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Zentralrat der Muslime fordert bundesweit duale Imam-Ausbildung

Niedersachsen will neue Wege gehen: Bisher wird ein Großteil der Imame in der Türkei ausgebildet und von dort finanziert

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Foto: Wilfried Dechau

Osnabrück (KNA). Der Zentralrat der Muslime in Deutschland fordert bundesweit eine duale Imam-Ausbildung nach dem derzeit in Niedersachsen diskutierten Modell. Im Interview der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom 14. September begrüßte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek den Vorschlag von Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) als vorbildlich. „Dieses Modell sollte ein Vorbild für die anderen Bundesländer sein, so dass wir bundesweit eine vergleichbare Imam-Ausbildung bekommen“, sagte Mazyek. Die Politik greife damit einen konkreten Vorschlag auf, den der Zentralrat der Muslime schon vor Monaten gemacht habe.

Ein solches Ausbildungsmodell schaffe „enorme Synergien und macht die Finanzierung der Ausbildung tragbar, weil die Gemeinden die eine Hälfte der Ausbildungskosten tragen könnten und der Staat die andere Hälfte“. Viele Gemeinden könnten sich keinen aus eigener Kasse bezahlten hauptamtlichen Imam leisten. „Und wir hätten einen Pflock eingeschlagen, um deutschsprachige, hier aufgewachsene und in deutschen Universitäten ausgebildete Imame in der Moschee zu haben“, sagte der Zentralratsvorsitzende.

Nach Einschätzung Mazyeks gibt es viele Hundert Interessenten. Zudem gebe es einen großen Bedarf an Imamen in den Gemeinden. In Deutschland existierten derzeit rund 2.500 islamische Gemeinden mit knapp 1.800 Imamen. Nach seiner Einschätzung wird ein großer Teil der Imame, etwa 1.000, derzeit von der Türkei bezahlt und dort ausgebildet.

Vorschlag aus Hannover
Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) schlägt eine Koppelung der Ausbildung von Lehrern und Imamen vor. Absolventen des Master-Studiengangs „Islamische Theologie“ an der Universität Osnabrück könnten künftig jeweils zur Hälfte in den Moscheegemeinden und in Schulen eingesetzt werden, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom 13. September. Auf diese Weise wären die Seelsorger auch für den Fall finanziell abgesichert, wenn der Gemeinde die Mittel für einen eigenen Geistlichen fehlten.

Thümlers niedersächsisches Modell sieht eine zweigeteilte Ausbildung vor: Demnach würden die Religionswissenschaftler zunächst ein Lehramtsstudium in islamischer Theologie an der Universität absolvieren. Anschließend würden sie eine zweite Fortbildung aufsatteln, die in einer Prüfung zum Imam endet. Vorbild könnten katholische Priesterseminare sein, in denen Anwärter nach dem Theologiestudium in einem Pastoralkurs auf die Gemeindearbeit vorbereitet werden.

Bei der Betreuung durch islamische Geistliche ist Deutschland derzeit stark von vor allem aus der Türkei geschickten Imamen abhängig. Dies ist politisch umstritten, da der türkische Religionsbehörde Diyanet über diesen Weg Einfluss in Deutschland nachgesagt wird. „Wir sind eine pluralistische Gesellschaft“, sagte Thümler der Zeitung. „Es sollte unser Anspruch sein, einen Beitrag zur Ausbildung von Moscheepersonal und Imamen zu leisten.“ Die Idee steht dem Minister zufolge noch am Anfang, erste Rückmeldungen von islamischen Verbänden und Kabinettskollegen seien aber positiv.

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