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Zum Thema muslimischer Wohlfahrtsverbände – Geschichte des islamischen Stiftungswesens weist neue Wege für aktuelle Herausforderungen. Von Malik Özkan

Der Reichtum der Muslime

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(iz). In einem von Muhammad ibn Abdallah ibn Hasan überlieferten Hadith des Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden geben, heißt es: „Der Gesandte Allahs gab den Muslimen ihren Markt als Sadaqa.“ Dies war einerseits wichtig für die Muslime insofern, dass darin beleuchtet wird, dass der Markt für alle Muslime frei und offen im Gebrauch ist. Aber es ist auch aus einem anderem Grund von Bedeutung. Dadurch wurde ein Präzedenzfall und eine Sunna etabliert, wonach ein Waqf (Pl. Auqaf) für andere als für rein religiöse Zwecke gestiftet werden kann. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die einzigen ins Leben gerufenen Auqaf Moscheen – zuerst die Qubba-Moschee und dann die von Medina.

Es sollten diese Auqaf werden, die sich als eines der, wenn nicht gar das entscheidendste Zahnrad einer funktionierenden, gesunden muslimischen Gesellschaft erweisen sollten.

Ein Waqf ist im Wesentlichen eine sehr einfache Einrichtung, und sein grundlegender Zweck kann aus der linguistischen Bedeutung des Wortes, aus dem er abgeleitet wurde (Waqafa, was so viel wie stoppen, oder anhalten bedeutet), verstanden werden. Dabei handelt es sich um die Beschränkung der Einkünfte eines bestimmten Besitzes oder von genau definiertem Wohlstand auf eine spezifische Gruppe von Empfängern und gleichzeitig im Verbot der Verwendung der entstehenden Einkünfte für einen anderen Zweck als der ursprünglichen Absicht.

Diesen Einkünften wurde üblicherweise durch den Waaqif [den Gründer der Stiftung] eine Dauer zugewiesen. Üblicherweise bestand diese im Gebrauch, dem Einkommen oder den Erzeugnissen des Mauquf [des betreffenden Eigentums oder der entsprechenden Sache]. Daher können Verbrauchsgüter (wie Lebensmittel oder Geld) nicht als Auqaf gestiftet werden, denn ihr Nutzen endet in dem Augenblick, in dem sie verbraucht sind. Der Waaqif bestimmt die Empfänger seines Waqfs – üblicherweise eine Gruppe oder eine Kategorie von Menschen, auch eine Einrichtung wie eine Moschee oder sogar Tiere. Es ist untersagt, dass die erzeugen Einkünfte für irgend etwas anderes verwendet werden dürfen. Die Praktiken zur Begründung eines Waqfs haben ihre Wurzeln im Qur’an und in der Sunna. Was den Qur’an betrifft, so ist die Stiftung eines Waqf eine Handlung der Sadaqa und entspricht der allgemeinen Ermutigung im Qur’an, um Sadaqa zu geben. So sagt Allah im Qur’an: „Ihr werdet keine wirklich Güte erlangen, solange ihr nicht von dem gebt, was ihr liebt.“

In der Sunna ist der Waqf eine Sadaqa Dscharija, wie sich aus einem Hadith von Huraira ableitet: „Wenn eine Person stirbt, enden alle ihre Handlungen mit Ausnahme von dreien: ein anhaltender Akt der Sadaqa, Wissen, aus dem andere Nutzen ziehen können, und ein rechtschaffenes Kind, welches für sie betet.“ Die ‘Ulama sind sich darüber einig, dass damit auch die Waqfs gemeint sind, denn sie sind die einzige Form von Sadaqa, die auch nach dem Tod des Spenders weiterhin gibt. Und dies wurde durch die Worte und Handlungen des Gesandten Allahs bestätigt.

Ibn Ishaq berichtete eine Begebenheit, wonach ein jüdischer Mann von den Banu Nadir namens Mukhairiq, der dem Propheten sieben Obstgärten in Medina überschrieb, als er an der Seite der Muslime bei Uhud kämpfte. Er sagte: „Sollte ich getötet werden, dann geht mein Reichtum an Muhammad. Er kann ihn auf jede Art und Weise benutzen, die ihm Allah zeigt.“ Mukhairiq wurde in der Schlacht getötet und so übernahm der Prophet den Besitz der sieben Gärten und machte sie zu einem Waqf für die Muslime.

