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Stufen des Fastens: Die inneren Dimensionen

Ramadan: Auszüge aus Imam Al-Ghazalis „Ihja ‘Ulum Ad-Din“

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(iz). Es ist wichtig anzumerken, dass es drei Abstufungen des Fastens gibt: das gewöhnliche, das besondere und das sehr besondere. Das ­gewöhnliche Fasten bedeutet Enthaltsamkeit von Nahrung, Trinken und ­sexueller Befriedigung. Das besondere Fasten ist die Bewahrung der Ohren, Augen, Zunge, Hände und Füße – ­sowie aller anderen Glieder – vor falschen Handlungen. Das sehr besondere Fasten bedeutet ein Fasten des Herzen, das frei ist von nutzlosen Sorgen und weltlichen Gedanken und alles missachtet außer Allah. Es wird durch das Festhalten an weltlichen Dingen gebrochen, außer um jene Dinge willen, die aus religiösen Zwecken betrieben werden. Denn diese stellen Versorgung für das Jenseits dar und entstammen nicht dieser Welt.

Jene, die Wissen vom spirituellen Leben des Herzens haben, betrachten es ebenfalls als eine falsche Handlung, sich den ganzen Tag mit der Ausrichtung des eigenen Fastenbrechens zu beschäftigen. Diese Angst leitet sich aus einem Mangel an Vertrauen in die Überfülle der Großzügigkeit Allahs und aus einem Mangel an Vertrauen in Sein Versprechen der Versorgung ab.

Zu dem dritten Rang zählen die ­Propheten, die wirklichen Freunde ­Allahs und jene, die Ihm nah sind. Er lässt sich nicht durch Worte erklären, sondern ­seine wahre Natur wird besser durch Handlungen offenbar. Dieser Rang ­besteht in der absoluten Hingabe zu ­Allah und der Vernachlässigung von ­allem, das anders ist als Allah. Dies wird durch die Bedeutung seiner Worte ­besiegelt: „Sprich: ‘Allah!’ Dann lass sie sich weiter vergnügen an ihrem eitlen Geschwätz.“ (Al-An’am, 91)

Innere Voraussetzungen
Das besondere Fasten wird von den Rechtschaffenen praktiziert. Es bedeutet die Befreiung der eigenen Glieder von falschen Dingen.

Ein zurückhaltender Blick, der davor zurückscheut, irgend etwas zu sehen, dass beschämenswert oder zu tadeln ist, oder was das Herz von der Erinnerung Allahs ablenkt. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Der ziellos umher irrende Blick ist einer der vergifteten Pfeile Schaitans, der Fluch Allahs auf ihm. Wer ihn aus Furcht vor Allah aufgibt, der erhält von Ihm einen Iman, dessen Süße im Herzen erfahren wird.“

Dschabir überlieferte von Anas, dass der Gesandte Allahs sagte: „Fünf Dinge brechen das Fasten eines Mannes: Lügen, üble Verleumdung, Tratsch, Meineid und der lustvolle Blick.“

Wichtig ist das Bewahren der eigenen Zunge vor nutzlosem Gerede, Lüge, Tratsch, Obszönität, Grobheit, Streit und Kontroverse. Besser ist es, zu schwei­gen, sich an Allah zu erinnern oder den Qur’an zu rezitieren. Dies ist das Fasten der Zunge. Said Sufjan sagte, das üble Nachrede das Fasten brechen kann. Laith zitierte Mujahid [zwei muslimische Gelehrte der Frühzeit] mit den Worten: „Zwei Gewohnheiten brechen das Fas­ten: Verleumdung und Lügen.“

Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Das Fas­ten ist ein Schild. Wer fastet, sollte keine üble oder dumme Rede führen. Wenn er angegriffen oder beleidigt wird, soll er antworten: ‘Ich faste, ich faste!’“

Gleichfalls ist es angemessen, das Gehör vor allem zu verschließen, das ­ablehnenswert ist. Alles, dessen Aussprechen illegitim ist, ist auch unrechtmäßig, wenn es zu Ohren kommt. Aus diesem Grund verglich Allah den Lauschenden mit dem Profiteur: „Sie sind ­notorische Lauscher hinsichtlich der ­Falschheit, Verschlinger von Unerlaubtem.“ (Al-Ma’ida, 42)

Außerdem sagte Er, erhaben sei Er: „Warum untersagen ihnen die Rabbiner und die Schriftgelehrten nicht ihre sündige Rede und ihren Verzehr von Verbotenem?“ (Al-Ma’ida, 63)

Schweigen hingegen in der Gegenwart der üblen Nachrede ist ebenfalls eine tadelnswerte Eigenschaft: „Und Er hat euch schon in dem Buch herab gesandt, dass – wenn ihr hört, dass die Zeichen Allahs geleugnet und verspottet werden – ihr nicht bei ihnen sitzt, bis sie zu einem anderen Gespräch übergehen; ihr wäret sonst wie sie.“ (An-Nisa, 140)

Aus diesem Grund sagte der Gesandte Allahs: „Der Verleumder und sein Zuhörer sind Teilhaber an der falschen Tat.“

Alle Glieder und Organe sind vor einer falschen Handlung zu bewahren: Die Hände und Füße vor verwerflichen Taten und der Magen vor fragwürdigen Lebensmitteln in der Zeit des Fastenbrechens. Es ist bedeutungslos zu fasten, das heißt, sich erlaubten Dingen zu enthalten, nur um das eigene Fasten mit dem zu brechen, das unrechtmäßig ist. Jemand, der so handelt, ist mit einem Mann zu vergleichen, der ein Schloss errichtet, aber eine Stadt zerstört.

