg positives Feedback von den Teilnehmern bekommen. „Es war eine wirklich sehr kreative und inspirierende Atmosphäre“, sagt die Hamburgerin, die Studentin der Politikwissenschaften und freie Journalistin ist. Das Netzwerk solle auf jeden Fall weitergehen. Die bisherige Resonanz habe gezeigt, dass ein großer Bedarf dafür bestehe.

Über die positive Begegnung hinaus stellt sich nicht zuletzt die Frage, wie die verschiedenen Projekte und auch die Kompetenzen der einzelnen Teilnehmer künftig in einen gemeinschaftlichen Kontext der Muslime eingebunden werden können, um nicht als isolierte Projekte einzelner Individuen zu verbleiben. Es wäre zu hoffen, dass die kreativen und gebildeten jungen Muslime sich nicht gänzlich von den bestehenden lokalen Moscheegemeinden und Gemeinschaften lösen, trotz aller Schwierigkeiten, sondern ihre Kompetenz auch in diese einbringen und nutzbar machen.

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