Dann folgten ihm seine Gefährten in der Einrichtung dieser edlen Sunna. Es wurde von Ibn ‘Umar berichtet, wonach ‘Umar [sein Vater] einiges Land in Khaibar hatte. Er ging zum Propheten und fragte: „Gesandter Allahs, ich habe einiges Land in Khaibar und ich besitze nichts, was mir lieber wäre. Was rätst Du mir, das ich tun soll?“ Der Prophet entgegnete: „Wenn Du möchtest, kannst Du es zu einem Waqf machen und seine Einkünfte als Sadaqa geben.“ Und so gab ‘Umar das Land als Sadaqa unter der Voraussetzung, dass es weder verkauft, noch weggegeben oder vererbt werden würde. Dessen Einkünfte waren für die Verwendung für die Armen, Verwandte, Sklaven, auf dem Wege Allahs, für Gäste und Reisende vorgesehen. Sein Verwalter hatte das Recht, wenn er einen Teil der Ernte auf korrekte und vernünftige Art und Weise konsumierte.

Im Laufe der Jahre wurde es zu einer allgemeinen Praxis für die Wohlhabenden, einen Teil ihres Besitzes als Waqf zu geben, bis dieser beinahe ein Drittel des gesamten Landes der Muslime umfasste. Die Stifter bemühten sich sehr, Empfänger zu finden, die wirklich bedürftig waren, sodass es keinen Aspekt oder kein Element der Gesellschaft gab, das nicht durch die Auqaf unterstützt wurde.

All Madrassen und Universitäten, die an vorderster Front der großen wissenschaftlichen Leistungen in Al-Andalus und dem Maghrib standen, wurden als Auqaf gestiftet. Ihr Unterhalt (inklusive Lehrergehälter, Versorgung mit Büchern, Schlafquartiere, Stipendien usw.) wurden durch die Auqaf bereitgestellt. In Fes an der Qarawijin gab es eine spezifische Stiftung für jedes Lehrfach. Abdalhadi Az-Tazi erwähnte 18 unterschiedliche Lehrfächer, die zu jener Zeit auf diese Art und Weise unterstützt wurden.

Jede Stadt war mit großen Bibliotheken ausgestattet, die komplett von den Auqaf unterhalten wurden und die allen Wissenssuchenden offen stand. Es wurde im „Nafh At-Tib“ erwähnt, dass einer der großen Gelehrten Granadas, Abu Haijan ibn Jusuf, einen anderen großen Gelehrten, Al-Maqri, dafür kritisierte, dass er so viele Bücher kaufte: „Allah hat dir einen Verstand gegeben, und du solltest dein Leben an ihm ausrichten. Jedes Buch, das ich lesen will, leihe ich mir einfach von den Bibliotheken der Auqaf aus.“

Krankenhäuser, Apotheken und Kliniken waren zahlreich. In Bagdad alleine gab es im vierten Jahrhundert nach der Hidschra fünf große Krankenhäuser. Von Cordoba wurde berichtet, dass es dort 50 Hospitäler gegeben haben soll! Von den kleineren Kliniken und Apotheken einmal ganz abgesehen, die in jedem Distrikt zu finden waren. Das gleiche gilt für die speziellen Hospitäler, die sich besonderen Krankheiten widmeten und für Einrichtungen zur Betreuung der Geisteskranken. All diese Orte behandelten die Kranken umsonst, denn ihr Unterhalt und die Gehälter für Ärzte, Schwestern und Studenten wurden von den Auqaf, die ihnen angeschlossen waren, bereit gestellt.

Es gab auch Stiftungen für den Unterhalt von Straßen, die Betreuung von Waisen, Witwen und Geschiedenen, freie Unterkunft für Reisende ohne entsprechende Mittel, zur Bereitstellung frischen Trinkwasser, Mittel für junge Leute, damit diese heiraten konnten, Milch und Zucker für Frauen, die ihre Säuglinge stillten und – am erstaunlichsten – Hilfe für Diener, die Dinge zerbrachen. Und es wurde sich nicht nur um die Menschen gekümmert, denn es gab sogar Auqaf, die sich um streunende Katzen und alte Esel kümmerten.

In der muslimischen Umma waren all jene Dinge umsonst, genauso wie die Moscheen und die Märkte. Die Menschen mussten keine Steuern zahlen, um für sie zu bezahlen. Sobald solche ­Steuern den Muslimen auferlegt wurden, wurden sie unmittelbar als ungerecht angesehen und die Muslime befreiten sich von ­ihnen bei der ersten zur Verfügung ­stehenden Möglichkeit.

Im Gegensatz zur aufgeblasenen Bürokratie der heutigen Industriestaaten gab es im gesamten osmanischen Staat nur 3.000 Verwaltungsbeamte.

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