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Xinjiang – fast wie eine Kolonie

Die geostrategisch wichtige Region ist Heimat der muslimischen Uiguren

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Foto: Joowwww | Lizenz: gemeinfrei

München (KNA). Ross Anthony (42), früherer Direktor des Zentrums für Chinastudien an der Stellenbosch University in Südafrika, fürchtet „das Schlimmste“ für die Zukunft in China. „Han-Chinesen entscheiden und behandeln Xinjiang wie eine Kolonie“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag). Der Vergleich mit der Apartheid sei „schon sehr treffend, und mit jedem neuen Lager, mit jeder neuen Verhaftungswelle wird er immer treffender“.

Am Wochenende waren als geheim eingestufte Dokumente aus dem Inneren der Chinesischen Kommunistischen Partei bekannt geworden. Laut Recherchen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ zeigen sie erstmals im Detail eine massenhafte Internierung von religiösen Minderheiten. Demnach werden mehr als eine Million Menschen in Lagern festgehalten, in der Regel ohne ein Gerichtsverfahren. Die autonome Region Xinjiang ist die Heimat der Uiguren, nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) mit rund zehn Millionen Angehörigen die zweitgrößte muslimische Bevölkerungsgruppe in China.

Dokumente wie die „China Cables“ habe er vorher noch nicht gesehen, sagte Anthony. „Wenn in einem streng autoritären System wie in China auf einmal geheime Dokumente durchgestochen werden, dann müssen die Menschenrechtsverletzungen sehr, sehr schlimm sein.“ Im Hinblick auf deutsche Unternehmen, die Geschäfte in China machen, mahnte der Forscher: „Niemand kann mehr sagen, von nichts gewusst zu haben.“

Auf dem Papier hätten die Uiguren in China bestimmte Rechte, fügte der Experte hinzu. „In der Theorie können Minderheiten in einer Autonomen Region, wie Xinjiang sie offiziell ist, darüber entscheiden, welche Sprache gesprochen und welche Kultur gefördert wird. Im Prinzip haben sie auch Einfluss auf die Wirtschaftsförderung der Region.“

Die Wahrheit sei jedoch eine andere. Er frage sich, wo dies enden solle, so Anthony: „Die chinesische Führung kann doch nicht ernsthaft glauben, dass sie mit diesen Lagern neue Menschen formt, die die Propaganda nachplappern und ihre Kultur verleugnen. Werden diese Umerziehungslager also noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte existieren?“

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