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Zumeist wird die muslimische Tradition der denkerischen Auseinandersetzung im Westen übersehen

Bücher: Tijana Sarac stellt den zweiten Band der Reihe zur „Islamische Philosophie“ vor

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Foto: Monfredo de Monte Imperiali, Wikimedia Commons | Lizenz: gemeinfrei

(iz). Was ist islamische Philosophie? Können Muslime überhaupt über philosophische Fragen streiten? Muhammad Sameer Murtaza und Dr. Murad Wilfried Hofmann brachten nun den zweiten Band der Reihe „Islamische Philosophie“ im tredition Verlag heraus, in denen sich zudem auch Mahdi Esfahani und Büsra Yücel mit diesem Phänomen in der islamischen Geschichte befassen.

In seinem Vorwort führt Dr. Ecevit Polat an, dass im Westen die Religion des Islam meist nicht mit der Tradition der philosophischen Auseinandersetzung in Verbindung gebracht werde, wobei sich traditionell in den Kulturräumen der Muslime gegensätzliche Meinungen und Diskussionen zu den Fragen des Lebens finden ließen, die eng verknüpft mit der griechischen Philosophie seien.

Zunächst behandelt Muhammad Sameer Murtaza den Perser Al-Razi, einen Philosophen des 9. und 10. Jahrhunderts. Erstaunlich ist hier, dass dieser als Theist bekannt war, der die Religion stets kritisierte und sein Wissen um Gott und die Welt aus seiner philosophischen Tätigkeit entwickelte. Beim Leser mag dies Verwunderung auslösen, gehen wir doch meist davon aus, dass es eine freie Meinungsäußerung, insbesondere, wenn sie der religiösen Überzeugung eines Kulturraumes gegenüberstand, in muslimischen Regionen nicht möglich gewesen sein kann. Das Vorurteil der vermeintlichen Intoleranz des Islam gegenüber anderen Lebensweisen oder Weltanschauungen wird hier in Frage gestellt.

Als nächstes wird Al-Razis Zeitgenosse Al-Farabi, aus Turkestan stammend, unter die Lupe genommen. Dieser machte sich unter den Muslimen seiner Zeit einen Namen als „zweiter Lehrer“, als erster Lehrer galt Aristoteles. Hierin lassen die Autoren erkennen, welchen Stellenwert die griechische Philosophie und ihre Größen wie Aristoteles in der muslimischen Welt traditionell innehatten. Einen Konflikt zwischen Ost und West, ein Konzept, welches damals in diesem Sinne nicht existierte, sucht man hier vergeblich. Auch der Gedanke, dass die Religion des Islam mit der Vernunft nicht zu vereinen sei, wird hier entkräftet. Al-Farabi empfand die christliche Trinitätslehre als der Vernunft widersprechend. Widerlegungen von Glaubensinhalten im Sinne der Vernunft kennen wir meist erst aus der Aufklärung und würden als Laien meinen, Kant habe diese Theorien als einer der Ersten geäußert. Dieses Buch räumt daher mit einer Vielzahl an Meinungen auf, ob sie nun vom muslimischen oder nichtmuslimischen Leser stammen.

In den nächsten Kapiteln geht es mit einem Vergleich zwischen Al-Farabi und Platon und der „Verfasstheit von Gemeinschaft“, dem Streben nach Glück bei Ibn Miskawai und Fragen der Ethik weiter. Bei der Lektüre wird immer deutlicher, wie sehr sich das, was wir als europäische Philosophie, mit ihrem Fundament bei den Griechen, und das, was wir als „fremd“, weil „orientalisch“, bezeichnen, eigentlich ähneln und geschichtlich mit einander im Austausch standen. Der zweite Band „Islamische Philosophie“ gibt dem Leser somit nicht nur Einblicke in das philosophische Denken einer früheren Zeit, er nimmt uns auch die eigenen Vorurteile.

„Islamische Philosophie: Islamische Philosophie im Konflikt – von Al-Razi und Al-Farabi bis Ibn Miskawai“. Murad Wilfried Hofmann (Hrsg.), Muhammad Sameer Murtaza (Hrsg.), Mahdi Esfahani, Büsra Yücel. tredition, Preis: EUR 14.–

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