Erlaubte Speisen sind in ihrer Menge – nicht in ihrer Qualität – schädlich, und das Fasten verringert diese. Eine Person kann aus Furcht vor Krankheit die übermäßige Einnahme einer Medizin aufgeben, aber sie wäre dumm, wenn sie zu Gift wechseln würde. Das Unrechtmäßige ist ein Gift für die Religion, während das Rechtmäßige eine Medizin ist – nützlich in kleinen Dosen, aber schädlich im Übermaß. Das Ziel des Fastens ist die Förderung der Mäßigung. Der Prophet, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, sagte: „Viele, die fasten, haben nicht ­davon als Hunger und Durst!“ Dies ­wurde auf jene bezogen, die ihr Fasten mit unrechtmäßigen Lebensmitteln ­brechen. Andere sind der Ansicht, dass es sich auf jene bezieht, die sich erlaubtem Essen enthalten, aber ihr Fasten wegen ihrer Verleumdung, die verboten ist, im übertragenen Sinne mit „mensch­lichem Fleisch“ brechen. Andere betrachten es als Hinweis auf jene, die ihre Glieder nicht vor falschen Handlungen bewahren.

Zu den spirituellen Voraussetzungen des Fastens zählt auch das Vermeiden des Fastenden, sich in der Zeit des Fas­tenbrechens mit zu viel erlaubter Nahrung zu mästen. Es gibt bei Allah kein übleres Gefäß als ein Magen voll erlaubter Nahrung. Welchen Sinn hat das Fasten als ein Mittel zum Kampf gegen den eigenen Feind und die Überwindung der Leidenschaften zu nutzen, wenn man in der Zeit des Fastenbrechens alles wettmacht, was man während des Tages verpasst hat und sich darüber noch an weiterem erfreut? Es ist zur Gewohnheit geworden, im Ramadan alle Arten von Lebensmitteln zu lagern, sodass mehr verbraucht wird als in anderen Monaten.

Es ist bekannt, dass das Ziel des ­Fas­tens die Hunger-Erfahrung ist und die Leidenschaften zu beschränken, um Taqwa [furchtsames Wissen von Allah und dementsprechendes Verhalten] zu erlangen. Wenn der Magen von früh bis spät hungert, damit sein Appetit angeregt und sein Verlangen erhöht wird, nur damit ihm am Abend Delikatessen angeboten werden, damit er sich daran sättigen kann, dann werden Leidenschaften aktiviert, die unter normalen Bedingungen ruhen würden.

Der Geist und das Geheimnis des Fas­tens ist die Schwächung jener Kräfte, die Schaitans Mittel sind, um zurück zum Üblen zu führen. Es ist daher entscheidend, den eigenen Verzehr auf das zurückzuführen, was man in einer normalen Nacht zu sich nimmt, wenn man nicht fastet. Das Fasten hat keinen Nutzen, wenn man so viel zu sich nimmt, wie am Tag und in der Nacht zusammen. Darüber hinaus ist es bedeutsam, am Tag wenig zu schlafen, sodass der oder die Fastende den Hunger und den Durst fühlt und sich der Schwächung der eigenen Kraft – sowie der folgenden Reinigung des Herzens – bewusst wird.

Man sollte einen gewissen Grad an Schwäche in die Nacht hinüber retten, um die Vollziehung der Nachtgebete (Tahadschud) und die Rezitation der Lobpreisungen (Aurad) einfacher zu machen. Es könnte sein, dass Schaitan sich nicht dem eigenen Herzen nähert und dass man Zeuge des Königreichs im Himmel wird. Die Nacht der Macht repräsentiert jene Nacht, in der einiges von diesem Königreich offenbart wird. Dies ist mit den Worten Allahs gemeint: „Wir haben ihn in der Nacht der Macht [Al-Qadr] herabgesandt.“ (Al-Qadr, 1)

Jeder, der einen Sack Lebensmittel zwischen sein Herzen und seine Brust stellt, wird blind für diese Offenbarung. Noch reicht es aus, den Magen leer zu halten, um diesen Schleier hinfort zu ziehen, solange nicht der Geist von allem geleert wird außer Allah. Das ist der Kern der Angelegenheit und der Ausgangspunkt des Ganzen ist die Reduzierung des Essens.

Nach dem Brechen des Fastens soll das Herz wie ein Pendel zwischen Furcht und Hoffnung schwingen. Niemand weiß, ob das eigene Fasten angenommen und Allahs Zufriedenheit erlangt wird, oder ob es abgelehnt wird und man zu denen zählt, die Er verabscheut. In diesem Zustand sollte jeder sein, der eine Handlung der Anbetung vollzieht.

Es wurde überliefert, dass Al-Hasan Al-Basri einmal an einer Gruppe vorbeikam, die freudig lachte. Er sagte: „Allah, der Große und Erhabene, hat den Monat Ramadan zu einer Rennbahn gemacht, auf der Seine Geschöpfe in Seiner Anbetung miteinander wetteifern. Es ist absolut erstaunlich, jemanden an einem Tag lachend und spielend zu sehen, wenn der Sieg die Gewinner und das Scheitern die Vergeudenden erreicht. Bei Allah, wenn der Schleier hinfort gezogen wird, dann wird derjenige mit der guten Tat mit seinen guten Werken beschäftigt sein und der Übeltäter mit seinen schlechten.“

Von Al-Ahnaf ibn Qais wird berichtet, dass er einmal gefragt wurde: „Du bist ein gereifter Älterer. Das Fasten wird dich schwächen.“ Aber er entgegnete: „Dadurch bereite ich mit auf eine lange Reise vor. Gehorsam gegenüber Allah, gepriesen sei Er, ist einfacher, als Seine Strafe zu erleiden.“ Dies sind die innerlich signifikanten Bedeutungen des Fastens.

 

 

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