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„Zu keiner Zeit Berichte eingefordert oder verfasst“

Eskalierender Streit um DITIB: Bekir Alboga zur Diskussion um deutsch-türkischen Islamverband

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Foto: Pressebox.de

Köln (KNA). Seit Wochen steht der deutsch-türkische Moscheeverband DITIB unter Druck. Unter anderem geht es um den Vorwurf, einzelne Imame des Verbands hätten Informationen über Anhänger des im US-amerikanischen Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen an die türkische Regierung weitergeleitet. Kritiker werfen den Verantwortlichen vor, zu mauern; Politiker dringen auf rasche Aufklärung. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur äußert sich Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga zu den Vorwürfen. Und schildert seine Sicht der Dinge.

Frage: Herr Alboga, in diesem Jahr soll die Zentralmoschee in Köln nach fast zehnjähriger Bauzeit eröffnet werden – können Sie Näheres dazu sagen?

Bekir Alboga: Kürzlich erst haben wir eine Woche lang in einer Ausstellung mit Fotografien, Kalligraphie-Abbildungen und originalen Exponaten Kunstliebhabern das Gesamtkunstwerk Zentralmoschee präsentiert und die Innenraumgestaltung der Zentralmoschee der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Moschee ist vorrangig muslimisches Gotteshaus, aber auch ein Ort des gesellschaftlichen Zusammenwachsens, des interkulturellen und interreligiösen Dialogs für Angehörige aller Glaubensrichtungen.

Frage: Und wann wird sie voraussichtlich diese Funktion ausfüllen können?

Bekir Alboga: Wir rechnen damit, dass die Moschee spätestens in der zweiten Jahreshälfte fertig wird. Zur Eröffnung soll es einen „Tag der offenen Tür“ geben.

Frage: Derzeit steht Ihr Verband, die DITIB, in der Kritik. Wie würden Sie die Stimmung aktuell in den Gemeinden beschreiben?

Bekir Alboga: Viele Bürger mit türkischen Wurzeln und muslimischen Glaubens innerhalb und außerhalb der Gemeinden fühlen sich einem deutschen „Medienbashing“ ausgesetzt und in Sippenhaft genommen. Es entsteht mehr und mehr der Eindruck, die Medien in Deutschland würden ungerecht und pauschal über türkische Muslime, ihre Gemeinden und ihre Imame berichten. Viele beobachten diese Entwicklungen mit großer Sorge, denn sie beeinflussen und belasten das gesellschaftliche Alltagsleben zunehmend.

Frage: Nun steht aber unter anderem der Vorwurf im Raum, einzelne DITIB-Imame hätten Informationen über Anhänger von Fethullah Gülen an die türkische Regierung weitergeleitet. Was können Sie zum aktuellen Stand der Aufklärung sagen?

Bekir Alboga: Wie bereits öffentlich mitgeteilt, hat die DITIB zu keiner Zeit Berichte eingefordert oder verfasst. Auch sind keine Berichte über die Tische der DITIB gegangen oder weitergeleitet worden. Wir sind weiterhin um transparente Aufklärung bemüht und werden die Öffentlichkeit zum gegebenen Zeitpunkt informieren.

Frage: Das haben Sie bereits mehrfach betont. Meinen Sie nicht, dass die Zeit allmählich drängt? Die Affäre schwelt schließlich schon einige Wochen.

Bekir Alboga: Die entsprechenden innerinstitutionellen Ermittlungen werden wegen ihrer Bedeutsamkeit auf das Gründlichste durchgeführt, das dauert seine Zeit.

Frage: Manche Politiker zweifeln angesichts der aktuellen Diskussion um DITIB den Dialog mit dem Islam in der bisherigen Form an – Hamburg diskutiert gerade über eine mögliche Auflösung des Staatsvertrags. Bereitet Ihnen das Sorge?

Bekir Alboga: Wir möchten hier nochmals unterstreichen, dass sich die DITIB laut eigener Satzung als religiöser und sozialer Dienstleister in und für Deutschland versteht. Der Verband ist überparteilich verfasst und am Grundgesetz orientiert. Nicht nur interne Entscheidungen werden in Deutschland getroffen, auch die Predigten werden hier verfasst und verbandsinterne Fragen im gegenseitigen Gespräch vor Ort gelöst. Das ist gängige DITIB-Leitungs- und Verbandspraxis.

Frage: In der Satzung steht aber auch, dass im Falle von Konflikten, die die Organe des Vereins nicht lösen können, die Beschlüsse des „Obersten Religionsrates des Präsidiums für Religiöse Angelegenheiten, Diyanet“ Anwendung finden. Wie eng ist der Draht nach Ankara?

Bekir Alboga: Damit ist genau genommen eine satzungsmäßig festgeschriebene Schlichtungsstelle in religiösen Fragen gemeint, die nur involviert wird, wenn bezüglich religiöser Fragen kein Konsens besteht. Sie wurde bislang nicht in Anspruch genommen. Können sich die Mitglieder des Obersten Religionsrates oder die Landes-Religionsbeiräte untereinander in einer theologischen Angelegenheit nicht einigen, finden die Beschlüsse des Obersten Religionsrates des Präsidiums Anwendung, auf dessen wissenschaftliche Erfahrung wir vertrauen.

Das Präsidium ist darin eine spirituelle Instanz und ein theologisches Lehramt, wie etwa der Vatikan für die katholische Kirche in Deutschland. Jedoch wurde das Präsidium bisher weder angefragt, noch ist es von sich aus aktiv geworden. Es gibt in diesem Rahmen allerdings keine Schlichtungsregelung für Differenzen unter den Organen des Vereins. Diese werden, wie im Vereinsrecht üblich, durch einen Beschluss der Mitgliederversammlung beigelegt.

Frage: Was bedeutet das?

Bekir Alboga: Dass wir unsere verbandsinternen Diskussionen und Streitfragen um religiöse Themen immer schon verbandsintern ohne eine Schlichtungsstelle lösen konnten. Das spricht für unsere Kompetenz. Im Übrigen sind auch die Freitagspredigten allein Angelegenheit der Ditib hier in Deutschland.

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